http://www.faz.net/-gqe-7t9p8
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER
F+ Icon
F.A.Z. PLUS
abonnieren
F.A.Z.-Index -- --
DAX ® -- --
Dow Jones -- --
EUR/USD -- --

Veröffentlicht: 30.08.2014, 09:31 Uhr

Online-Streit Angriff aus der Urlaubswelt auf Google

Die Reisebranche rebelliert gegen den Internetkonzern. Mit seiner Hotel- und Flugsuche dringt er ins Urlaubsgeschäft vor. Die Touristiker hoffen auf Beistand durch die EU-Kommission. Holidaycheck hat eine Beschwerde geschickt.

von
© Jürgen Eich/ddp images Für Google ein „armseliges Skigebiet“ - das ägyptische Hotel Dana Beach Resort

Zum Wintersport ist noch niemand nach Ägypten gereist. Und wenn einem Hotel bei Hurghada am Roten Meer ein „armseliges Skigebiet“ bescheinigt wird, ist die Hotelbewertung schlicht falsch. Dennoch hält sie sich seit acht Monaten – auf den Bewertungsseiten des Internetkonzerns Google. Der Autor hat dazu geschrieben, dass er testen wolle, ob Google die Einträge kontrolliere. Doch offenbar hat niemand geprüft, was hinterlassen wurde. Wer mit Google nach dem „Dana Beach Resort“ sucht, findet (noch) leicht einen Hinweis auf „lange Schlangen am Skilift“. In der Reisebranche wächst die Sorge, dass so die Zukunft des Urlaubsgeschäfts im Internet aussieht.

Mehr zum Thema

Timo Kotowski Folgen:

Aus dem beschaulichen Bottighofen am Schweizer Ufer des Bodensees kommt nun ein Gegenschlag. Dort sitzt Holidaycheck, Europas größtes Portal für Urlaubshotelbewertungen, die das Unternehmen vor der Veröffentlichung prüft. Das Unternehmen hat eine Beschwerde an die EU-Kommission geschickt. Auf 28 Seiten listet Vorstandschef Gilles Despas auf, warum Google aus seiner Sicht „wettbewerbsfeindliche Praktiken“ anwende und der „Missbrauch einer marktbeherrschenden Stellung“ festzustellen sei. Wie einst Microsoft die Internet-Explorer-Software zum Betriebssystem Windows dazugab und Software-Konkurrenten klein hielt, nutze Google seine Macht bei Internetsuchen, um das Online-Reisegeschäft aufzumischen, heißt es. Die EU solle Google verbieten, eigene Reisedienstleistungen auffälliger darzustellen als die von Konkurrenten.

Google stößt in die Reisebranche vor

„Früher war Google sehr neutral, hat Suchergebnisse angeboten und Werbung verkauft. Mittlerweile hat Google eigene Produktfamilien aufgebaut, die Präsenz von anderen Marken auf den Ergebnisseiten von Google nimmt ab“, klagt Despas im Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Google – nicht nur in Deutschland der Inbegriff für Online-Suchen – stößt mit dem Flugservice Flight-Search und mit seinem Hotel-Finder in die Reisebranche vor. Der Konzern sammelt Hotelbewertungen, bindet Links zum Buchen ein und zeigt seine Dienste mit größeren Buchstaben und prominenter als Ähnliches aus der Reisebranche.

Für das „Dana Beach Resort“ sind auf den Seiten des Internetgiganten 53 Bewertungen eingegangen – inklusive Skilift-Urteil. Holidaycheck kommt auf 12.571 Einträge. Doch wer – wie mehr als 90 Prozent der Deutschen – Internetrecherchen bei Google beginnt, findet zunächst einen Verweis auf die 53 Einträge bei Google. Dazu einen Link, um über Google+ die 54. Bewertung zu schreiben. Es gibt einen Landkartenausschnitt von Google Maps, eine Außenansicht des Hotels von Google Street View und Fotos von Urlaubsresorts in der Nachbarschaft. Alles nur je einen Mausklick voneinander entfernt beziehungsweise in einem Kasten oben rechts auf der Suchergebnisseite.

1 | 2 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite

Macrons Wahl wird Börsen nicht reichen

Von Gerald Braunberger

Die Aussicht, dass Emmanuel Macron französischer Präsident wird, hat die Börsen beflügelt. Doch auf Dauer wird das nicht reichen. Mehr 4 3

Abonnieren Sie den Newsletter „Wirtschaft“