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Olympia 2012 : Die Spiele der Wirtschaft

  • -Aktualisiert am

Auch Joel Hodgson rennt für Olympia: Mitarbeiter der Anwaltskanzlei Freshfields beim Fackellauf Bild: Freshfields

Sponsoren der Olympischen Spiele profitieren davon, dass Großbritannien die Privatwirtschaft wie nie zuvor in die Organisation einbezogen hat. Den Unternehmen geht es nicht in erster Linie darum, Geld zu verdienen - sondern um die Chance, sich international zu präsentieren.

          Joel Hodgson kann 100 Meter unter 11 Sekunden laufen - und hat nicht einmal sonderlich dafür geübt. Dass der Mitarbeiter der Anwaltskanzlei Freshfields so schnell rennen kann, stellte sich erst heraus, als der junge Mann aus Belize von den Kollegen ausgesucht wurde, um die olympische Flagge zu tragen. Welch eine Ehre - für Freshfields und für Hodgson. Der Mitarbeiter in der Abteilung der Rechnungslegung hat harte Zeiten hinter sich: von der Mutter in Belize verlassen und mit seinen Geschwistern obdachlos, wurde er von einem englischen Militär adoptiert und landete mit dessen Frau in England.

          Nach Familientragödien landete Hodgson als Jugendlicher wieder auf der Straße und arbeitete schließlich für ein Londoner Obdachlosenmagazin. Von der Redaktion wurde er eines Tages für ein Sonderprogramm ausgesucht, das etablierte Unternehmen wie Freshfields als Sponsoren für junge Arbeitslose suchte. Hodgson überzeugte bei Freshfields so sehr, dass er mittlerweile bei der renommierten Anwaltskanzlei vollbeschäftigt ist. Die Kanzlei träumt davon, dass er 2014 in den Commonwealth-Spielen für Belize die 100 Meter läuft. So viel Glück auf einmal kann Hodgson gar nicht fassen.

          Freshfields hat vierzig Anwälte abgestellt

          Tim Jones, der für die Sponsorenarbeit zuständige Partner bei Freshfields, kann es ebenfalls kaum fassen, was für eine Chance die Olympischen Spiele für die Kanzlei sind. Es ist das erste Mal, dass eine Anwaltskanzlei allein das gesamte rechtliche Feld der Vertragsarbeiten für die Olympiade abdeckt: Es müssen die Übertragungsrechte gesichert sein, und die Verträge mit den Sponsoren, Lieferanten und Tausenden von Mitarbeitern und Teilzeitkräften müssen geschlossen worden sein; die Rechte der Sponsoren und die Nutzung der olympischen Symbole müssen gesichert sein, Rechtsstreitigkeiten um die Nutzung von öffentlichen Gebäuden, Parks und Sportarenen müssen aus dem Weg geräumt sein. Außerdem muss Freshfields Rechtsfragen zum Verfahren der Sportwetten und Dopingfälle klären.

          Vierzig Anwälte hat Freshfields für die Arbeit abgestellt. „Die Olympiade macht aus uns plötzlich eine international anerkannte Kanzlei, zeigt potentiellen Kunden, dass wir internationale Großprojekte rechtlich begleiten können“, frohlockt Jones. „Mit der Olympiade können wir unsere gesamte Palette der rechtlichen Arbeit demonstrieren. Das positioniert uns am Markt neu und motiviert unsere Mitarbeiter.“ Freshfields nimmt es daher in Kauf, für die Arbeit nicht bezahlt zu werden.

          Fast 50 Unternehmen sind beteiligt

          Sponsoren der Olympischen Spiele in London profitieren davon, dass Großbritannien wie bei keinen Spielen zuvor die Privatwirtschaft in die Organisation einbezogen hat - das sei ein wesentlicher Grund, warum London den Zuschlag gegenüber anderen Konkurrenten erhalten habe, meint Jones. Die Staatskosten für die städtebauliche Räumung, Sanierung und Entwicklung der Industriebrachen im Ostteil der Stadt für die Olympischen Spiele beliefen sich schließlich auf 9,3 Milliarden Pfund. Aber die Organisation der Spiele obliegt einer privatwirtschaftlichen Gesellschaft Locog, dem London Organizing Committee of the Olympic and Paralympic Games, mit einem Budget von 2,2 Milliarden Pfund. Der ehemalige Partner und Europa-Betriebschef von Goldman Sachs, Paul Deighton, leitet Locog. Und so sah zuletzt alles danach aus, dass die Spiele an diesem Wochenende mit 15.000 Sportlern und 4 Milliarden Fernsehzuschauern auf der ganzen Welt reibungslos beginnen können.

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