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Nutzfahrzeuge Scania wehrt sich weiter gegen Übernahmeversuch

16.10.2006 ·  Im Abwehrkampf gegen die Übernahmepläne von MAN will der schwedische Nutzfahrzeughersteller Scania als „Giftpille“ eine Sonderdividende an die Aktionäre ausschütten. Scania-Chef Östling kritisiert die „durch und durch politisierte Struktur deutscher Unternehmen“.

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Im Abwehrkampf gegen die Übernahmepläne des Münchener MAN-Konzerns will der schwedische Ntzfahreughersteller Scania als „Giftpille“ eine Sonderdividende an die Aktionäre ausschütten. Scania-Chef Leif Östling kritisiert die „durch und durch politisierte Struktur deutscher Unternehmen“. MAN-Hauptaktionär Volkswagen will die Übernahme unterstützen, wenn MAN in einem Monat einen gewissen Anteil an den Schweden erwirbt.

Scania-Konzernchef Östling sprach sich am Montag bei der Vorstellung der Zwischenbilanz nach dem dritten Quartal klar gegen ein direktes Zusammengehen der beiden Nutzfahrzeughersteller aus. Er nannte als wichtigste Gründe unter anderem die „durch und durch politisierte Struktur deutscher Unternehmen“ sowie mangelnde Effizienz innerhalb des MAN-Konzerns. Scania und MAN könnten frühestens in zehn bis 15 Jahren und damit lange nach der Zeit des derzeitigen MAN-Konzernchefs Håkan Samuelsson sowie seiner eigenen an der Spitze von Scania zusammenkommen, erklärte Östling.

Die MAN-Offerte von 10,3 Milliarden Euro werde dem tatsächlichen Unternehmenswert nicht gerecht, sagte Östling weiter. Eine Konsolidierung der Branche sei zwar eine Möglichkeit, aber keineswegs notwendig. Von 2007 bis 2009 rechne Scania mit Umsatzsteigerungen von rund zehn Prozent und einer Gewinnmarge vor Steuern und Zinsen von zwölf bis 15 Prozent. Damit könne sich das Unternehmen als „Klassenbester“ bezeichnen.

Sonderdividende von Scania als Giftpille im Abwehrkampf

Scania hat am Montag ebenfalls angekündigt, den Aktionären bis zu 35 Schwedische Kronen (SEK) je Aktie als Sonderdividende zahlen, ein Schritt der von Analysten als Abwehrmaßnahme im Kampf gegen die Übernahme durch MAN gesehen wird. Scania sei es „möglich“, bis Ende des Jahres bis zu sieben Milliarden SEK an die eigenen Aktionäre auszuzahlen, teilte der Lkw-Hersteller mit.

Das Unternehmen werde den Zeitpunkt einer solchen Ausschüttung noch vor Jahresende prüfen, läßt sich der Scania-Chef Leif Oestling in einer Pressemitteilung mit den endgültigen Drittquartalszahlen zitieren.

Die nun angekündigte Sonderdividende lag unter den Erwartungen einiger Analysten. Die HVB hatte bereits am Freitag in einer Analyse von einer möglichen Sonderdividende von 60 SEK je Aktie als „Giftpille“ im Übernahmekampf gesprochen. Dies werde dann den Scania- Preis für MAN um 1,2 Milliarden auf 11,5 Milliarden Euro erhöhen, hatten die Analysten erwartet.

VW stellt MAN eine Frist von einem Monat

Der Scania-Großaktionär Volkswagen setzt vorläufig noch auf eine friedliche Lösung im Streit zwischen dem schwedischen Nutzfahrzeughersteller und dem Übernahmeinteressenten MAN. Zunächst soll MAN mit dem zweitgrößten Scania-Aktionär, der schwedischen Industriellenfamilie Wallenberg, handelseinig werden.

Jede Lösung könne allerdings "nur den Zusammenschluß der Unternehmen MAN und Scania zum Ziel haben", erklärte der VW-Aufsichtsrat am Sonntag nach einer Sondersitzung zu diesem Thema. Mittelfristig gibt VW dem Instrument einer neuen Holdinggesellschaft den Vorzug, in dem die Nutzfahrzeuggeschäfte von MAN, Scania und zusätzlich von Volkswagen eingebracht würden, verlautete ergänzend aus Kreisen des Unternehmens.

Unterstützung aus Wolfsburg ist an Bedingungen geknüpft

MAN-Chef Hakan Samuelsson hat von den VW-Aufsichtsräten damit nur eine indirekte Unterstützung seines Übernahmeplans erhalten, der auf den Widerstand des Scania-Managements und bedeutender Großaktionäre gestoßen ist. In der offiziellen Mitteilung der Beschlüsse, die bis zur nächsten regulären Aufsichtsratssitzung am 17. November gelten, spiegelt sich der Schwebezustand folgendermaßen wider: Volkswagen wird seinen Anteil an Scania von 34,0 Prozent der Stimmrechte und 18,7 Prozent des Kapitals erst dann MAN anbieten, wenn die Münchener mindestens 71,31 Prozent des Kapitals an Scania und 56,01 Prozent der Stimmrechte angedient bekommen haben. Volkswagen hat MAN dafür eine vierwöchige Frist gesetzt.

Dies bedeutet, daß MAN zunächst mit der Beteiligungsgesellschaft Investor AB der schwedischen Industriellenfamilie Wallenberg, dem mit 19,3 Prozent der Stimmrechte zweitgrößten Scania-Aktionär, handelseinig werden muß. In diesem Fall würde dann auch VW seine Scania-Aktien anbieten und MAN das selbst formulierte Ziel eines Anteil von mehr als 90 Prozent an Kapital und Stimmen erreichen. Andererseits würde Volkswagen derzeit auch keine Gegenofferte von Scania für MAN unterstützen. Am Sonntag beriet auch der Verwaltungsrat von Scania über das weitere Vorgehen gegenüber dem Konkurrenten.

Zusammenschluß mit Scania für VW unabdingbar

Nach Meinung des VW-Aufsichtsrats ist das Zusammengehen von MAN und Scania unter Einschluß des VW-Nutzfahrzeuggeschäfts, mit dem man dem Weltmarktführer Daimler-Chrysler Paroli bieten könnte, auf mittlere Sicht offenbar unabdingbar. "Alle drei sind zum Erfolg verdammt", hieß es aus VW-Kreisen im Anschluß an die Sondersitzung.

Die erste Wahl scheint dabei eine Lösung mit einer Holdinggesellschaft zu sein, in die alle drei Unternehmen ihre Geschäfte mit Nutzfahrzeugen einbringen würden. VW würde insbesondere die Produktion schwerer Lastwagen in Brasilien beisteuern. Nicht zuletzt damit wird der Anspruch auf eine maßgebliche Rolle in einem solchen Dreierbündnis begründet.

Scania schon fast bis zur Hälfte in deutscher Hand

Die beiden deutschen Scania-Aktionäre vereinen gut 48 Prozent der Stimmrechte auf sich. MAN hatte am Donnerstag die Beteiligung an Scania auf 11,5 Prozent des Kapitals und 14,27 Prozent der Stimmrechte aufgestockt. Die neuen Aktien wurden zu einem höheren Preis gekauft, so daß Scania jetzt mehr als 10 Milliarden Euro wert ist. Volkswagen ist mit 18,7 Prozent Kapitalbeteiligung (34,0 Prozent der Stimmrechte) der größte Scania-Aktionär. Anfang Oktober ist der Wolfsburger Automobilhersteller auch bei MAN eingestiegen und dort mit einem Anteil von gut 15 Prozent der größte Anteilseigner.

Mit dem Ergebnis seiner Sitzung bleibt der VW-Aufsichtsrat formal auf der Linie von Vorstandschef Bernd Pischetsrieder, der alle Beteiligten zu einer einvernehmlichen Lösung aufgefordert hatte. Der höhere Preis, den MAN für die letzte Aufstockung bei Scania gezahlt hatte, muß jetzt allen Aktionären angeboten werden.

Hierzu gehört in erster Linie die Familiendynastie Wallenberg. Ihre Investmentgesellschaft Investor AB ist mit 10,8 Prozent am Kapital des schwedischen Nutzfahrzeugherstellers beteiligt. Die K & A Wallenberg Stiftung hält 5,3 Prozent des Kapitals. Beide gaben bisher nicht zu erkennen, daß sie das um rund 8 Prozent auf 475 schwedische Kronen (gut 51 Euro) erhöhte Angebot akzeptieren wollen.

Quelle: F.A.Z., 16.10.2006, Nr. 240 / Seite 16, du.; Dow Jones, Reuters, dpa
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