09.10.2006 · VW-Konzernchef Bernd Pischetsrieder hat eine weitere Beteiligungserhöhung an MAN nicht ausgeschlossen. Er begrüßte, daß MAN bereit ist, das erste Übernahmeangebot für Scania zurückzunehmen und zeigte sich optimistisch für eine Dreier-Allianz.
Der Weg für eine Dreier-Allianz von VW, MAN und Scania scheint nun weitgehend frei zu sein. Der VW-Konzernchef Bernd Pischetsrieder sieht dafür große Chancen, teilte er während einer Telefonkonferenz mit. Vor allem zwischen MAN und Scania seien „signifikante Synergien“ möglich, sagte Pischetsrieder. VW wolle in die Allianz sein brasilianisches Lkw- Geschäft einbringen. Eine Lösung müsse aber einvernehmlich gesucht werden.
Ein Synergieteam soll in den nächsten vier Wochen die Möglichkeit zur Schaffung einer Nutzfahrzeugallianz unter Beteiligung von MAN, VW und Scania ausloten. Eine Zerschlagung des Münchner Traditionsunternehmens sei nicht geplant, betonte Pischetsrieder. Zur künftigen Struktur eines wie auch immer gearteten Zusammenschlusses wollte er sich nicht äußern. Pischetsrieder sagte, er begrüße, daß MAN bereit sei, sein erstes Übernahmeangebot für den schwedischen Lkw-Hersteller Scania zurückzuziehen. Das Angebot war von Scania-Großaktionär VW als feindlich eingestuft und abgelehnt worden.
VW hält sich Beteiligungserhöhung offen
Die Volkswagen AG hält sich außerdem eine weitere Beteiligungserhöhung am Münchener Nutzfahrzeug- und Maschinenbaukonzern MAN offen. „Ich schließe keine Option aus“, sagte der VW-Vorstandsvorsitzende Montag während der Telefonkonferenz auf die konkrete Frage eines Analysten. „Wir brauchen einen Anteil, der uns in der Startphase eine gewisse Einflußmöglichkeit sichert“, sagte der Manager. VW ist derzeit mit einem Anteil von 15,06 Prozent der größte Einzelaktionär von MAN.
Pischetsrieder zufolge strebt VW keinesfalls mehr als 30 Prozent an MAN an. „Dies hätte nach deutschem Recht ein Übernahmeangebot zur Folge, was nicht in unserem Interesse ist“, sagte Pischetsrieder. Bei Scania schloß der VW-Vorstandsvorsitzende eine weitere Aufstockung des eigenen Anteils aus. Der Wolfsburger Automobilkonzern hält 34 Prozent der Stimmrechte am schwedischen Lkw-Hersteller. Eine Erhöung des Anteils hätte nach schwedischem Recht ebenfalls eine Übernahmeofferte zur Folge.
MAN zum Rückzug bereit
Der Münchner MAN-Konzern hatte zuvor mitgeteilt, daß er bereit ist, sein Übernahmeangebot für den schwedischen Lkw-Bauer Scania zurückzunehmen. MAN erwäge „unter bestimmten Bedingungen, die mit allen Beteiligten verhandelt werden müssen, das vorgelegte Übernahmeangebot für Scania AB zurückzuziehen“, teilte das Unternehmen in einer Erklärung mit und bestätigte damit einen Bericht der F.A.Z. (siehe auch: MAN zieht Offerte für Scania zurück).
MAN strebe kurzfristig eine einvernehmliche Lösung für die Verwirklichung der geplanten Kombination von MAN und Scania auf dem Verhandlungswege an. Eine mögliche Rücknahme des im September vorgelegten Angebots über 9,6 Milliarden Euro stehe auch unter dem Vorbehalt der Genehmigung durch die schwedische Finanzaufsicht.
Neuer Lastwagenriese möglich
Der Münchner MAN-Konzern hatte vor drei Wochen ein feindliches Übernahmeangebot für Scania in Höhe von 9,6 Milliarden Euro vorgelegt, welches jedoch sowohl von Scania selbst, als auch von Scania-Großaktionär VW abgelehnt worden war. Am Wochenende hatte es in deutschen Medien Berichte gegeben, wonach der Volkswagen-Konzern einen neuen Lastwagen-Riesen unter eigener Führung zusammenschmieden will. Mit dem Rückzug der Offerte für Scania, macht MAN den Weg frei für eine solche mögliche Lösung.
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