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Nutzfahrzeuge MAN-Offerte ohne Erfolgschance

18.09.2006 ·  Der größte Scania-Aktionär Volkswagen pocht darauf, auch in einem Gemeinschaftsunternehmen aus MAN und Scania eine strategisch bedeutsame Position zu bekommen. Volkswagen will dem Vernehmen nach auch einer höheren Offerte nicht zustimmen.

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Der Münchner Nutzfahrzeugkonzern MAN stößt mit dem Übernahmeangebot für Scania auf starken Widerstand. Allein an der ablehnenden Haltung von Volkswagen, dem größten Aktionär des schwedischen Lastwagenherstellers, könnte das Angebot scheitern. Nach Informationen der F.A.Z. würde VW auch einem erhöhten Angebot für die Scania-Aktien auf keinen Fall zustimmen.

Der Konzern hätte nach einem Aktientausch mit weniger als 10 Prozent an MAN nicht mehr die starke strategische Stellung, die die Wolfsburger mit ihrer Sperrminorität an Scania besitzen. VW wird deshalb mit MAN erst wieder verhandeln, wenn das Unternehmen sein öffentliches Angebot zurückzieht, wie zu hören ist. In einer Mitteilung von VW heißt es nur, das Angebot entspreche nicht dem eigenen industriellen Interesse.

Investor: Angbot spiegelt fairen Wert nicht wider

Auch Vorstand und Verwaltungsrat von Scania sowie Investor AB lehnen die Offerte des Münchner Konzerns für 9,6 Milliarden Euro ab. Das Angebot spiegelt nach Ansicht von Investor AB, dem von der Wallenberg-Gruppe kontrollierten zweitgrößten Aktionär, nicht den fairen Wert von Scania wider. Der Verwaltungsrat von Scania wies ohne Angabe von Gründen das Angebot des deutschen Konkurrenten einstimmig zurück. Vorsitzender des Kontrollgremiums ist Bernd Pischetsrieder, Vorstandsvorsitzender von Volkswagen. VW besitzt 34 Prozent der Stimmrechte von Scania, die Wallenberg-Gruppe 29 Prozent. Der Kurs der MAN-Aktie gab am Montag kräftig nach, während Scania ein Plus erzielte.

Håkan Samuelsson, der schwedische Vorstandsvorsitzende von MAN und frühere Manager von Scania, zeigte sich trotz der Ablehnung zuversichtlich. „Es ist noch viel Zeit für Diskussionen“, sagte er auf einer Pressekonferenz in Stockholm. „Ich bin überzeugt, mit unserem starken Konzept am Ende eine große Zustimmung zu bekommen.“ In sechs Wochen sollen die Aktionäre die detaillierten Angebotsunterlagen erhalten. Samuelsson erwartet von der Europäischen Kommission keine größeren Hürden für einen Zusammenschluß, so daß die Übernahme mit Blick auf das Kartellrecht vor Jahresende perfekt sein könnte.

Samuelsson wirbt für sein Vorhaben

Das Angebot von MAN ist an die Bedingung geknüpft, mehr als 90 Prozent der Aktien und Stimmrechte von Scania zu erhalten. Die Offerte besteht aus 7,5 Milliarden Euro in bar und 2,1 Milliarden Euro in neuen MAN-Anteilsscheinen. Dazu müßte der Nutzfahrzeug- und Maschinenbaukonzern wie erwartet das Kapital erhöhen. Die Barkomponente solle mit eigenen liquiden Mitteln und Bankkrediten aufgebracht werden, berichtete Finanzvorstand Karlheinz Hornung. Gemessen am Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen 2005 bietet MAN für Scania einen Preis von knapp dem Zehnfachen. Samuelsson wirbt für sein Vorhaben. „In guten Zeiten sollte man konsolidieren, um für die Zukunft gerüstet zu sein“, sagte er.

Mit einem gemeinsamen Jahresabsatz von mehr als 80.000 schweren Lastwagen wären MAN und Scania vor Volvo mit Renault und Daimler-Chrysler Marktführer in Europa und mit 6700 Bussen hinter Daimler-Chrysler an zweiter Stelle. „Wir hätten eine starke gemeinsame Plattform für internationales Wachstum“, sagte der MAN-Chef. Er deutete eine Offensive auch im größten Nutzfahrzeugmarkt der Welt, den Vereinigten Staaten, an. Bisher ist MAN dort nur als Partner des amerikanischen Herstellers Navistar auf dem Gebiet der Motoren aktiv. Für Scania ist Nordamerika ein weißer Fleck.

„Werksschließungen sind nicht geplant“

Eine Übernahme des schwedischen Konkurrenten wäre nach vorsichtigen Schätzungen mit Synergien von 500 Millionen Euro im dritten Jahr verbunden, kündigte Samuelsson an. Die größten Beiträge sollten ein gemeinsamer Einkauf, gemeinsame Bauteile sowie die Zusammenarbeit im Service und Vertrieb liefern. Die erwarteten Kosten für eine Eingliederung von Scania bezifferte der Vorstandschef mit 150 Millionen Euro.

Schon im ersten Jahr nach einer Übernahme könnten die Aktionäre mit einem höheren Gewinn je Aktie rechnen. Die Arbeitsplätze der Beschäftigten würden in dem wachstumsstarken Unternehmen sicherer. „Werksschließungen sind nicht geplant“, sagte der MAN-Chef.

Quelle: him./rit./F.A.Z., 19.09.2006, Nr. 219 / Seite 13
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