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Nutzfahrzeuge MAN bereitet Offerte für Scania vor

13.09.2006 ·  MAN hat bestätigt, daß das Unternehmen Interesse daran hat, sich mit dem schwedischen Konkurrenten Scania zusammenzuschließen. Scania-Anteilseigner VW unterstützt die Pläne. Ein Angebotsvolumen von 10 Milliarden Euro steht im Raum.

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Der Münchner Nutzfahrzeughersteller MAN wird in der nächsten Woche den Aktionären von Scania ein Angebot für die Übernahme des schwedischen Konkurrenten vorlegen. In der Branche wird mit einem Gesamtvolumen des Angebots von rund 10 Milliarden Euro gerechnet.

Volkswagen als größter Aktionär von Scania hat signalisiert, die Pläne von MAN zu unterstützen, und will an einem fusionierten Unternehmen beteiligt bleiben. Dagegen ist noch unklar, ob die Wallenberg-Gruppe ihre Scania-Aktien (direkt und indirekt 16 Prozent des Kapitals) verkauft.

Samuelsson und Pischetsrieder verstehen sich gut

MAN hat am Mittwoch das Interesse an Scania bestätigt. „Nach Ansicht von MAN gibt es eine überzeugende industrielle Logik für eine Kombination beider Unternehmen“, heißt es in einer Mitteilung des Konzerns. Zusammen wären beide Unternehmen der absatzstärkste Nutzfahrzeughersteller in Europa.

Der Sprung an die Spitze vor Daimler-Chrysler und Volvo gelänge erst recht, wenn der VW-Konzern sein Nutzfahrzeuggeschäft in das gemeinsame Unternehmen einbrächte. Darüber haben offenbar die Vorstandsvorsitzenden von MAN und VW, Håkan Samuelsson und Bernd Pischetsrieder, schon gesprochen. Beide verstehen sich recht gut, wie zu hören ist. Die Manager hätten sich darauf geeinigt, daß VW an einem gemeinsamen Unternehmen von MAN und Scania beteiligt bliebe. In Gesprächen von VW mit der Wallenberg-Gruppe seien die Pläne der Münchner jedoch auf Ablehnung gestoßen.

Sperrminorität möglich

Eine VW-Sprecherin verwies am Mittwoch auf Aussagen Pischetsrieders in einer Analystenkonferenz vor wenigen Wochen. Dort hatte er das „strategische industrielle Interesse“ an der Scania-Beteiligung betont. Damit hat VW indirekt bestätigt, nicht an einen Verkauf der Anteile zu denken. Pischetsrieder hatte sich in der Analystenkonferenz für eine stärkere Konsolidierung in der Lastwagenindustrie ausgesprochen.

Dabei könne auch das eigene Geschäft mit leichten Nutzfahrzeugen und Transportern in Europa sowie Schwertransportern in Brasilien eine Rolle spielen, sagte er. Mit dem eigenen Nutzfahrzeuggeschäft in einem Gemeinschaftsunternehmen von MAN und Scania könnten die Wolfsburger auf eine Sperrminorität von 25,1 Prozent kommen.

Spekulative Aktionkäufe von Kleinsparern

Der Betriebsrat von Volkswagen hat sich klar gegen einen Verkauf der Scania-Beteiligung (34 Prozent der Stimmrechte, 18,7 Prozent des Kapitals) ausgesprochen. „Ich sehe im Moment überhaupt nicht die Notwendigkeit, über einen Verkauf von Scania nachzudenken“, sagte Betriebsratschef Bernd Osterloh der Agentur Reuters. Das Thema stehe nicht auf der Tagesordnung für die Aufsichtsratssitzung am Freitag. VW hatte die Scania-Beteiligung im Jahr 2000 für umgerechnet 1,6 Milliarden Euro erworben.

In Schweden hat die Nachricht über MAN und Scania viele Kleinsparer zu spekulativen Aktienkäufen veranlaßt. Der Kurs von Scania stieg am Mittwoch nach Aufhebung der Handelssperre vom Dienstag nachmittag zeitweise nochmals um 10 Prozent. Der Handel mit den Aktien erreichte Rekordumsätze, während viele Anleger Volvo-Aktien abstießen, die noch in der vergangenen Woche als Favoriten gegolten hatten. Der Kurs der MAN-Stammaktien legte am Mittwoch zunächst kräftig zu, schloß aber mit 60,12 Euro 0,9 Prozent im Minus.

Diskussionen bei der Familie Wallenberg

Scania-Großaktionär Investor AB hat nach Berichten schwedischer Zeitungen bestätigt, seinen Scania-Anteil von 10,8 Prozent des Kapitals und 19,3 Prozent der Stimmrechte an MAN verkaufen zu wollen. Allerdings ist zu hören, in der Familie Wallenberg, die Investor AB kontrolliert, gebe es noch Diskussionen über die Reaktion auf ein Angebot von MAN. Besonders der Seniorchef Peter Wallenberg sei sich noch unschlüssig. Scania-Chef Leif Östling wehre sich mit Händen und Füßen gegen eine Übernahme.

Der Aufsichtsrat von MAN ist nach Informationen dieser Zeitung noch nicht über die Pläne des Vorstands informiert worden. Für das Übernahmeangebot ist allerdings die Zustimmung der Unternehmenskontrolleure notwendig, so daß in den nächsten Tagen eine Sitzung des Aufsichtsrates zu erwarten ist. MAN wird in dem Übernahmevorhaben von der amerikanischen Investmentbank Greenhill beraten, Scania von Morgan Stanley. Für die Finanzierung könnte der kaum verschuldete MAN-Konzern nicht ausgeschöpfte Kreditlinien und eigene Aktien nutzen.

Aufregung im Wahlkampf

In Schweden könnte der Übernahmeplan von MAN zum Schluß des Wahlkampfs Wellen schlagen. Die Verlagerung von Arbeitsplätzen ins Ausland hat schon zuvor die Sozialdemokraten zu unternehmensfeindlichen Äußerungen getrieben. Jetzt könnte die Übernahme als ein Ausverkauf eines schwedischen Kleinods kritisiert werden. Analysten weisen allerdings darauf hin, daß Scania mehr als 30.000 Menschen in der Welt beschäftigt, aber Entwicklung und Forschung in Schweden konzentriert. Da die Lohnkosten in Schweden niedriger seien als in Deutschland, dürfte es dort zu Einsparungen kommen.

Mit einer Übernahme von Scania könnte MAN auch einen wichtigen Partner in Asien gewinnen. Dort verhandeln die Schweden mit Hino Motors in Japan über eine Erweiterung gemeinsamer Beschaffungs- und Verkaufskanäle. Ein erster Schritt wird momentan in Südkorea angepeilt. Dort plant Scania, von 2007 an über sein Händlernetz auch Fahrzeuge der Marke Hino zu verkaufen. Die Japaner taten sich auf dem koreanischen Markt bislang schwer.Die Mehrheit der Hino-Aktien hält Toyota Motor.

Quelle: him./rit./Th./fib./F.A.Z.
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