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Nokia-Chef Stephen Elop „Wir sind in diesem Markt, um zu gewinnen“

 ·  Der einstige Handy-Weltmarktführer Nokia bietet nur noch einen matten Abglanz früherer Tage und kämpft gegen scharfe Konkurrenz. Der Vorstandsvorsitzende Elop spielt trotzdem auf Sieg - und will mit einem neuen Smartphone zurück an die Spitze.

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© picture alliance / dpa Vergrößern Stephen Elop

Gegen die Naturgewalten richten auch mächtige Menschen nichts aus - diese Erfahrung hat Stephen Elop vergangene Woche in New York gemacht. Der Vorstandsvorsitzende von Nokia wollte nach Deutschland fliegen, doch Hurrikan Sandy vereitelte die Pläne. Die Flughäfen waren geschlossen, der Manager musste sein Hotel verlassen, weil die Südspitze Manhattans vor dem Eintreffen der mehr als vier Meter hohen Flutwellen evakuiert wurde. Elop zog nach Midtown um - und nachdem der Sturm über New York hinweggebraust war, gab es dort genug Strom, um ein zuvor vereinbartes persönliches Gespräch wenigstens über den Internet-Telefoniedienst Skype zu führen.

Üblicherweise hält sich der Nokia-Chef mit Interviews zurück, aber derzeit ist sozusagen Wahlkampf. Seit Montag präsentieren die Finnen in Deutschland - einem der wichtigsten Märkte - ihre neuesten internetfähigen Mobiltelefone (Smartphones) aus der Lumia-Modellreihe. Von deren Erfolg hängt für das Unternehmen viel ab. Mancher Beobachter verspricht sich vom anstehenden Weihnachtsgeschäft und vom kommenden Jahr Indizien dafür, ob und wie der einstige Handy-Weltmarktführer überlebt.

Seit geraumer Zeit hat sich Stephen Elop eine Rhetorik angewöhnt, die von der Heftigkeit des Konkurrenzkampfs kündet. Gerne spricht der Manager, der vor gut zwei Jahren von Microsoft zu Nokia wechselte, vom „Krieg der Ökosysteme“. Mit Naturschutz hat das nichts zu tun. Gemeint sind vielmehr die unterschiedlichen Betriebssysteme, mit denen Internet-Handys wie das iPhone oder Samsungs Galaxy-Modelle funktionieren, und die damit verbundenen umfangreichen Zusatzdienste. Sie binden Kunden heute mehr denn je an eine Marke.

Die „starke Stellung“ ist Geschichte

Neben Apple mit iOS und Google mit Android gehört Microsoft mit Windows Phone zu den größten Anbietern - und gerade darauf setzt auch Nokia seine Hoffnungen. Die neuen Lumias laufen mit dem gerade erschienenen Windows Phone 8. Bislang hat die von Elop vor rund eineinhalb Jahren beschlossene Bindung Nokias an Microsoft eher durchwachsene Erfolge gezeitigt. Im Vergleich zu den 27 Millionen iPhones, die Apple in einem Quartal verkauft, spielt Nokia mit zuletzt knapp drei Millionen verkauften Lumias eine Statistenrolle im Smartphone-Geschäft. Der einst so stolze Handy-Anbieter hat nun sogar seine Position in der Top-5-Liga der größten Smartphone-Hersteller räumen müssen.

Das soll sich ändern. Elop will bald wieder in der Rangliste auftauchen. Und wo? Auf Platz fünf, vier, drei, zwei oder gar eins, fragt man eher rhetorisch. Elop hat seinen trockenen Humor nicht verloren, er paart ihn allerdings mit realer Angriffslust: „Das streben wir an - und zwar genau in dieser Reihenfolge und in diesem Ausmaß. Ich kann jetzt kein exaktes Timing nennen, aber wir sind in diesem Markt, um zu gewinnen. Wir haben eine Menge Arbeit vor uns, es braucht seine Zeit, aber wir werden uns unsere sehr starke Stellung wieder erkämpfen.“

Die „starke Stellung“ ist schon seit einiger Zeit Geschichte. Kurz nach seinem Amtsantritt hatte Elop in einem aufsehenerregenden internen Schreiben seinen neuen Arbeitgeber mit einer brennenden Ölplattform im Meer verglichen, von der es zu springen gelte, um zu überleben. Heute fällt die Kritik an der Vergangenheit etwas gedämpfter aus. „In den vergangenen fünf Jahren gab es ein paar bemerkenswerte Änderungen im Handymarkt: Das iPhone kam, die Touch-Technologie. Hier war Nokia nicht so schnell, wie es notwendig gewesen wäre und wie man auf diese Dinge hätte reagieren sollen.“

Doch das ist, geht es nach Elop, Geschichte, auch wenn der Abwärtstrend anhält. Als Chefverkäufer des Unternehmens und auch seiner selbst weist er natürlich nicht explizit auf den Aktienkurs hin, der unter seiner Ägide von rund 8 Euro auf Tiefstände von weniger als 1,40 Euro gefallen ist. Auch die Milliardenverluste, die das Unternehmen in diesem Jahr anhäuft, und die Enttäuschung der Anleger bleiben unerwähnt, wenn es darum geht, in einer Minute ein Resümee der vergangenen zwei Jahre zu ziehen. Vielmehr weiß Elop jedem der Geschäftsbereiche Gutes abzugewinnen.

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