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Nintendo-Chef Satoru Iwata „Wir wollen die Menschen zum Lächeln bringen“

 ·  Nintendo-Chef Satoru Iwata spricht im Interview über die neue Spielkonsole Wii U, die Konkurrenz durch Smartphones und seinen Gehaltsverzicht.

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© REUTERS Satoru Iwata, Jahrgang 1959, machte nach seinem Diplom in Informatik Blitzkarriere bei Nintendo in Kyoto. Seit 2002 leitet er den Konzern.

Herr Iwata, vielen Dank für diesen bunten Schlüsselanhänger, den Sie mir aus Japan mitgebracht haben.

Nichts zu danken, es ist nur eine kleine Aufmerksamkeit.

Auf diesen Brauch war ich nicht vorbereitet, ich komme mit leeren Händen.

Es ist nicht schlimm, dass Sie mir nichts schenken.

Sich selbst haben Sie zuletzt keine Geschenke gemacht: Im vergangenen Jahr haben Sie Ihr Gehalt um zwei Drittel gekürzt. Warum?

Meiner Ansicht nach werde ich dafür bezahlt, gute Zahlen zu erwirtschaften. Das war nicht der Fall. Und wenn ich weniger motiviert wäre, nur weil ich weniger verdiene, dann wäre ich nicht die richtige Person für diesen Job.

Nintendo hat 2011 umgerechnet 343 Millionen Euro Verlust gemacht. Wie viele solcher Jahre kann sich der Konzern leisten, bevor er pleitegeht?

Das letzte Jahr war ein Ausnahmejahr für uns, in dem mehrere Faktoren zusammengekommen sind. Zum einen führt der Übergang von einer alten zu einer neuen Plattform zunächst oft zu einem sinkenden Absatz. Erschwerend hinzugekommen ist der starke Yen. Ich bin mehr als zuversichtlich, dass wir für 2012 keinen Verlust melden werden.

Was macht Sie da so zuversichtlich? Viele Menschen spielen heute auf ihrem Smartphone, anstatt sich eine Spielkonsole zum Mitnehmen zu kaufen.

Diese Herausforderung ist für uns nicht neu. Vor zehn Jahren, als ich Präsident bei Nintendo geworden bin, stand der Konzern vor der Herausforderung, dass sich Mobiltelefone durchsetzten, auf denen man überall spielen konnte. Analysten waren sicher: Das ist das Ende der tragbaren Spielkonsolen.

Wie haben Sie damals reagiert?

Wir haben den Nintendo DS auf den Markt gebracht. Mit seinem großen Farbdisplay und dem Touchscreen ermöglichte die Konsole ein Spielerlebnis, das so auf Mobiltelefonen nicht möglich war.

Das löste nur einen Teil des Problems. Auch bei den Konsolen fürs Wohnzimmer sah es düster aus.

Stimmt. Hätten wir weitergemacht wie vorher, dann wären die Videospiele gestorben.

Was war schiefgelaufen?

Die Controller mit all ihren Knöpfen waren zu kompliziert geworden, die Hürde zum Spielen für Menschen ohne Videospiel-Erfahrung viel zu hoch. Ich habe mich gefragt, wie eine Konsole aussehen muss, mit der jeder ganz einfach spielen kann. Die Antwort war Wii.

Eine Revolution. Plötzlich saßen oder standen Menschen spielend vor einer Konsole, die vorher noch nie einen Controller in der Hand hatten. Aber hat der große Erfolg vielleicht den Druck genommen, sich weiterzuentwickeln?

Nein, diesen Druck kann man den Entwicklerstudios gar nicht nehmen, dafür ist unsere Industrie viel zu schnell, viel zu agil. Denn: Eine Konsolen-Generation hat gerade mal eine Lebenszeit von etwa fünf Jahren, in jedem Jahr veröffentlichen wir für jede der Plattformen ungefähr zwölf Spiele.

Trotzdem: Seit der Wii ist kein großer Wurf mehr gelungen. Die tragbare Konsole, die im vergangenen Jahr erschien, liefert ein 3D-Bild. Sie wurde als Innovation angekündigt - warum wurde sie zum Flop?

Den Launch des Nintendo 3DS kann man wirklich nicht als Flop bezeichnen, im Gegenteil, wir hatten einen sehr guten Marktstart. Allerdings haben wir nach der Markteinführungsphase das Momentum verloren, die Dynamik, die ein neues Produkt braucht. Wir haben reagiert, indem wir den Preis gesenkt haben.

Und zwar gleich um 40 Prozent.

Wir haben angenommen, dass 20 Prozent nicht ausreichen würden, um den Trend umzukehren.

Jeder Verkauf hat Sie Geld gekostet. Warum diese Maßnahme?

Ja, wir haben die Hardware mit Verlust verkauft. Nur so konnten wir unsere neue Plattform retten. Mittlerweile sind wir aber so weit, dass wir mit dem Verkauf keinen weiteren Verlust machen werden.

Ende Juli kommt in Deutschland die größere Version des Nintendo 3DS auf den Markt. Wie wollen Sie verhindern, dass sich der Misserfolg wiederholt?

Wir haben mehrere neue Spiele für das Gerät entwickelt, die demnächst auf den Markt kommen. So können wir nach der Markteinführung die Verkaufsdynamik hoch halten.

Die eigenen Produkte sind das eine. Aber zurück zur Konkurrenz durch Smartphones. Haben Sie diese Revolution verschlafen?

Ich stimme zu, dass wir nicht länger nur mit den Herstellern von Spielkonsolen im Wettbewerb stehen. Smartphones sind für uns Konkurrenz, weil sie wie wir um die Zeit der Menschen, wenn sie unterwegs sind, konkurrieren. Mit den Smartphones lassen sich Mails checken, lässt sich im Internet surfen, Twitter aufrufen. Es geht nicht nur ums Spielen.

Wie wollen Sie die Menschen überzeugen, sich trotzdem zusätzlich noch eine Spielkonsole zu kaufen?

Der Schlüssel liegt darin, den Menschen etwas zu bieten, das sie nur auf unseren Konsolen haben können - das besondere, das überraschende Spielerlebnis. Dabei geht es um die Verknüpfung von Hard- und Software und zum Beispiel auch um unsere 3D-Technik, die auf dem größeren Bildschirm noch besser wirkt. Der Erfolg der Smartphones hat übrigens auch positive Seiten für uns: Sie bringen uns auf neue Ideen. Sie fordern uns heraus, etwas zu erfinden, das sie nicht können.

Einfacher, als gegen sie anzukämpfen, wäre es doch, ihr Potential zu nutzen. Wann gibt es Super Mario, Nintendos Kultspiel, im Shop von iTunes zu kaufen?

Das wird, solange ich Präsident von Nintendo bin, nicht passieren.

Neue Konkurrenz gibt es auch im Internet. Online spielen heute viele kostenlos oder für Centbeträge. Warum sind Sie in diesem Wachstumssegment nicht vertreten?

Die Stärke unserer TV-Konsolen ist es, die Menschen im Wohnzimmer zusammenzubringen, ihnen Spielspaß zu bieten, sie zum Lächeln zu bringen. Aber in Bezug auf Online-Spiele müssen wir anerkennen, dass es Unternehmen gibt, die in diesem Bereich besonders gut sind. Und wir müssen ja nicht alles selbst machen. Wenn es also einen sehr guten Anbieter gibt, dann reicht es vielleicht, wenn wir ihn auf unsere Plattform einladen.

Was heißt das konkret, mit wem verhandeln Sie?

Es ist zu früh, dazu etwas zu sagen.

Die Zukunft Nintendos könnte sich im kommenden Winter entscheiden. Die Spiele-Welt erwartet die neue TV-Konsole Wii U. Wann steht sie in den Regalen?

Das genaue Datum und den Preis werden wir im Herbst bekanntgeben. Nur so viel: All unsere Konsolen haben wir pünktlich zum Weihnachtsgeschäft auf den Markt gebracht.

Erste Einblicke gab es bereits. Was ist die größte Neuerung?

Das ist das Wii U GamePad, ein Controller mit integriertem Bildschirm. Dieser zweite Screen schafft viele neue Möglichkeiten und neue Perspektiven. Ich denke, die Art der Spiele und wie wir miteinander spielen, wird sich verändern.

Ich durfte die „Wii U“ gestern testen. Der neue Controller hat Spaß gemacht, aber als Revolution habe ich ihn nicht empfunden.

Ob Wii U eine Revolution wird oder nicht, entscheiden die Kunden, wenn sie mit der finalen Version gespielt haben. Dass Sie Wii U nicht als revolutionär ansehen, nehme ich zur Kenntnis, und ich werde darüber nachdenken.

Warten wir ab. Was glauben Sie, wie wird eine Spielkonsole in zehn Jahren aussehen?

Dass kann ich nicht sagen, aber sicher wird es bis dahin wieder viele große Neuerungen geben. Was für mich besonders wichtig ist: Ich will derjenige sein, der diese Veränderungen mit anstößt - nicht der, der ihnen hinterherläuft.

Das Gespräch führte Johannes Pennekamp.

Quelle: F.A.S.
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