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Schon in den siebziger Jahren gründete Niki Lauda seine erste eigene Fluggesellschaft: Lauda Air. Bild: Sportphoto by Laci Perenyi

Niki Lauda : Rastloser Vielflieger

Im Bieterrennen um Air Berlin mischt auch Nikolaus „Niki“ Lauda mit. Ihn lassen das Fluggeschäft und sein Erzfeind nicht los. Wer ist dieser Mann?

          Wer auch immer sich durchsetzen wird im Bieterrennen um die insolvente Air Berlin samt deren österreichischen Ableger Niki – der Niki-Gründer Nikolaus Lauda zeigt sportlichen Ehrgeiz. Er will nun zusammen mit dem Reisekonzern Thomas Cook und dessen deutscher Fluggesellschaft Condor mitmischen. Es gibt einen wichtigen emotionalen Grund, warum sich der 68 Jahre alte Wiener wieder für die Gesellschaft Niki interessiert, aus der er sich längst zurückgezogen hatte.

          Michaela Seiser

          Wirtschaftskorrespondentin für Österreich und Ungarn mit Sitz in Wien.

          Er will das Luftfahrtgeschäft in seiner Heimat nicht seinem Erzfeind Austrian Airlines (AUA), der zur Deutschen Lufthansa gehört, überlassen. Lauda befürchtet, dass ein Monopol entsteht, wenn die Lufthansa mit ihren Marken AUA und Eurowings – ergänzt um Niki – einschwebt. Zudem kann er offensichtlich von der Luftfahrt nicht lassen.

          Erste eigene Fluggesellschaft Ende der siebziger Jahre

          Dieses Geschäft beschäftigt den ehemaligen Rennfahrer und dreifachen Formel-1-Weltmeister nicht erst seit dem Rückzug aus dem Rennsport. „Ich habe genug von Im-Kreis-Fahren“, lautete seine legendäre Begründung dafür. Die erste eigene Fluggesellschaft, Lauda Air, gründet er Ende der siebziger Jahre. Der Sohn einer Industriellenfamilie war immer ein Technikfreak. Er wollte in der österreichischen Luftfahrt mitmischen und zugleich das staatliche AUA-Monopol brechen. Gerne erzählt Lauda, wie Austrian Airlines alle Macht nutzte, um den Wettbewerb durch ihn zu verhindern. Sein Projekt erschien als beinahe aussichtsloses Unterfangen. Doch nach und nach baute der damalige Neuling in der Luftfahrt seine Gesellschaft aus.

          Dann kam sein schwärzester Tag als Unternehmer. Am 26. Mai 1991 stürzte eine Lauda-Air-Boeing auf der Strecke zwischen Bangkok und Wien ab, weil im Steigflug das linke Triebwerk unerwartet automatisch auf Schubumkehr geschaltet hatte. Alle 223 Insassen kamen ums Leben. Für den Unternehmer war das Unglück schlimmer als sein eigener spektakulärer Unfall auf dem Nürburgring 1976. Die Untersuchungen zu dem Absturz dauerten rund ein Jahr. Das Ergebnis: Lauda war schuldlos. Die Schubumkehr wurde durch ein falsch konstruiertes hydraulisches Ventil ausgelöst. Boeing änderte danach die Bauweise.

          Lauda Air gibt es nicht mehr

          Mit der AUA gingen die Schwierigkeiten weiter. Lauda rückte auf Rat des damaligen Lufthansa-Chefs Jürgen Weber unter das Dach seines Erzrivalen AUA. „Das war der größte Fehler meines Lebens“, sagte er später. Die Kulturunterschiede von AUA und Lauda Air seien zu groß gewesen. Während die AUA ein Staatsunternehmen war mit den üblichen ineffizienten Kostenstrukturen, war Lauda Air ein innovativer Neuling. Das Debakel führte dazu, dass Lauda alle seine Anteile an die AUA verkaufte, die ihrerseits später von Lufthansa übernommen wurde. Die Marke Lauda Air wurde später aufgegeben.

          Doch der Name des ehemaligen Rennfahrers kehrte in die Luftfahrt zurück. Sein zweites Projekt trieb er unter der Kurzform seines Vornamens voran. Es begann mit dem Erwerb der österreichischen Tochtergesellschaft der insolventen deutschen Aero Lloyd. Lauda benannte sie in Flyniki – später Niki – um. Schon bald nach der Gründung, 2004, holte er Air Berlin als Teilhaber und Vertriebspartner für seinen zweiten Aufstieg ins Boot.

          Ex-Rennfahrer begeisterte sich weiter für die Luftfahrt

          Die Berliner stiegen mit 24 Prozent ein, 2010 stockte Air Berlin auf knapp 50 Prozent auf. Ende 2011 übernahm der Anteilseigner die Kontrolle. Bis dahin hatte Lauda zahlreiche Flüge noch selbst gesteuert. Nun schied er wieder aus seinem Unternehmen und später auch aus dem Air-Berlin-Verwaltungsrat aus. Die Luftfahrt begeisterte ihn aber weiter. Anfang 2016 übernahm Lauda das Wiener Bedarfsflugunternehmen Amira Air, das heute Lauda Motion heißt. Die Gesellschaft führt mit ihren mehr als einem Dutzend Businessjets Flüge für die gehobene Klientel durch. Im ersten Jahr setzte die Gesellschaft fast 40 Millionen Euro um und erzielte einen Gewinn.

          Auf ertragreiches Wirtschaften von Anfang an legt der für seine Sparsamkeit bekannte Unternehmer Wert. Das war bereits bei der Gründung von Niki so. Allerdings ist Lauda vom Typus eher eine Art Investor, der seine Beteiligungen abstößt, wenn die Gelegenheit gut ist. Entsprechend trennte er sich acht Jahre nach der Gründung von Niki und veräußerte sie an Air Berlin – gewinnbringend. Vor allem durch seine unternehmerischen Tätigkeiten konnte sich Lauda, der sich selbst als Einzelkämpfer bezeichnet, ein großes Vermögen aufbauen. Wirtschaftsmedien zählen ihn zu den hundert reichsten Österreichern. Neben diversen Unternehmensbeteiligungen hat er vor kurzem wieder seinen Vertrag als Aufsichtsratsvorsitzender beim Formel-1-Team von Mercedes bis 2020 verlängert.

          Der Mann, der sich stets salopp kleidet, tritt gerne als Markenbotschafter auf – beispielsweise für den Glücksspielkonzern Novomatic. Überdies hat er sich am Imperium des Immobilienunternehmers René Benko beteiligt, der in Deutschland unter anderem Karstadt übernommen hat. Von allzu vielen Ruhepausen oder gar der Rente hält er wenig. Mit seiner zweiten Ehefrau und den gemeinsamen sieben Jahre alten Zwillingen fliegt er für Wochenenden gerne die Insel Ibiza an – im Privatjet. Vom Fliegen versteht er sowohl als Pilot wie auch als Unternehmer vielleicht mehr als so manche Konkurrenten im Ringen um sein einstiges Luftfahrtbaby Niki.

          Quelle: F.A.Z.

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