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Niedriger Preis : Der Ölbranche droht eine Pleitewelle

  • Aktualisiert am

Auch viele Ölplattformen sind angesichts des niedrigen Preises nicht rentabel im Moment. Bild: Reuters

Der niedrige Ölpreis bedroht laut einer Analyse die Existenz unzähliger Ölfirmen. Und kann auch weit über die Energiebranche hinaus Folgen haben.

          Der niedrige Ölpreis wird zur enormen Gefahr für Ölfirmen – und dass andere Branchen von den Schwierigkeiten verschont bleiben, ist noch längst nicht ausgemacht. Jahrelang war der Ölpreis dreimal so hoch wie heute, er hat auch teure Förderung rentabel gemacht, und zig neue Ölunternehmen wurden gegründet. Doch jetzt kostet ein Fass (159 Liter) nur noch etwas mehr als 30 Dollar. Eine neue Analyse zeigt: Vielen Ölunternehmen droht noch in diesem Jahr die Insolvenz.

          Das dürfte ein wesentlicher Grund sein, warum die Aktienkurse nach unten rauschten besonders von Unternehmen aus der Energiebranche und – häufig noch stärker – von Finanztiteln. Denn das ist eine zweite Angst unter Anlegern: Haben die Banken an diese Ölfirmen zu viele Kredite vergeben? Kommen sie deswegen womöglich selbst in Schwierigkeiten, wenn in der Ölbranche eine Pleitewelle losbrechen sollte?

          Vielleicht ist Letzteres schon geschehen: Allein in den Vereinigten Staaten haben zwischen dem 1. Juli 2014 und dem 31. Dezember des vergangenen Jahres 35 Firmen in der Ölexploration und Ölförderung Insolvenz beantragt („Chapter 11“), rechnen die Fachleute der Unternehmensberatungsgesellschaft Deloitte vor. Zusammen schleppen diese Firmen der Untersuchung zufolge etwas weniger als 18 Milliarden Dollar Schulden mit sich. Das bedeutet nicht, dass dieses Geld nun komplett verloren ist, amerikanische Insolvenzverfahren enden häufig mit einer Umstrukturierung und nicht mit dem kompletten Ende der Unternehmen. Außerdem dürften große Ölkonzerne die Gelegenheit nutzen und vielleicht den einen oder anderen Not leidenden kleinen Wettbewerber günstig übernehmen. Eine erste Richtgröße sind diese 18 Milliarden Dollar aber in jedem Fall.

          Nicht in der Insolvenz steckt, aber mit mächtigen Problemen kämpft dieser Analyse zufolge mehr als ein Drittel aller börsennotierten Ölexplorations- oder Ölförderfirmen der Welt. Das sind 175 Unternehmen, in deren Bilanzen zusammengerechnet 150 Milliarden Dollar Schulden stehen, haben die Deloitte-Mitarbeiter weiter ausgerechnet. 50 von ihnen könnten noch in diesem Jahr in die Insolvenz gehen, weil sie schon jetzt zum Beispiel ein negatives Eigenkapital auswiesen, schätzt Deloitte. „Die Wahrscheinlichkeit, dass diese Firmen Insolvenz anmelden müssen, ist hoch, wenn sich der Ölpreis nicht deutlich erholt, ein großer Teil ihrer Schulden in Eigenkapital umgewandelt wird oder ein großer Investor Mittel bereitstellt“, schreiben die Autoren der Analyse, die FAZ.NET vorliegt. Zumindest in den vergangenen Tagen ist der Ölpreis gestiegen – ob das so bleibt, wissen die Experten noch nicht.

          Videografik : Warum sinkt der Ölpreis?

          Schwierigkeiten könnten über die Ölbranche hinausgehen

          Wenn es in der Energiebranche Firmenübernahmen und Insolvenzen gibt, muss das nicht zwingend schlimme Folgen für die Wirtschaft insgesamt haben. In einer jungen Branche – der Fracking-Boom in Amerika etwa ist nur wenige Jahre alt – ist das sogar eher die Regel als die Ausnahme. Doch die Sorge ist groß, dass sich Branchen anstecken, zumal die Banken. Deshalb machen an den Finanzmärkten derzeit Hochrechnungen die Runde, wie viel Geld die Geldhäuser den Ölförderern geliehen haben (könnten). Die Investmentbank Goldman Sachs schätzte unlängst, dass sich das Kreditvolumen der drei größten amerikanischen Banken an die Energiebranche auf weniger als 60 Milliarden Dollar summiert. Nach einem Bericht der „Börsen-Zeitung“ hat zum Beispiel die Bank of America 21,3 Milliarden Dollar an Krediten an Öl- und Gasunternehmen ausstehend, deren Aktienkurs seit Jahresbeginn um rund 25 Prozent gesunken ist.

          Insgesamt sollten diese Summen zumindest die großen amerikanischen Banken nicht in riesige Schwierigkeiten bringen. Sie verdienten alleine im vergangenen Jahr teils hohe zweistellige Milliardenbeträge.

          Zugleich deutet sich derweil auch an, was eigentlich hinter dem so stark gefallenen Ölpreis steckt. Ist das Angebot zu groß oder ist die Nachfrage zu klein? Wenn die Rede davon ist, dass sich wichtige Ölförder-Länder abgestimmt hätten, die Produktion zu drosseln, steigt der Preis (wenigstens für kurze Zeit) deutlich. Demgegenüber legt die Nachfrage großer Ölverbraucher-Staaten weiter zu.

          Zum Beispiel China nutzte den niedrigen Preis und steigerte seine Ölimporte im vergangenen Jahr und besonders gegen Jahresende (siehe Grafik). Und seit wenigen Tagen legen zusammen mit dem steigenden Ölpreis auch die Aktienkurse wieder zu.

          Quelle: ala.

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