http://www.faz.net/-gqe-8xt4l
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER
F+ Icon
F.A.Z. PLUS
abonnieren
F.A.Z.-Index -- --
DAX ® -- --
Dow Jones -- --
EUR/USD -- --

Veröffentlicht: 18.05.2017, 07:34 Uhr

Hauptversammlung Der Joker der Deutschen Bank

Auf der Hauptversammlung der Deutschen Bank wird ein Mann heute eine ganz besondere Rolle spielen: Nicolas Moreau bringt die Vermögensverwaltung an die Börse. Es geht um die Freiheit und um ein paar Milliarden.

von
© Wolfgang Eilmes Nicolas Moreau ist der Rugby-Fan unter den Deutsche-Bank-Vorständen: „Ich habe den Sport immer genossen und als Student selbst gespielt.“

Nicolas Moreau lernt Deutsch. Das ist insofern eine Nachricht, als die Bank, die das „Deutsche“ im Namen trägt, neuerdings wieder verstärkt darauf achtet, auch so wahrgenommen zu werden. Erst recht, da an der Spitze von Vorstand und Aufsichtsrat ein Brite (John Cryan) und ein Österreicher (Paul Achleitner) stehen. Das Experiment mit einem Inder als Chef wird jedenfalls als gescheitert angesehen, auch wenn Anshu Jain, der hochbegabte Charismatiker, einen britischen Pass hatte: Bis zum bitteren Ende hat der Investmentbanker gefremdelt, da half es auch nichts, dass er in Frankfurt Steuern gezahlt und Golf gespielt hat.

Georg Meck Folgen:

Nicolas Moreau also, der neue Franzose im Vorstand der Deutschen Bank, paukt brav Vokabeln. „Ich nehme Unterricht“, sagt der Mann, der schon als Schüler Deutschstunden absolviert hat, nur leider viel vergessen hat seit der Jugend in Neuilly-sur-Seine, einem westlichen Vorort an der Pariser Peripherie. Von hier aus hat er seinen Aufstieg gestartet, an der École polytechnique in der Hauptstadt hat er seinen Abschluss als Ingenieur gemacht und nebenbei im Rugby seine Kräfte gemessen. Das sei „auf den ersten Blick ein rauher Sport“, sagt er, „aber sehr abhängig von Zusammenhalt und Mannschaftsgeist“.

Vom Team reden sie ja gerne, die Herren Spitzenmanager, auch wenn sie so frisch die Mannschaft gewechselt haben wie Moreau: 25 Jahre, sein halbes Leben, stürmte der stämmige Athlet für die Axa, den großen französischen Versicherungskonzern, ehe er sich von der Deutschen Bank verführen ließ. Anfang Juli 2016 traf er sich zum ersten Mal mit John Cryan, „zu einem Frühstück“, wie er sagt. Das Vorstellungsgespräch verlief zur beidseitigen Zufriedenheit, wenige Wochen später hat ihn der Aufsichtsrat der Deutschen Bank zum Vorstand bestellt; Paul Achleitner damals mit Vollbart, heute wieder ohne, dafür hat Moreau, kaum in der Deutschen Bank angetreten, das Rasieren auf Start-up-Maß reduziert.

Moreau paukt Vokabeln für den Börsengang

Am heutigen Donnerstag sitzen sie alle nun zum ersten Mal gemeinsam auf der Bühne in der Frankfurter Festhalle, vor sich ein paar tausend Aktionäre der Deutschen Bank, die Mehrzahl davon wenig glücklich mit deren Leistung. Wer vor Jahren sein Vermögen auf Deutschlands einst stolzeste Adresse gesetzt hat, ist arm dran. Das Geld ist weg, umverteilt über Boni an die Banker sowie an Justizbehörden in aller Welt, als Strafe für die kriminelle Vergangenheit.

Mehr zum Thema

Nun scheint das Schlimmste überstanden zu sein, Vorstandschef John Cryan arbeitet wacker sein Programm ab, auch wenn er wenig Phantasie entfacht. Zwei Akzente zumindest hat er gesetzt: Die Postbank wird nicht verkauft, sondern komplett in den Konzern integriert. Dafür geht die Vermögensverwaltung, bislang zuverlässige Gewinnquelle, an die Börse – und da kommt der Joker Moreau ins Spiel, als Chef der „Deutschen Asset Management“, wie die Sparte intern heißt. Dieser Bereich, im Volk für seine DWS-Fonds bekannt, wird vom Restkonzern abgespalten und als eigenständige Firma an die Börse gebracht. Genauer gesagt: Moreau bringt sie an die Börse. Dafür haben sie den Franzosen geholt, daran wird er gemessen, dafür paukt er Vokabeln: „Bis zur ersten Hauptversammlung muss ich mich in Deutsch ausdrücken können.“

Seine 4500 Mitarbeiter passen gegenwärtig auf etwa 700 Milliarden Euro ihrer Kunden auf, von institutionellen großen wie von kleinen privaten – so viel Vermögen steckt in der Sparte, die eine strategische Irrfahrt hinter sich hat. Mal sollte sie abgestoßen werden, dann wieder war sie Kern des Kerngeschäfts, je nach Laune des gerade regierenden und bisweilen dilettierenden Managements. Permanent wurde umorganisiert, Personal getauscht, der Firmenauftritt verändert. Jüngste Volte ist die Trennung, die jetzt an Fahrt aufnimmt: Es geht um die Freiheit der Sparte und um ein paar Milliarden für den Mutterkonzern, die Deutsche Bank.

1 | 2 | 3 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite

Wer sich mit der mächtigen Autoindustrie anlegt

Von Henning Peitsmeier, München

Wenn IG Metall, Arbeitgeberverband, Betriebsrat, Vorstand und Politiker gleich welcher Couleur einer Meinung sind - dann sollte ein Investor wie die Familie Hastor aus Bosnien hellhörig werden. Mehr 1

Abonnieren Sie den Newsletter „Wirtschaft“