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Nicht nur Billigautos Gemischtwaren aus dem Hause Tata

10.01.2008 ·  Tata assoziiert man seit neuestem mit Autos, genauer gesagt: Mit dem billigsten Auto der Welt. Tatsächlich ist Tata eine Art Unternehmen, wie man sie in Europa kaum noch findet, ein Mischkonzern par excellence. Tata ist wie Tante Emma: Hier gibt es Tee, Seife, Dünger, Versicherungen, Handykarten.

Von Nadine Bös
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Glaubt man den Geschichten, die man sich in Bombay erzählt, musste Jamsetji Tata, Ur-Großvater von Ratan Tata, eine schmerzvolle Erfahrung machen, als noch die Engländer in Indien herrschten: Der Zugang zum „Watson Hotel“, dem damaligen Luxushotel der Engländer in Bombay blieb ihm verwehrt, ausgerechnet ihm, dem damals wohl bedeutendsten indischen Unternehmer. Der Grund: Er war Inder, das Hotel den Engländern vorbehalten. „Whites only“, soll es damals geheißen haben, als er sich um eine Übernachtung im Watson bemühte.

Jamsetji Tata ärgerte sich gewaltig und beschloss, es den Kolonialherren zu zeigen. Er erteilte indischen Architekten den Auftrag, ein Hotel in Bombay zu entwerfen, größer, schöner und besser gelegen als alle Luxusschuppen der Engländer, die es bis dahin gab. Das „Taj Mahal Palace“ ist bis heute das wohl erste Hotel am Platze in Bombay. Mit Blick auf das Meer und das Gateway of India und mit einer großen Büste des alten Tata im Treppenhaus, ist es berühmt wie sonst kaum ein Hotel in Indien.

Autos, Stahl, Luxushotels

Seit den Zeiten Jamsetji Tatas ist Indien nicht nur um diese Legende reicher. Der Name Tata ist damals wie heute einer der bestimmendsten im indischen Wirtschaftsleben. Im Geschäftsjahr 2006/2007 machte der Konzern einen Umsatz von 28,8 Milliarden Dollar. Und auch in Europa ist Tata in diesen Tagen in aller Munde. Nicht erst seitdem das Unternehmen sein neues Billigauto vorgestellt hat. Auch mit seinem Kaufinteresse für die Luxusmarken Jaguar und Land Rover macht Tata Motors in letzter Zeit Schlagzeilen.

In der öffentlichen Wahrnehmung steht Tata nun also seit neuestem für Autos. Das war nicht immer so. Vor rund einem Jahr machte Tata vielmehr als Stahlunternehmen von sich reden, als Tata Steel den britisch-niederländischen Konkurrenten Corus übernahm und aus dem Zusammenschluss der fünftgrößte Stahlkonzern der Welt entstand. Viele assoziieren den Tata-Konzern aber auch mit Lkw, mit Bussen - oder eben mit Luxushotels.

Tee, Kleidung, Versicherungen, Strom

In Wirklichkeit ist Tata ein Gemischtwarenladen par excellence. Unter dem Dach der Tata Group finden sich inzwischen 98 Einzelfirmen. Allein seit dem Jahr 2000 hat die Tata Group 27 Unternehmen gekauft. Von Tata oder Tata-Tochterfirmen gibt es Tee, Kaffee, Kleidung, Uhren, Schmuck, Kosmetikartikel, Handykarten, Versicherungsverträge, Pflanzenschutzmittel, Kreditkarten, Strom, Unternehmensberatung - wer in Indien versucht, seinen Alltag nur noch mit Tata-Produkten zu bestreiten, der wird keinen großen Mangel leiden müssen.

Jamsetji Nusserwanji Tata gründete das Tata-Imperium im Jahr 1868, ursprünglich als Handelsunternehmen. 1874 weitete er das Unternehmen aus und stieg mit einer Weberei in den Textilmarkt ein. 1903 eröffnete das Taj Palace Hotel - damit startete Tata ins Hotelgeschäft und weitete seine Taj-Hotels über die Jahre zu einer landesweiten Kette aus. Erst 1907 wurde die „Tata Iron and Steel Company“ gegründet. Tata Steels erstes Stahlwerk in Jamshedpur nahm im Jahr 1912 seine Arbeit auf. 1945 wurde die heutige Tata Motors, damals noch „Tata Engeneering and Locomotive Company“ gegründet. 1991 lief dort das millionste Auto vom Band. Tata Motors ist inzwischen auch bekannt für Nutzfahrzeuge - viele der indischen Busse und Lkw sind aus dem Hause Tata.

Kein protziger Oberschicht-Inder

Die Familie Tata gehört der Religion der Parsis an. Parsis sind eine echte Minderheit in Indien, die meisten leben in Bombay. Sie gelten als äußerst geschäftstüchtig und wirtschaftlich erfolgreich. Ob die Tatas dieses Klischee erfüllen, oder ob es das Klischee vor allem gibt, weil die Tatas es erfüllen - das ist wohl ein Stück weit Spekulation.

Ratan Tata jedenfalls erfüllt ein Klischee nicht: Das vom protzigen Oberschicht-Inder, der in Glanz und Gloria lebt und sich von früh bis spät bedienen lässt. Nein, Tata leistet sich gerade mal einen Hausangestellten und einen Koch - das ist wenig für indische Verhältnisse. Mit seiner Lebensgefährtin und zwei Hunden lebt er nicht etwa in einer schicken Villa auf dem Land, sondern im eher engen Innstadt-Stadtteil Colaba, mitten in Bombay, gar nicht weit vom Taj Hotel, das einst sein Ur-Großvater erbaute.

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Jahrgang 1980, Redakteurin in der Wirtschaft.

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