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„Nicht datenschutzkonform“ Lidl sammelt Krankendaten

04.04.2009 ·  Der Lebensmittel-Discounter steht erneut wegen fragwürdiger Registrierung von Mitarbeiterdaten in der Kritik. Laut einem Medienbericht hat Lidl die Krankheiten von Mitarbeitern in firmeninternen Unterlagen festgehalten. Das Unternehmen räumte inzwischen ein, das Vorgehen sei „nicht datenschutzkonform“.

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Der Lebensmittel-Discounter Lidl steht erneut wegen fragwürdiger Registrierung von Mitarbeiterdaten in der Kritik. Wenn Angestellte krank wurden, mussten sie den Grund ihrer Krankheit in ein Formular eintragen und an die Firma zurückgeben, berichtet der „Spiegel“. Das Unternehmen hat den Grund ihrer Erkrankung in firmeninternen Unterlagen festgehalten. Lidl räumte am Samstag in einer Stellungnahme ein: „Dies war nicht datenschutzkonform, diente aber dazu, die Mitarbeiter ihrem gesundheitlichen Zustand entsprechend einzusetzen.“ Ende 2008 sei die Praxis eingestellt worden.

Der Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar sehe die Registrierung der Krankheiten „äußerst kritisch“, berichtete das Hamburger Nachrichtenmagazin. „Der Grund der Krankheit geht den Arbeitgeber grundsätzlich nichts an.“ Schaar hat eine Prüfung des Falls durch die zuständigen Aufsichtsbehörden angeregt. „Dass man dabei zu dem Ergebnis kommt, das ist unzulässig, halte ich für ziemlich wahrscheinlich“, sagte er.

Unterlagen zufällig in einer Mülltonne entdeckt

Die Praxis bei Lidl kam dem Bericht zufolge heraus, nachdem mehrere hundert Seiten firmeninterner Unterlagen zufällig in einer Mülltonne in Bochum entdeckt wurden. „Offenbar bundesweit setzte das Unternehmen Formulare ein, in den der „Grund der Krankheit“ von Mitarbeitern eingetragen werden sollte“, heißt es in dem Bericht.

Alle Einträge stammen laut Bericht aus der Zeit nach der Entdeckung der Spitzelmethoden. Lidl hatte im März 2008 eingeräumt, in 219 Filialen Detektive eingesetzt zu haben.

„Will schwanger (werden). Befruchtung nicht funktioniert“

In den Krankenunterlagen steht dem Bericht zufolge über eine Mitarbeiterin, die im Juni vergangenen Jahres krankgeschrieben war: „Will schwanger (werden). Befruchtung nicht funktioniert“. Im Fall einer Filialleiterin seien „private Probleme“ notiert worden. Nach Angaben Lidls handelt es sich um „Altfälle aus dem vergangenen Jahr“. Die Unterlagen seien von einem Mitarbeiter unsachgemäß entsorgt und dem „Spiegel“ zugeleitet worden.

Bis Ende 2008 seien die Listen dafür genutzt worden, das Personal richtig einzusetzen, erklärte das Unternehmen. „Dabei wurden Informationen erfasst, die persönliche Belange berücksichtigten.“

Die Arbeit mit den Listen sei im Zuge der Umsetzung des neuen Datenschutzkonzeptes bei Lidl eingestellt worden. Der Discounter hat den ehemaligen Datenschutzbeauftragten des Bundes, Joachim Jacob, als Berater engagiert und zitiert ihn so: „Lidl arbeitet seit April vergangenen Jahres konsequent daran, ein ganzheitliches Datenschutzkonzept zu erarbeiten und umzusetzen. Hierbei werden alle Geschäftsprozesse gewissenhaft untersucht und gegebenenfalls überarbeitet. Über 3000 Filialen und 34 Regionalgesellschaften sind in diesen Prozess eingebunden, das nimmt zwangsläufig Zeit in Anspruch.“

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Von Heike Göbel

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