http://www.faz.net/-gqe-79vfo

Neuer Trend : Junge Leute finden Tiefkühl-Gerichte peinlich

  • Aktualisiert am

Fliegt nicht mehr. Bild: dapd

Essen aus der Tiefkühltruhe? Für junge Leute ist das kein guter Speiseplan mehr. Die Hersteller wollen jetzt eine Werbekampagne starten.

          Die Hersteller von Tiefkühlkost machen sich Sorgen über die Kunden von morgen. Jahrelang ging es mit den Verkaufszahlen von Pizza, Hähnchenschnitzeln und Hackbällchen aus dem Eisschrank steil nach oben. Aber jetzt melden die Marktforscher den Herstellern einen alarmierenden Trend: Bei vielen jungen Leuten ist Tiefkühlkost out. Sobald sie das Fischstäbchen-Alter verlassen haben, rümpfen viele junge Leute über Fisch, Fleisch oder Gemüse aus der Kühltruhe die Nase.

          Es gebe eine „kritische Distanz“ zu Tiefkühlkost, beschrieb der Vorstandschef des Deutschen Tiefkühlinstituts, Udo Perenz, das Dilemma am Dienstag bei einer Tagung der Branche in München. „Es ist notwendig, das Image der Tiefkühlkost nachhaltig zu verbessern.“

          Doch das wird nicht ganz einfach. Denn nicht der Geschmack ist es, der jungen Leuten den Appetit auf Tiefkühlessen verdirbt, wie das Marktforschungsinstitut Iconkids herausfand, das auf die Erforschung des Verhaltens junger Verbraucher spezialisiert ist. Vielmehr finden sie Tiefkühlkost peinlich. „Wenn ich Tiefkühlkost kaufe, habe ich das Gefühl, dass die Leute auf das Kassenband starren und mich danach beurteilen“, lautete eine Antwort bei einer Befragung junger Kunden. „Wenn ich mit Freunden koche, geht Tiefkühlkost gar nicht, weil es das Flair des Selbstgekochten stört“, antwortete ein Anderer.

          „Nicht mehr so ganz gesellschaftsfähig“

          „Es ist also nicht mehr so ganz gesellschaftsfähig“, fasste Iconkids-Geschäftsführer Ingo Barlovic die Ergebnisse zusammen. Hin und wieder eine Pizza aus dem Gefrierfach sei ok, andere Lebensmittel müssten aber frisch sein. Zwar kochten junge Leute seltener selbst als früher - aber wenn, dann richtig.

          Um das Ansehen der Tiefkühlwaren bei der Jugend zu verbessern, wollen die Hersteller deshalb verstärkt um die Jüngeren werben. „Viele denken, dass Gemüse aus dem Supermarkt frischer ist als aus der Tiefkühltruhe“, sagt die Geschäftsführerin des Tiefkühlinstituts, Sabine Eichner, das die Interessen der Hersteller vertritt. Durch das Schockfrosten des Gemüses gleich nach der Ernte sei aber oft das Gegenteil der Fall.

          Das Ende des „Ice-Age“ steht aber nicht bevor. Nach rasanten Wachstumsraten in den vergangenen Jahren liegt der Verzehr an Tiefkühlprodukten in Deutschland bei mehr als 40 Kilo pro Kopf und Jahr - Tendenz weiter steigend. Die Salami-Pizza führt die Liste der meistverkauften Tiefkühlprodukte weiter an, aber auch Fischstäbchen bleiben mit 23 Stück pro Jahr und Person ein Renner.

          Marktforscher Barlovic sagte, solche Vorlieben bleiben auch im Alter bestehen, wie ein Langzeit-Vergleich des Nutella-Verzehrs in verschiedenen Altersgruppen gezeigt habe: Die Menschen, die mit 20 regelmäßig Nutella essen, streichen es sich auch mit 50 noch aufs Brot und würden es sich auch noch im Altersheim wünschen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          SPD im Krisenmodus : Wenn der Bauch regiert

          Die SPD-Mitglieder wollen sich nicht länger von Seehofer vorführen lassen. Auch vielen Befürwortern der großen Koalition reicht es. Andrea Nahles hat die Wut unterschätzt.
          Echo Show in der neuen Version.

          Neue Produkte : Amazon macht die Welle

          Das war ein ziemliches Feuerwerk, was Amazon heute in Seattle präsentiert hat. Viele neue Produkte kommen auf der Markt. Darunter auch eines für die Küche.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.