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Neuer Porsche Cayenne : Erfolgsmodell gegen den Abgasskandal

Porsche-CEO Oliver Blume präsentiert die dritte Generation des sportlichen Geländewagens. Bild: AFP

Die neue Generation des sportlichen Geländewagen von Porsche soll die Verstrickungen in den Abgasskandal vergessen machen. Dabei hatte man sich die Probleme erst mit dem Diesel für den Cayenne ins Haus geholt.

          Der Porsche-Vorstandsvorsitzende Oliver Blume bemühte am Dienstagabend die Vergangenheit, als er in Stuttgart-Zuffenhausen einen wichtigen Baustein für die Zukunft des traditionsreichen Sportwagenherstellers vorstellte. Auf der Premierenfeier des neuen sportlichen Geländewagenmodells Cayenne zitierte Blume den Porsche-Gründer Ferry Porsche: „Wenn wir ein Geländefahrzeug nach unseren Qualitätsvorstellungen bauten, würde es auch verkauft“, soll Porsche schon vor fast drei Jahrzehnten gesagt haben.

          In der Tat ist das Porsche-Modell Cayenne ein Verkaufsschlager, seit es vor 15 Jahren erstmals auf den Markt gekommen ist. Mehr als 760.000 Fahrzeuge habe Porsche in bisher zwei Generationen produziert, sagte Blume. „Der Cayenne hat Porsche die Tür in viele neue Märkte geöffnet“, sagte Blume. Die Erfolgsgeschichte solle die nunmehr dritte Generation nahtlos fortschreiben. Dazu soll das neue dynamischere Erscheinungsbild beitragen mit einer längeren Karosserie und einem flacheren Heck. Zudem will Porsche mit einer ganzen Reihe von neuen Fahrassistenzsystemen punkten und sogar teilautonomes Fahren im Stop-und-Go-Verkehr anbieten.

          Mit der Neuauflage will Porsche andererseits aber auch versuchen, die jüngst aufgedeckte Verstrickung in den Abgasskandal der Muttergesellschaft Volkswagen ein wenig vergessen zu machen. Vor zehn Jahren entschied sich der Hersteller, auch einen Dieselmotor in seiner Cayenne-Reihe anzubieten. Die Motoren stammten aus Ingolstadt, von der Schwestergesellschaft Audi. Und seit wenigen Wochen ist klar, dass sich Porsche damit den Volkswagen-Abgasskandal ins Haus holte. Ende Juli verhängte Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) einen Zulassungsstopp und einen Zwangsrückruf für rund 22.000 Cayenne mit 3-Liter-Dieselmotor. Das Kraftfahrtbundesamt hatte eine unerlaubte Technik gefunden, die dafür sorgte, dass der Cayenne auf dem Prüfstand weniger Stickoxide ausstieß als auf der Straße. Es war ein Tiefschlag für die stolze Marke.

          Ob der neue Cayenne auch in einer Dieselvariante auf den Markt kommen wird, ließ Blume am Dienstag weiter offen. Man solle gespannt seine, welche Antriebsvarianten Porsche noch anbieten werde, sagte er lediglich. Allerdings könne dazu eine eine Plug-in-Hybridversion gehören, die neben einem Verbrennungsmotor über einen Elektromotor verfügt, der sich an der Steckdose laden lässt.

          SUV-Modelle sind wirtschaftliche Zugpferde Porsches

          Ob mit oder ohne Diesel – fest steht, dass der Cayenne aus Sicht von Porsche ein wichtiger Baustein für den derzeitigen Erfolg des Unternehmens ist. Das Modell hat zusammen mit dem zweiten sportlichen Geländewagen namens Macan dazu beigetragen, dass Porsche zuletzt Rekorde lieferte. Den Umsatz steigerte der Hersteller im vergangenen Jahr auf mehr als 22,3 Milliarden Euro. Vor fünf Jahren standen noch Erlöse von knapp 14 Milliarden Euro zu Buche. Nach Steuern erwirtschaftete Porsche ein Ergebnis von 2,64 Milliarden Euro – 44 Prozent mehr als 2012. Zudem sind die SUV-Modelle für das Auslandsgeschäft wichtig. In Zentral- und Osteuropa lieferte Porsche zum Beispiel im vergangenen Jahr 5500 Autos an Kunden aus – zwölf Prozent mehr als im Vorjahr. Die beiden SUV-Modellreihen trugen dazu fast 80 Prozent bei.

          Der Cayenne ist aber auch hierzulande eine Stütze des Porsche-Geschäfts. Im vergangenen Jahr ließen die deutschen Behörden genau 7168 neue Cayenne zu. Das war der zweitbeste Wert innerhalb der vergangenen neun Jahre. Rund ein Viertel der Neuzulassungen auf dem Heimatmarkt entfällt auf das Modell; zusammen standen Macan und Cayenne für mehr als die Hälfte der neu angemeldeten Fahrzeuge aus dem Hause Porsche. Zum Vergleich: Auf das Sportwagenmodell 911 entfallen rund 27 Prozent der Porsche-Neuzulassungen in Deutschland.

          Die Frage ist, wie es im Lichte des Dieselskandals nun mit der neuen Version des Cayenne weitergehen wird. Etwa 2900 Cayenne übergab das Unternehmen im ersten Halbjahr hierzulande an neue Kunden – rund 10 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Das hängt aber auch damit zusammen, dass manche potentiellen Käufer auf die neue Version warteten. Bis zum Juni lief es für Porsche insgesamt jedenfalls weiter solide. Die Zulassungszahlen stiegen um 2,4 Prozent.

          Quelle: F.A.Z.

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