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Neuer Grosso-Vertrag : Verlage sparen Millionen im Pressevertrieb

Lesestoff Bild: dapd

Die deutschen Verlage Gruner+Jahr, Burda und WAZ binden sich bis 2018 ans Presse-Grosso-System. Dafür können sie bald mit Millionen rechnen. Springer überlegt, sich dem anzuschließen.

          Die Verlage können von kommenden Jahr an im deutschen Presse-Einzelhandel Summen in zweistelliger Millionenhöhe einsparen. Darauf hat sich der Bundesverband Presse-Grosso unabhängig voneinander mit Gruner+Jahrs Tochtergesellschaft Deutscher Pressevertrieb (DPV) und dem Modernen Zeitschriftenvertrieb (MZV) geeinigt, zu deren Gesellschaftern Hubert Burda Media und die WAZ-Mediengruppe gehören. Das teilte der Verband am Donnerstag mit.

          Jan Hauser

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die Grossisten liefern als neutrale und unabhängige Dienstleister die Zeitungen und Zeitschriften der Verlage an den Kiosk. Sie müssen nach Informationen der Frankfurter Allgemeinen Zeitung von 2012 an mit Mindereinnahmen von 15 Millionen Euro sowie von 2014 an mit einem Minus von 20 Millionen Euro im Jahr rechnen.

          Am Mittwoch haben die Grossisten auf ihren Hauptversammlung in Köln den neuen Vertriebsvereinbarungen zugestimmt – auch wenn zahlreiche Grossisten wegen der hohen finanziellen Belastung dagegen stimmten. „Wir leisten damit einen wesentlichen Beitrag für den notwendigen Branchenkonsens zur Stabilisierung des einmalig lesernahen Pressevertriebssystems in Zeiten des Medienwandels“, sagte Frank Nolte, Vorsitzender des Grosso-Verbandes. Damit seien äußerst harte, aber immerhin kalkulierbare Einschnitte für die Grossisten verbunden. Nolte und der weitere Vorstand des Verbandes wurden am Donnerstag für zwei weitere Jahre gewählt. Die Einigung fällt in einer Zeit harter Kämpfe auf dem deutschen Vertriebsmarkt. Der Umsatz im Presse-Einzelhandel ist 2010 abermals gefallen – von 3,557 Milliarden Euro auf 3,483 Milliarden Euro. Die verkaufte Auflage sank von 2,792 Milliarden Exemplaren auf 2,698 Milliarden Exemplare. Mit der neuen Vereinbarung, die von 2012 an bis Februar 2018 gilt, bekennen sich die MZV und DPV schriftlich zum deutschen Presse-Grosso-System. Gerade deswegen haben die Grossisten den finanziellen Einbußen zugestimmt.

          Frank Nolte (rechts), Vorsitzender des Bundesverbands Presse-Grosso, mit seinen Vorstandskollegen
          Frank Nolte (rechts), Vorsitzender des Bundesverbands Presse-Grosso, mit seinen Vorstandskollegen :

          „Verantwortung für ein stabiles, neutrales und effizientes Grosso-Vertriebssystem“

          „Mit dem Abschluss wollen wir in der derzeit fragilen Lage ein deutliches Signal senden, dass der DPV und Gruner+Jahr uneingeschränkt zum bewährten Grosso-System stehen“, sagt Olaf Conrad, Geschäftsführer der Vertriebsgesellschaft. Als marktprägenden Verlag seien sie in der Verantwortung, für politische Stabilität und Planungssicherheit einzutreten. Michael Imhoff, geschäftsführender Gesellschafter des MZV, sagt, dass sie mit dem Abschluss „seine Verantwortung für ein stabiles, neutrales und effizientes Grosso-Vertriebssystem“ wahrnehmen.

          Im Gegensatz dazu attackiert der Heinrich-Bauer-Verlag das Vertriebssystem. Mit einer Klage vor dem Landgericht Köln will der Hamburger Verlag erreichen, direkt mit jedem einzelnen Grossisten verhandeln zu können (siehe Bauer attackiert, Springer steht zum Presse-Grosso). Das Verhandlungsmandat des Grosso-Verbandes wird seitens des Bauer-Verlags als kartellrechtswidrig bewertet, sagte Ludwig von Jagow, Geschäftsführer Vertrieb vom Verband Deutscher Zeitschriftenverleger, der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. „Alle anderen Zeitschriftenverlage wollen am Verhandlungsmandat des Grosso-Verbandes nicht rütteln, weil es am besten die Einheitlichkeit der Vertriebskonditionen gewährleistet, die wiederum als Voraussetzung für Gleichbehandlung und Neutralität gesehen werden.“ Der Bauer-Verlag wollte sich auf Anfrage derzeit nicht dazu äußern, ob dieser sich der neuen Vereinbarung anschließe.

          Sehr wahrscheinlich schließt sich Springer an

          Die neue Vereinbarung steht allen anderen Zeitschriftenverlagen offen. Es wird erwartet, dass sich die anderen Vertriebsgesellschaften dieser anschließen. „Dies ist ein weiterer Schritt in Richtung eines dauerhaften Erhalts unseres Vertriebssystems“, sagt ein Sprecher des Springer-Verlages der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. „Soweit wir bisher von den Ergebnissen gehört haben, ist es sehr wahrscheinlich, dass sich die Axel Springer AG im Sinne der Einheitlichkeit von Konditionen und Leistungen dem neuen Modell anschließt.“

          Marktführer Springer hatte sich schon zuvor auf eine Verlängerung der Vertriebsvereinbarung geeinigt. Diese sah deutlich höhere Bonuszahlungen vor, diese waren jedoch abhängig von der Umsatzentwicklung einzelner Titel und damit riskanter. Der neue Abschluss sieht dagegen vor, dass die jetzige Jahresumsatzbonustabelle in drei Schritten in den Jahren 2012, 2014 und 2016 zugunsten der Verlage erhöht werde. Im Jahr 2016 ist der zusätzliche Rabatt jedoch vom Branchenumsatz abhängig. Mit DPV und MZV sowie Springer binden sich nun drei der vier großen Verlage langfristig bis zum Februar 2018 an das Presse-Grosso-System.

          Quelle: F.A.Z.

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