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Neuer Fonds Supermärkte zahlen Millionen für bessere Tierhaltung

Große Supermarktketten haben sich darauf geeinigt, einen mindestens zweistelligen Millionenbetrag in einen Fonds einzuzahlen, der Bauern für mehr Tierschutz belohnen soll. Nach F.A.Z.-Informationen machen Rewe, Edeka, Lidl, Aldi und Metro mit.

© dpa 30.000 Jungtiere: Ein Hähnchenstall des Geflügelproduzenten „Wiesenhof“

Die Lebensmittelbranche ist wegen streitbarer Praktiken der Massentierhaltung unter zunehmendem politischen Druck - nun will sie in die Offensive gehen und dazu beitragen, dass sich die Bedingungen für die Nutztiere verbessern. Spitzenvertreter der größten deutschen Handelsketten wie Rewe einigten sich am Donnerstag in Berlin darauf, dass ihre Unternehmen im Laufe des kommenden Jahres in einen gemeinsamen Fonds vermutlich einen mindestens zweistelligen, vermutlich dreistelligen Millionenbetrag einzahlen wollen.

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Aus diesem sollen dann diejenigen Landwirte anteilig Geld erhalten, die den Tieren zum Beispiel mehr Platz in den Ställen einräumen, als gesetzlich vorgesehen ist. Nach unbestätigten Informationen der F.A.Z. haben sich die größten Handelsketten Rewe, Edeka, Lidl (Schwarz-Gruppe), Aldi und die Metro-Gruppe auf die Teilnahme an diesem Modell geeinigt. Es ist grundsätzlich anders konzipiert als bisherige Versuche der Wirtschaft, die Lebensbedingungen der Tiere zu verbessern. Bislang hatte sie vor allem auf Siegel gesetzt. Zuletzt war ein Tierwohl-Siegel unter Mitwirkung des Deutschen Tierschutzbundes an den Start gegangen.

Modell soll 2014 starten

Produkte, deren Verpackung damit gekennzeichnet ist, kosten deutlich mehr Geld als andere. Dies sind zum Beispiel Hähnchen von Wiesenhof (PHW-Gruppe) oder Schweinefleisch von Westfleisch. Doch für diese Produkte hat sich nur ein geringer Anteil der Konsumenten entschieden. Im neuen Modell soll der Verbraucher mit dem Thema gar nicht mehr konfrontiert werden. Er kauft zum Beispiel ein Kilogramm Schweinefleisch. Dafür zahlt die Handelskette einen pauschalen Betrag in den Fonds ein - egal, ob das Fleisch von einem besonders „tierfreundlichen“ oder einem konventionellen Betrieb ohne Zusatzleistungen stammt. Für die Landwirte, für die komfortablere Haltungsbedingungen stets mit höheren Kosten verbunden sind, soll dieser Nachteil fortan entfallen.

Der Bauer bekommt aus dem Topf für jedes „Mehr an Tierwohl“ eine feste Vergütung. Im Idealfall soll es für ihn kaum teurer sein, wenn er etwa den Stall ausbaut, Tieren Beschäftigungsmöglichkeiten anbietet oder Auslauf im Freien. Zunächst soll das Modell zu einem noch nicht festgelegten Termin 2014 für Schweine-, Puten- und Hähnchenhalter starten. An den monatelangen Gesprächen, die am Donnerstag mit einer Grundsatzeinigung auf das Konzept einen ersten Abschluss gefunden haben, nahmen auch Unternehmensvertreter der Schlacht- und Zerlegebranche teil.

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Namen sämtlicher Unternehmen wurden nicht öffentlich; die größten, deren Teilnahme als sicher gilt, sind Tönnies, Westfleisch und Vion. Größte Geflügelmäster neben PHW sind die Rothkötter-Gruppe, Sprehe und Heidemark. Wie eine mit den Verhandlungen vertraute Person sagte, gibt es aber auch Lebensmittelunternehmen aus der „zweiten Reihe“, die an dem Vorhaben nicht teilnehmen. Auch diese wurden namentlich nicht genannt. Nach Auskunft des brancheneigenen Qualitätssicherungsunternehmens QS, das die Verhandlungen koordiniert, steht die Tür auch diesen weiterhin offen.

Endgültige Zusagen über Teilnahme wie auch Details des Programms sollen erst im Laufe der kommenden Monate ausgehandelt werden. Zentral ist die Frage, über einen wie langen Zeitraum den teilnehmenden Landwirten die Boni zugesichert werden. Das ist wichtig, da diese die Investitionen über viele Jahre abbezahlen müssen. Der Handel aber dürfte ein Interesse an möglichst kurzfristigen Zusagen haben. Die Margen im vom Discount unter Druck gesetzten Lebensmitteleinzelhandel sind gering. Die Höhe der Zusatzkosten ist schwer zu kalkulieren, weil sie von der Zahl der teilnehmenden Landwirte abhängt.

Ob das Projekt die Preise für den Verbraucher erhöhen wird, blieb unklar. Nach Auskunft eines QS-Sprechers gibt es ein vergleichbares Modell nirgendwo im Ausland. Im Detail ist vorgesehen, dass Bauern etwa für jedes gemästete Schwein eine Vergütung zwischen 20 Cent und 8 Euro bekommen, wenn 20 bis 40 Prozent mehr Platz je Tier zur Verfügung stehen, auf Ferkelkastration verzichtet wird (Ebermast) sowie weiche Liegeflächen und Auslaufmöglichkeiten im Freien vorhanden sind. Der Präsident des Deutschen Bauernverbandes Joachim Rukwied begrüßte die Initiative. Auch die kleinbäuerliche Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft kommentierte vorsichtig, darin „könnte eine Chance liegen“.

Quelle: F.A.Z.

 
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