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Neue Technologien Bezahlen mit dem Fingerabdruck

30.05.2008 ·  Die Metro-Gruppe testet den Einsatz neuer Techniken im Handel. Auch andere Handelskonzerne arbeiten mit Hochdruck an solchen Konzepten. Dabei geht es um Kostenvorteile - und um die schnelle Reaktion auf Kundenwünsche.

Von Lena Bopp und Brigitte Koch
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Der Handelskonzern Metro flüchtet lieber nach vorn. Nicht, dass die Zahlen nicht passabel klingen würden: 350 Märkte der eigenen SB-Warenhausgesellschaft Real in Deutschland, mehr als 54.000 Mitarbeiter, 11 Milliarden Euro Umsatz im vergangenen Jahr. „Aber“, so sagte der Vorstandsvorsitzende Eckhard Cordes kürzlich in Tönisvorst, „die Bedürfnisse der Kunden ändern sich in rasender Geschwindigkeit.“ In Tönisvorst bei Krefeld hat der Konzern daher seinen zweiten „Future-Store“ eröffnet.

In diesem Real-Markt soll mit Hilfe neuer Technologien das Ein- und Verkaufen „schneller, besser und effizienter“ ablaufen. Einige der Neuerungen wurden schon seit 2003 in dem ersten, mittlerweile geschlossenen „Future-Store“ in Rheinberg getestet. Andere sind in Tönisvorst zum ersten Mal im Einsatz. War die erste Versuchsfiliale mehr eine technologische Spielwiese, werden in dieser neuen Innovationswerkstatt weit konkretere Technikanwendungen getestet. „Alles, was wir als Neuerungen vorstellen, muss aber vom Kunden als Vorteil akzeptiert werden“, sagte Vorstandsmitglied Zygmunt Mierdorf.

Der Fingerabdruck ist an die EC-Karte gekoppelt

Große Erwartungen setzt Metro zum Beispiel in den sogenannten mobilen Einkaufsassistenten. Dabei handelt es sich um ein einfaches Handy, das mit einer Kamera und einem bestimmten Betriebssystem ausgerüstet sein muss. Mit ihm lassen sich im Supermarkt die Strichcodes der Waren einscannen - sodann erscheinen Preis und Produktinformationen auf dem Display. Schließlich errechnet das Handy die Summe des Einkaufs, die wiederum als Strichcode angezeigt und von einer speziellen Kasse gelesen wird.

Noch birgt das System aber Tücken. Das durften die Mitarbeiter erfahren, die es einem letzten Test unterzogen, bevor es den Journalisten präsentiert wurde („Hier brennt der Baum“). Und auch der Vorstandsvorsitzende Cordes scheiterte an der Kasse, befummelte erfolglos sein Handy und reichte es dem Pressesprecher, der die Sache richtete. Real wird einige Mitarbeiter abstellen müssen, die den Kunden das Prozedere erklären. Sie sollen auch sicherstellen, dass die Kunden nicht die ein oder andere Ware im Korb vergessen und schlussendlich alles bezahlen.

Wer der Metro vertraut, der kann die Rechnung künftig aber auch mit seinem Fingerabdruck begleichen. Der wird vor dem ersten Einkauf einmalig registriert und ist an die EC-Karte gekoppelt. An der Kasse wird er gescannt - und der Betrag dann vom Konto abgebucht. Auf diese Weise will man den Ablauf an den Kassen beschleunigen und Personal einsparen. Noch ist es freilich nicht so weit. „Wer nicht modern shoppen möchte, muss es nicht tun“, versichert Cordes. Nach wie vor stehen in Tönisvorst deshalb noch zwölf Kassen altbewährter Art.

Schrittmacher in der Erprobung neuer Techniken

„Signifikante Kosteneinsparungspotentiale“ verspricht sich die Metro-Gruppe zudem vom Einsatz der sogenannten Radiofrequenz-Identifikation (RFID). Die an der Ware angebrachten Spezialetiketten, die über einen Computerchip eine automatische Produkterkennung ermöglichen, kommen zunächst nur an den Kühltruhen mit Frischfleisch zum Einsatz. Der Chip speichert Informationen über das Verfallsdatum und meldet einem zentralen Computer, wenn sich ein abgelaufenes Produkt im Angebot befindet. Zudem informiert es die Metzger in der Fleischerei über den Warenbestand. So können die schnell verkauften Produkte zielgerichtet nachgefüllt und die Angebote weniger beliebter Waren zurückgefahren werden. Bisher wurde die RFID-Technologie nur in der Logistik verwendet, weil sie für den flächendeckenden Einsatz in den Regalen noch zu teuer ist. „Aber da wollen wir hin“, kündigt Mierdorf an.

Metro gilt in der deutschen Einzelhandelsbranche als Schrittmacher in der Erprobung neuer Techniken. Dabei geht es nicht um Spielerei, sondern um handfesten wirtschaftlichen Nutzen und bessere Renditen. Internationale Wettbewerber wie Walmart, Tesco oder Carrefour arbeiten ebenfalls mit Hochdruck am Einsatz der RFID-Technologie, um ihre logistischen Arbeitsabläufe zu optimieren. Auch bei der Kölner Rewe-Gruppe hat die Nutzung der RFID-Technik in den Wareneingangs-, Einlagerungs-, Kommissionierungs- und Warenausgangsprozessen das Laborstadium längst verlassen. Da die beiden deutschen Handelsriesen beispielsweise bei Konsumgütern wie Wasch- und Kosmetikartikeln ihre Ware von den identischen Lieferanten beziehen, arbeiten sie bei dieser Technik konstruktiv zusammen. Denn Ziel ist, einheitliche Standards zu erreichen. Arbeitsgruppen mit diversen Lieferanten und Händlern gibt es vor diesem Hintergrund auch auf dem Gebiet der Warensicherung.

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Jahrgang 1979, Redakteurin im Feuilleton.

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