Home
http://www.faz.net/-gqe-747tq
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Neue Strategie Commerzbank setzt auf Geschäft mit Privatkunden

Mit aller Macht will die Commerzbank das Ruder herumreißen. Das Privatkundengeschäft wird umgekrempelt, ein Stellenabbau steht an. Der deutschen Nummer zwei bleibt vier Jahre nach der Übernahme der Dresdner Bank keine andere Wahl.

© REUTERS Die Commerzbank legt ihren Fokus in Zukunft vor allem auf das Privatkundengeschäft

Die Commerzbank stemmt sich mit einem Mix aus Investitionen und Sparmaßnahmen gegen den anhaltenden Abwärtstrend. Nach zuletzt dürftigen Ergebnissen krempelt das teilverstaatlichte Institut sein Privatkundengeschäft um. Wie viele Mitarbeiter wegen des Konzernumbaus ihren Job verlieren werden, ließ das zweitgrößte deutsche Geldhaus auch am Donnerstag zunächst offen.

Die Bank kündigte lediglich eine „Anpassung der Personalkapazitäten“ an. Spekuliert wurde zuletzt über den Abbau von bis zu 6000 Stellen. Im dritten Quartal konnte die Commerzbank ihren Abwärtstrend nicht stoppen. Unter dem Strich verdiente die Bank 78 Millionen Euro und damit noch weniger als in den beiden ebenfalls schwachen Vorquartalen.

Mehr zum Thema

Vor allem das niedrige Zinsniveau und Belastungen bei abzuwickelnden Geschäften drückten auf den Gewinn. Operativ verdiente die Bank im dritten Quartal 216 Millionen Euro, nach 451 Millionen drei Monate zuvor und einem Verlust von 855 Millionen vor einem Jahr. Für das vierte Quartal stimmte das Management auf einen weiteren Rückgang des operativen Gewinns ein. „Mit Blick auf die steigenden Anforderungen an die Kapitalausstattung von Banken, das anhaltend niedrige Zinsniveau und Vertrauensverluste bei den Kunden erwarten wir weiterhin Belastungen auf der Ertragsseite“, erklärte Finanzvorstand Stephan Engels.

Die Aktionäre stimmte der Konzern bereits am Mittwochabend darauf ein, dass sie auch für dieses und nächstes Jahr voraussichtlich keine Dividende bekommen werden. Zumindest fielen im dritten Quartal 2012 angesichts der Beruhigung Märkte keine größeren Sonderbelastungen an. Vor einem Jahr stand für den Zeitraum Juli bis Ende September unter dem Strich ein Verlust von 687 Millionen Euro - vor allem aufgrund von Abschreibungen von rund 800 Millionen Euro auf griechische Staatsanleihen.

File photo of Commerzbank CEO Blessing © REUTERS Vergrößern „Ein ’Weiter so’ kann es in der Bankenbranche nicht mehr geben“: Vorstandschef Martin Blessing

Im Privatkundengeschäft lief es wegen einer leichten Belebung im Wertpapiergeschäft etwas besser als vor einigen Monaten, die Erträge in der wichtigen Sparte verharrten jedoch auf niedrigem Niveau - vier Jahre nach Übernahme der Dresdner Bank. Bis 2016 will die Commerzbank nun etwa eine Milliarde Euro in die Neuausrichtung ihres Privatkundengeschäfts stecken: in Produkt- und Serviceangebot, Beratung und Qualifizierung der Mitarbeiter.

Ziel sei der „Aufbau einer modernen Multikanalbank“ und ein flexibleres Filialnetz, erklärte Konzernchef Martin Blessing in einer Mitteilung. „In Zukunft werden unsere Kunden die Produkte und Dienstleistungen der Commerzbank zu jeder Zeit und an jedem Ort erhalten.“ Die Kundenzahl soll von elf Millionen auf zwölf Millionen gesteigert werden, operativ will die Bank im Jahr 2016 rund 500 Millionen Euro im Privatkundengeschäft verdienen. Insgesamt will die Commerzbank bis 2016 mehr als zwei Milliarden Euro ausgeben, „um ihr Geschäftsmodell in den kommenden Jahren an die veränderten Rahmenbedingungen in der Finanzbranche“ anzupassen.

Stabil blieb im dritten Quartal im Vergleich zum Vorquartal das Mittelstandsgeschäft. In Osteuropa gab es leichte Rückgänge, im Investmentbanking ging es dank der Beruhigung an den Finanzmärkten etwas aufwärts. Probleme machte die konzerneigene „Bad Bank“, in der abzuwickelnden Geschäfte wie Schiffskredite und die gewerbliche Immobilienfinanzierung gebündelt sind: Dort fielen 476 Millionen Euro Verlust an.

Quelle: FAZ.NET mit Material von dpa

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Niedrigzinsumfeld Zertifikatemarkt in Deutschland schrumpft weiter

Es gibt immer noch weniger Zertifikate als als nach dem Lehman-Schock im Jahr 2008. Vor allem Zinsprodukte verkaufen sich nicht mehr. Und das Schrumpfen geht weiter. Mehr Von Daniel Mohr

23.06.2015, 09:45 Uhr | Finanzen
Autobahnkreuz Weinsberg 700 Millionen Euro gegen den Stau

Seit mehr als 20 Jahren steht das Autobahnkreuz Weinsberg auf der Planungsliste der Bundesregierung. Doch nichts passiert. Eine Privatinitiative will die nötigen 700 Millionen Euro für die Instandsetzung jetzt selber aufbringen, damit der 60 Kilometer lange Autobahnabschnitt endlich aus den täglichen Staumeldungen im Radio verschwindet. Mehr

12.02.2015, 09:54 Uhr | Wirtschaft
Weitere Nachrichten Minijob-Zentrale vermutet Mindestlohn als Ursache für Minijob-Abbau

Die Metro-Tochter Real steigt aus dem Tarifvertrag aus. Die ehemalige Hypo Alpe Adria hat eine Kapitallücke von 7 Milliarden Euro. Bilfinger spaltet sich auf. Mehr

18.06.2015, 06:41 Uhr | Wirtschaft
Jahresbilanz der Lufthansa 732 Millionen Euro Verlust

Turbulente Zeiten bei der Lufthansa: Elf Streiks in den letzten zwölf Monaten, dazu hohe Investitionen und wachsende Konkurrenz durch Billigfluglinien. Entsprechend verhalten fiel die Bilanzpressekonferenz am Donnerstag in Frankfurt aus. Mehr

12.03.2015, 14:35 Uhr | Wirtschaft
Street One & Cecil am Parkett Modehändler CBR will mit Börsengang Schulden abbauen

Seit neun Jahren spekuliert man auf den Börsengang des Labels Street One. Unter dem Holding-Namen CBR kommt er jetzt - und scheint interessant bewertet. Mehr Von Martin Hock

23.06.2015, 15:03 Uhr | Finanzen
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 08.11.2012, 08:35 Uhr

Nahles verblüfft

Von Dietrich Creutzburg

Arbeitsministerin Nahles überrascht mit einem Vorstoß zur Eindämmung von Mindestlohnbürokratie. Noch überraschender wäre es, wenn sie diesen neu gewonnenen Spielraum nicht bald ausnutzte. Mehr 1 3


Die Börse
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --
Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden

Grafik des Tages Immer weniger Zinsen

Für Anleihen werden immer weniger Zinsen gezahlt. Das Niveau im Euroraum hat sich dabei mittlerweile dem von Japan angenähert. Mehr 1