Der größte deutsche Stahlkonzern treibt den von Konzernchef Heinrich Hiesinger angekündigten Umbau weiter voran. Ab Anfang kommenden Monats soll zunächst ein neues Führungsteam das Edelstahlgeschäft selbstständig lenken, wie das Unternehmen am Dienstag in Essen mitteilte. Vom 1. August an werde das Geschäft in einer Holding-Struktur mit einem eigenen Vorstand geführt.
In seiner Edelstahl-Sparte beschäftigt Thyssen-Krupp weltweit gut 11.000 Mitarbeiter und erwirtschaftete im vergangenen Geschäftsjahr 2009/2010 einen Umsatz von 5,9 Milliarden Euro (siehe Thyssen-Krupp stellt Edelstahl zur Disposition).
Die geplante Trennung von der Edelstahl-Sparte ist ein wesentlicher Baustein des von Hiesinger angekündigten Konzernumbaus. Insgesamt sollen von den Plänen rund 35.000 der derzeit rund 177.000 ThyssenKrupp-Mitarbeiter betroffen sein. Das Unternehmen will sich dabei von einem Umsatz von rund zehn Milliarden Euro trennen. Konzernchef Hiesinger hatte angekündigt, mit dem tiefgreifenden Konzernumbau die enorme Verschuldung des Konzerns zurückführen und Wachstum ermöglichen zu wollen. Im Mai hatte der Aufsichtsrat das Vorhaben gebilligt.
Derzeit ist die genaue Zukunft der Edelstahl-Sparte noch unklar. Möglich ist nach Angaben des Unternehmens ein Börsengang ebenso wie ein Verkauf oder auch eine einfache Ausgliederung, bei der Thyssen-Krupp weiter Haupteigentümer bleibt. Die Optionen sollen nun von drei Banken geprüft werden. In der Eigenständigkeit sieht der Konzern größere Chancen für die Sparte, die sich dann etwa flexibler einen Partner suchen könnte. In der Branche gibt es nach Einschätzung von Experten hohe Überkapazitäten. Vorstandschef der Sparte wird Clemens Iller, der bereits seit 2009 für dieses Geschäft verantwortlich ist.
Zuvor hatte die EU dem Unternehmen grünes Licht für den Verkauf seiner Metallumformsparte an den spanischen Autozulieferer Gestamp gegeben. Es gebe ausreichend Konkurrenten in allen Märkten, teilte die EU-Kommission am Dienstag nach einer Prüfung mit. Über den Kaufpreis hatten die Unternehmen Stillschweigen vereinbart, er liegt nach früheren Angaben im deutlich dreistelligen Millionen-Euro-Bereich.
Die Metallumformsparte stellt in ihren Werken in Deutschland, Frankreich, England, Spanien, Polen, der Türkei und in China Fahrwerk- und Karosseriebauteile für die Automobilindustrie her. Die Gruppe hat 5700 Beschäftigte und erzielte im Geschäftsjahr 2009/10 einen Umsatz von knapp 1,1 Milliarden Euro. Bei Thyssen-Krupp zählte sie seit längerem nicht mehr zum Kerngeschäft. Gestamp hat rund 18.000 Mitarbeiter in 20 Ländern. Im vergangenen Jahr erwirtschaftete es einen Umsatz von gut drei Milliarden Euro.
