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Veröffentlicht: 01.09.2013, 15:20 Uhr

Neue Einkaufscenter Wer geht mit einkaufen?

Überall eröffnen neue Einkaufscenter. Und strafen die Online-Propagandisten Lügen: Amazon und Zalando haben noch lange nicht gewonnen.

von
© Setzer, Claus „Skyline Plaza“ in Frankfurt: Immer mehr Ketten wie Zara, H&M oder Primark dominieren die Einkaufsstraßen der Städte.

Glaubt man den Untergangspropheten, dürfte es das Skyline Plaza eigentlich gar nicht geben: Am Donnerstag eröffnete das neue Einkaufszentrum mitten im Europaviertel in Frankfurt, 38.000 Quadratmeter Verkaufsfläche, 170 Geschäfte, mit Himalajabirken auf dem Dach und einem eigenen Wellnesstempel. Die Kunden drängten in Massen hinein. Ein Samsung Galaxy S3 für 249 Euro (statt 349 Euro bei Amazon), eine Waschmaschine von Siemens für 333 Euro - so etwas kommt schließlich so schnell nicht wieder.

Britta Beeger Folgen:

Ob die Kunden auch noch in das neue Einkaufszentrum strömen, wenn es solche Lockangebote nicht mehr gibt, wird sich zeigen. Doch eines demonstriert das Skyline Plaza schon jetzt: Der Einzelhandel blüht, selbst in Frankfurt. Dabei könnte man meinen, dass es gerade hier schon genug Geschäfte gibt. Immerhin hat die Stadt mit der Zeil bereits die umsatzstärkste Einkaufsmeile Deutschlands.

Trotzdem hat in der ehemaligen Diamantenbörse gerade das Geschäftshaus Ma eröffnet, das 3700 Quadratmeter Platz für Geschäfte wie das Kaufhaus Lieblings, das Möbelhaus Bo Concept und das Designhaus Stockholm bietet. Und in das One Goethe Plaza, eine neue Häuserzeile am Goetheplatz, ziehen Luxusmarken wie Louis Vuitton, Escada und Omega ein. Noch nie haben in Frankfurt auf einen Schlag so viele neue Geschäfte aufgemacht.

Untergangsszenarien prophezeien dem Einzelhandel eine schwarze Zukunft

Wie passt das zu all den Untergangsszenarien, die für den stationären Einzelhandel entworfen werden? Sie gehen in etwa so: Bald kaufen wir alles nur noch online, denn das ist nicht nur günstiger, sondern auch bequemer. Das macht den Einzelhandel in den Städten kaputt und bedeutet das Ende für Büchereien, Elektrohändler und Kleidungsgeschäfte, für Warenhausketten wie Karstadt und Kaufhof und für Shoppingzentren. Erst recht in der Generation der Digital Natives, die selbstverständlich mit Smartphone und Internet groß wird.

80 Prozent aller Offline-Händler würden nicht überleben, tönte im Frühjahr Oliver Samwer, einer von drei Brüdern, die mit deutschen Kopien amerikanischer Startups reich geworden und unter anderem an Zalando beteiligt sind. Der E-Commerce werde der Ort sein, wo in Zukunft jeder kauft, prophezeite Marc Andressen, eine Investmentgröße des Silicon Valleys. Und in Tönisvorst in Nordrhein-Westfalen klebten kürzlich 50 Einzelhändler ihre Schaufenster mit schwarzer Folie zu, um zu zeigen, wie die Innenstadt ohne sie aussähe. Sie demonstrierten gegen den sogenannten „Beratungsklau“: Kunden lassen sich im Geschäft beraten, kaufen die neue Kamera oder die Schuhe dann aber günstiger im Internet.

Keine Frage: Der Online-Handel wächst rasant. 2012 legte er nach Angaben des Handelsverbands Deutschland um 25 Prozent auf einen Umsatz von jetzt 30 Milliarden Euro zu. Vor allem Kleidung (6 Milliarden Euro Umsatz), Unterhaltungselektronik (3,5 Milliarden), Computer (2,3 Milliarden) und Bücher (2,2 Milliarden) werden im Internet gekauft. „Das sind häufig standardisierte Produkte. bei denen man sich sicher sein kann, dass man im Internet genau das Gleiche bekommt wie im Laden“, sagt Manuel Jahn von der GfK Geo Marketing.

Während die Zuwächse des Internethandels noch bis 2011 vor allem zu Lasten des klassischen Kataloghandels gingen, nehmen sie jetzt auch dem stationären Handel Marktanteile ab, heißt es in einem noch unveröffentlichten Bericht der GfK Geo Marketing. Autor Jahn: „Der Angriff auf den stationären Handel geht gerade erst los.“ Buchhändler wie Thalia und Hugendubel haben bereits begonnen, Flächen aufzugeben.

Die Leute informieren sich online und kaufen offline

Doch so wuchtig die Entwicklung auch ist: Am gesamten Einzelhandel mit einem Umsatz von 428 Milliarden Euro hat das Internet gerade erst einen Anteil von sieben Prozent. Spielzeug, Schmuck, Uhren, Möbel, Werkzeug, Blumen, Lebensmittel: All das kaufen Kunden immer noch lieber im Geschäft als im Internet.

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