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Erste Ausgabe nach Anschlag : Riesiger Ansturm auf neues „Charlie Hebdo“-Heft 

Lange Schlangen vor einem Zeitungsgeschäft in Paris: Vielerorts war die neue Ausgabe von „Charlie Hebdo“ binnen Minuten vergriffen Bild: AFP

An den Verkaufsstellen des französischen Satiremagazins „Charlie Hebdo“ war das Heft binnen Minuten vergriffen. Jetzt wird nachgedruckt, die Auflage steigt damit auf 5 Millionen.

          Die französische Satirezeitschrift „Charlie Hebdo“ hat einen Großteil ihrer Redaktion verloren – nicht aber ihren anarchischen Humor. Dies soll die am heutigen Mittwoch an den Kiosken erscheinende Ausgabe zeigen. An etlichen Pariser Zeitungskiosken war die erste Ausgabe des Blattes seit dem Attentat auf die Redaktion am Morgen innerhalb kürzester Zeit vergriffen. Viele Stammkunden hätten sich schon im Vorfeld Exemplare reserviert, berichteten Verkäufer. Das Pressevertriebsunternehmen MLP teilte mit, man werde zusätzliche 2 Millionen Hefte drucken, die Auflage steigt damit auf 5 Millionen Exemplare.

          Christian Schubert

          Wirtschaftskorrespondent in Paris.

          Der Komiker Mathieu Madenian, der an der Ausgabe mitarbeitete, berichtete am Vortag über die Redaktionskonferenz, welche die Überlebenden des Terroranschlags behelfsweise in den Räumen der Tageszeitung „Libération“ abhielten: „Gleich zu Beginn stellte jemand die Frage: Was war das große Thema der vergangenen Woche? – und alle fingen an zu lachen. Das ist der Geist von Charlie Hebdo, des Canard Enchaîné, von Hara-Kiri“, sagte Madenian in Anspielung auch auf andere französische Satirezeitschriften.

          Große Nachfrage in einem Kiosk in Rennes: Die erste Ausgabe von Charlie Hebdo nach den Anschlagen hat eine Auflage von drei Millionen Bilderstrecke

          Die Seite eins zeigt einen weinenden Mohammed mit dem Schild „Je suis Charlie“. Darüber steht: „Alles ist vergeben.“ Der Anwalt der Zeitschrift, Richard Malka, berichtete, dass die Redaktion bei dieser wie bei allen anderen Ausgaben keinerlei Kompromisse eingegangen sei. „Seit 22 Jahren gibt es kein Heft ohne eine Karikatur des Papstes, von Jesus, von Priestern, Rabbinern, Imamen oder von Mohammed. Das haben wir diesmal natürlich nicht anders gemacht“, meinte Malka.

          Zeitschrift liegt an 27000 Verkaufsstellen aus

          Die neue Ausgabe hat auf der ganzen Welt großes Interesse hervorgerufen, in 25 Ländern soll die Zeitschrift verkauft werden. Doch das Ausland muss sich gedulden. „Es ist möglich, dass in den ersten Tagen kaum eine Ausgabe außerhalb von Frankreich an die Kioske kommt, weil die Nachfrage hier so groß ist“, sagte der Sprecher des französischen Pressevertriebsunternehmens MLP. 27.000 Verkaufspunkte werden mit der Zeitschrift ausgestattet, 7000 mehr als sonst. „Die Nachfrage ist überwältigend, manche verlangen das Fünfzigfache der üblichen Menge“, berichtet der Vertreter eines Zwischenlagers in Forbach. Auch etliche Unternehmen sind interessiert. So habe etwa das Kernkraftwerk von Cattenom in Lothringen 1500 Exemplare bestellt – für jeden Mitarbeiter eins.

          In Deutschland kommt die erste Ausgabe von „Charlie Hebdo“ voraussichtlich erst am Wochenende in den Handel. „Es werden nach Deutschland nach derzeitigem Stand 10500 französischsprachige Exemplare von ‚Charlie Hebdo‘ geliefert, die am Samstagmorgen in den Kiosken sein werden“, sagte ein Sprecher des Verbandes Deutscher Zeitschriftenverleger. Die Nachfrage werde diese Menge nach jetzigem Stand wohl „bei weitem“ übertreffen. An Bahnhöfen und an Flughäfen könnte es etwas früher werden, heißt es.

          Gedruckt wird die Zeitschrift in Frankreich in mehr als einer Druckerei, berichtet der Pressevertrieb MLP. Ihre Namen werden jedoch „auf Anweisung des Innenministeriums aus Sicherheitsgründen geheim gehalten“, teilte der MLP-Sprecher mit. Vor den Anschlägen wurde die Zeitschrift wöchentlich zu rund 60000 Exemplaren gedruckt, wovon in den letzten Monaten rund die Hälfte verkauft wurde. Nur die Ausgabe vom 7. Januar – der Tag des Anschlags – war restlos ausverkauft. Jetzt aber soll die Auflage auf ein ungekanntes Niveau gebracht werden. Zuerst war von einer Million Exemplaren die Rede, am Montagabend von drei Millionen erhöht, jetzt wird es 5 Millionen Exemplare geben. Das Heft des 7. Januar soll auf Wunsch der Redaktion nicht nachgedruckt werden.

          Mehr als 50 Anträge auf Markenrecht „Je suis Charlie“

          Unterdessen regt sich auch großes kommerzielles Interesse an der Solidaritätsbekundung „Je suis Charlie“. Seit dem Anschlag auf das Satiremagazin seien in Frankreich bereits mehr als 50 Anträge auf das Markenrecht bei der Behörde INPI eingereicht worden, berichtete die Nachrichtenagentur AFP. Joachim Roncin, der Erfinder des Slogans und Layout-Direktor eines Wochenmagazins, zeigte sich enttäuscht: „Damit Geld machen zu wollen, finde ich beschämend“, sagte er.

          Alle Presse-Vertriebsunternehmen verzichten derweil auf ihre Kommissionen, damit die Einnahmen vollständig Charlie Hebdo zugute kommen.

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