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Ersatzkaffee : Nestlé schließt Caro-Werk

  • Aktualisiert am

Das Firmen-Logo am Nestle Hauptquartier in Vevey, Schweiz. Bild: dpa

Caro-Kaffee kennt jedes Kind. Künftig wird er aber nicht mehr in Ludwigsburg produziert. Die Zukunft von Linde‘s und Kathreiner ist noch ungewiss.

          Nestlé schließt sein traditionsreiches Werk für Kaffee-Ersatzgetränke in Ludwigsburg zum Ende des Jahres. Am Dienstag sind die 100 Mitarbeiter informiert worden. In Ludwigsburg werden die Marken Orzoro, Caro Landkaffee, Linde‘s Kornkaffee (landläufig auch als Muckefuck bezeichnet) und Kathreiner Malzkaffee hergestellt. Für alle Produkte ist die Nachfrage in den vergangenen Jahren stark gesunken. Die Produktion sei nicht mehr ausgelastet. Caro-Kaffee werde es aber weiter zu kaufen geben, er soll künftig in Portugal produziert werden. Der in Italien verkaufte Orzoro wird künftig an einem anderen europäischen Standort erzeugt.

          Was mit den Marken Linde‘s und Kathreiner passiert, ist offenbar noch unklar. Da sie mengenmäßig die kleinsten Marken sind, ist noch offen, ob sie nicht ganz eingestellt werden. Die Kaffee-Ersatzgetränke oder Kaffee-Surrogate gehen auf die Zeit im 18. Jahrhundert zurück, als Kaffee in Preußen stark besteuert wurde und man als Ersatz Teile anderer Pflanzen röstete, vor allem der Zichorie. Die Kaffee-Ersatzgetränke enthalten im Gegensatz zum echten Kaffee kein Koffein. Caro enthält heute Gerste, Malz, Zichorie und Roggen. Der Markenname Caro (eine Zusammenfassung des Wortes Caffeesurrogatextrakt) besteht seit 1954.

          Für Nestlé ist es die zweite Werksschließung binnen weniger Monate. Ende 2017 war das Nescafé-Werk in Mainz geschlossen worden. Davon waren mehr als 200 Mitarbeiter betroffen. Diese Schließung erfolgte im Rahmen der europäischen Produktivitätsoffensive von Nestlé. Um Synergien zu heben, wurde die Produktion löslichen Kaffees im spanischen Girona konzentriert. Dafür produziert das Hamburger Schokoladenwerk jetzt für ganz Europa die Kitkat-Riegel. Ausgebaut wurden auch die deutschen Werke Osthofen für Health-Produkte und Nonnweiler für Pizzen. Nestlé unterhält in Deutschland zwölf Werke und beschäftigt hierzulande 10.300 Mitarbeiter.

          Das Caro-Kaffee-Werk geht zurück auf eine Kaffee-Manufaktur aus dem Jahr 1828 in der Nähe von Ludwigsburg. Der Kolonialwarenhändler Johann Heinrich Franck stellte darin als erster im großen Stil den sogenannten Landkaffee her. 1868 verlegte die Firma die Produktion dann schließlich nach Ludwigsburg. Nestlé übernahm das Werk und die Marke 1971 und vertreibt das Getränkepulver nach eigenen Angaben weltweit, teilweise jedoch unter anderem Namen.

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