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Gefährliche Getränke : Ein Nagellack soll vor K.O.-Tropfen warnen

Aus rot wird lila, vielleicht: Nagellacke sollen die Farbe ändern. Bild: Müller, Andreas

Vier amerikanische Studenten entwickeln einen speziellen Nagellack, der seine Farbe verändert, um Frauen vor Vergewaltigungen zu schützen. Nicht alle freut das.

          Wer heute auf einer Party seinen Finger ins Getränk tunkt, wird garantiert schief angeschaut. Wenn es nach vier amerikanischen Studenten geht, könnte solch eine Tauchaktion in Zukunft jedoch einen Sinn bekommen: Ankesh Madan, Tyler Confrey-Maloney, Stephen Gray und Tasso Von Windheim tüfteln an einem Nagellack, der seine Farbe wechselt, wenn er in Kontakt mit Flüssigkeiten kommt, die mit K.O.-Tropfen versetzt sind. Wer seinen Nagel benetzt, soll so schnell erfahren können, ob die als sogenannte „Date-Rape-Drugs“ bekannten Rohypnol, Xanax oder GHB unbemerkt ins Getränk gemischt wurden.

          Jonas Jansen

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für die „Netzwirtschaft“.

          Die vier Amerikaner haben an der North Carolina State University Materialwissenschaft und Werkstofftechnik studiert und sich dort kennengelernt. Da sie auch alle Interesse am Unternehmertum haben, überlegten sie, welche dringenden Probleme die Gesellschaft lösen sollte. Und kamen darauf: Fast jede fünfte Frau in den Vereinigten Staaten wird laut Studien in ihrem Leben sexuell angegriffen, in Deutschland geben 27 Prozent der Frauen in einer Befragung des Bundesfamilienministeriums an, sich schon von einer sexuellen Belästigung „ernsthaft bedroht“ gefühlt zu haben - und die Vergewaltigungsversuche mit K.O.-Tropfen nehmen gerade an Universitäten zu. Nach eigener Aussage kennt jeder der vier Studenten jemanden, der mit K.O.-Tropfen betäubt wurde. „Wir wollten uns auf präventive Maßnahmen fokussieren, die leicht in Produkte integrierbar sind, die Frauen ohnehin schon benutzen“, berichtet Madan in einem Interview. So sei die Idee mit dem Nagellack entstanden.

          Inzwischen hat ihre Firma „Undercover Colors“ mehrere Gründerpreise gewonnen und damit mehr als 100.000 Dollar eingenommen. Obwohl sie noch gar kein Produkt haben, hat ihre Facebookseite mehr als 35.000 Fans, die immer neue, positive Nachrichten auf der Pinnwand hinterlassen und fragen, wann der Nagellack auf den Markt kommt und wo man spenden kann, damit das neue Präventivschönheitsprodukt auf den Markt kommt. Vor allem Mütter, die ihre Töchter auf Colleges und Universitäten schickten, kommentieren fleißig und dankbar im Voraus. Auch Frauen, die in der Vergangenheit mit K.O.-Tropfen auf Parties oder in Bars betäubt wurden, sprechen sich für den neuen Nagellack aus.

          Doch es gibt nicht nur positive Stimmen zu der Entwicklung: Kritikerinnen bemängeln, dass so ein Produkt die Verantwortung den Opfern zuschieben würde. Anstatt Männern zu vermitteln, dass Vergewaltigungen ungeheuerlich sind, würden Frauen dazu angehalten, sich vor etwas zu fürchten, vor dem sie sich eigentlich nicht fürchten sollten. So befürchtet etwa die amerikanische Autorin Kelly Oxford, dass im Falle einer Vergewaltigung ein „hättest-Du-mal-den-Nagellack-gekauft“-Reflex einsetzen würde

          Anne Wizorek, Medienberaterin und #Aufschrei-Initiatorin sagt auf FAZ.NET-Anfrage: „Klar, es ist irgendwie gut gemeint, aber echtes Empowerment sieht anders aus.“ Maya Dusenberg stellt im Blog Feministing zudem die Frage, ob Männer, die es wirklich auf eine Vergewaltigung abgesehen haben dann nicht auf andere Mittel zurückgreifen würden.

          Die vier Studenten geben an, vielmehr die Angst von den Frauen zu den potentiellen Aggressoren verschieben zu wollen. Man müsse so schließlich mehr Angst haben, erwischt zu werden. Das würde eine abschreckende Wirkung haben, schreiben die Gründer.

          Ganz neu ist übrigens auch das Konzept der „Date-Rape-Drug“-Früherkennung nicht: Firmen wie „DrinkSafeTech“ bieten bereits seit mehreren Jahren visitenkartengroße Tester an, auf denen man auch mit einem Tropfen nachweisen können soll, wenn dem Getränk  K.O.-Tropfen beigemischt wurden. Auch diese Methode wurde bereits vor zehn Jahren in einer Studie kritisiert, die anmerkte, dass solche Tester nur wenige Drogen zuverlässig erkennen würden. Die tatsächliche Wirksamkeit des Nagellacks müssen die vier Gründer ebenfalls noch nachweisen.

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