11.09.2008 · Pfaff war einst einer der wichtigsten Hersteller von Nähmaschinen und beschäftigte in den 1970er Jahren weltweit rund 10.000 Menschen. Derzeit sind es nur noch gut 700 - mit ungewisser Zukunft: Die Sanierungsversuche beim angeschlagenen Industrienähmaschinenbauer sind gescheitert.
Der Vorstand des angeschlagenen Kaiserslauterer Industrienähmaschinenbauers Pfaff hat am Donnerstag Insolvenzantrag gestellt. Die notwendigen außergerichtlichen Sanierungsversuche seien gescheitert, teilte die Pfaff Industrie Maschinen AG mit. Das traditionsreiche Unternehmen, das Nähmaschinen für die Industrie und Schweißmaschinen herstellt, war zuletzt in eine schwere finanzielle Krise geraten.
Nach Angaben des rheinland-pfälzischen Wirtschaftsministeriums hatte es noch am Donnerstagmittag Verhandlungen gegeben. Ministerpräsident Kurt Beck (SPD) bedauerte die Entwicklung und kündigte an, das Land wolle die Mitarbeiter bei der Entwicklung neuer Perspektiven unterstützen.
Mögliche Investoren zogen sich zurück
Wegen der finanziellen Krise hatte das Management von den Gläubigern verlangt, auf bis zu 90 Prozent ihrer Forderungen zu verzichten. Außerdem sollten in Kaiserslautern 100 bis 180 der noch 400 Arbeitsplätze abgebaut werden. Sollten die Beteiligten nicht zustimmen, müsse Pfaff an diesem Donnerstag Insolvenz anmelden, hatte Vorstandschef Josef Kleebinder angekündigt.
Ausschlaggebend für den Gang zum Insolvenzgericht war, dass potenzielle Investoren einen Rückzieher machten. Der Vorstand berichtete am Donnerstagnachmittag, die Rettungsbemühungen seien gescheitert, obwohl die Hauptgläubiger bereit gewesen seien, auf Forderungen in Höhe von mehr als 20 Millionen Euro zu verzichten. Auch habe es hinsichtlich der geplanten Personalmaßnahmen eine Einigung zwischen Betriebsrat, IG Metall und Geschäftsleitung gegeben. Die Sanierungssituation, der hohe Kapitalbedarf und das schwierige Marktumfeld in Asien hätten jedoch bewirkt, dass interessierte Investoren von einem Engagement Abstand genommen hätten.
Zwei Standorte: Kaiserslautern und China
Der Sanierungsplan hatte nach Unternehmensangaben vorgesehen, das Produktportfolio „radikal“ zu durchforsten und die neue Produktlinie „Powerline“ auf den Markt zu bringen. Der Standort Kaiserslautern - einer von weltweit zwei Standorten - sollte zu einem Montagestandort umgewandelt werden, während die Teilefertigung und die Komponentenbeschaffung über das Werk in China verstärkt werden sollten. Das Unternehmen zählt weltweit gut 700 Mitarbeiter.
Pfaff
Der Name Pfaff ist nicht nur Hobby- Nähern ein Begriff: Das Unternehmen war einst einer der wichtigsten Hersteller von Nähmaschinen und beschäftigte in den 1970er Jahren weltweit rund 10.000 Menschen. Das Geschäft mit Nähmaschinen für den Hausgebrauch hat Pfaff 1999 verkauft. Heute stellt das Unternehmen neben Schweißmaschinen nur noch Nähmaschinen für die Industrie her. Ein hartumkämpftes Geschäft, das sich vor allem in Asien abspielt, wo die meisten Textilfirmen wegen der niedrigen Kosten produzieren.
Das Unternehmen wurde 1862 von Georg Michael Pfaff in Kaiserslautern gegründet. Für die Pfaff-Gruppe arbeiten heute mehr als 700 Menschen, davon rund die Hälfte in Kaiserslautern. In der pfälzischen Stadt entsteht zur Zeit ein neues Werk, das das alte ersetzen soll.
Das Traditionsunternehmen hat turbulente Jahre hinter sich und stand bereits kurz vor dem Ende. Pfaff hatte 1999 Insolvenz angemeldet und war 2002 vom italienischen Großhandelsunternehmen Bianchi Marè übernommen worden. Im März 2005 wurde ein Sanierungstarifvertrag vereinbart, um die drohende Verlagerung der
Arbeitsplätze nach China abzuwenden. Ende 2005 übernahm die Investmentgesellschaft GCI Bridge Capital AG - eine Tochter der GCI Management AG (beide München) - das Unternehmen.
Im Januar 2007 kehrte Pfaff nach mehrjähriger Unterbrechung an die Börse zurück. In den Monaten zuvor hatte GCI harte Einschnitte vorgenommen. Am Stammsitz Kaiserslautern verlor fast ein Viertel der zuvor mehr als 500 Beschäftigen den Job. Die Mitarbeiter verzichten außerdem bis 2010 auf Urlaubs- und Weihnachtsgeld. Bis zur Insolvenz 1999 war Pfaff schon einmal börsennotiert gewesen.
Na wo ist denn hier der Staat?
Stefan Mennewisch (Chariot)
- 11.09.2008, 19:02 Uhr
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.319,85 | −3,26% |
| Dow Jones | 12.118,60 | −2,22% |
| EUR/USD | 1,2433 | +0,58% |
| Rohöl Brent Crude | 98,82 $ | −2,76% |
| Gold | 1.606,00 $ | +3,08% |
Anonym bewerben? Ist das gut?