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Nachhaltigkeit als Imagefaktor : „Der Kakao-Anbau ist keine heile Welt“

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Ein untrügliches Zeichen dafür, dass nachhaltige Produktionsverfahren und Lieferketten nicht mehr nur für große Lebensmittelkonzerne auf die Agenda drängen, ist die jüngste Initiative des Bundesverbands der Deutschen Süßwarenindustrie (BDSI). Gemeinsam mit Bundesregierung und Lebensmittelhandel hat der Verband das „Forum Nachhaltiger Kakao“ ins Leben gerufen, dessen Sekretariat bei der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit und Entwicklung (GIZ) liegt.

Zwiespalt zwischen NGOs und Süßwarenherstellern

Sie soll nach eigenen Angaben die „Aktivitäten des Forums koordinieren und relevante Akteure aus Deutschland mit denen aus den Produktionsländern sowie internationalen Initiativen“ zusammenbringen. Den Bauern wolle man vermitteln, „wie sie Kakao produktiver, sozialer und zugleich umweltverträglich anbauen, Marktanforderungen erfüllen und somit ein stabiles Einkommen sichern können“, sagt Elena Rueda, die Leiterin des Sekretariats.

Der Zwiespalt zwischen Nichtregierungsorganisationen (NGO) wie Fairtrade Deutschland, die unter fairer Wirtschaft zuerst strategische Armutsbekämpfung verstehen, und dem, was Süßwarenhersteller als nachhaltige Wirtschaft bezeichnen, ist nicht überwunden. Fairtrade, das Standards für gerechtes Produzieren und gerechten Handel entwickelt, betreut auch die örtlichen Produzentengruppen. Der NGO geht es in erster Linie um Handelsbeziehungen, die die Situation benachteiligter Produzentenfamilien in Afrika, Asien und Südamerika verbessern, die Binnenwirtschaft stärken und langfristig ungerechte Weltwirtschaftsstrukturen abbauen sollen. Vor allem die kleineren und mittelständischen Betriebe der kakaoverarbeitenden Industrie, an die sich die BDSI-Initiativen besonders richten, müssen in erster Linie die Kosten im Blick behalten, die nach Angaben von Drewes für nachhaltig zertifizierten Kakao zu etwa 10 Prozent über denen von konventionellem liegen.

Mittelstand zieht nach

Auch wenn die Preise für konventionell erzeugten Kakao laut der Commerzbank-Analystin Melanie Kuhl Mitte Juli um 4,5 Prozent gefallen sind, wird mittelfristig wieder mit einem Preisanstieg gerechnet. Der dürfte auch nachhaltig zertifizierten Kakao treffen. Die Fachleute der Commerzbank machen für den aktuellen Preisverfall eine sinkende Nachfrage in Europa verantwortlich, die im Kontext der Schulden- und Wirtschaftskrise zu sehen sei. Wie aus Branchenkreisen verlautet, dürfte es sich um eine vorübergehende Entwicklung handeln, da wegen des Wetterphänomens El Niño mit Ernteausfällen in Afrika zu rechnen sei, von wo 70 Prozent der Weltkakao-Produktion stammen. Allein im drittgrößten Anbauland Nigeria wird durch feuchtigkeitsbedingten Pilzbefall für die Ernte in diesem Jahr ein Produktionsrückgang von 30 Prozent gegenüber 2011 erwartet.

Da Konzerne wie Nestlé seit Jahren mit nachhaltigen Herstellungsverfahren offensiv werben - das Unternehmen hat dazu unter dem Namen „Nestlé Marktplatz“ eine eigene Internetseite eingerichtet -, zieht mittlerweile der Mittelstand nach. Der Hersteller Griesson-de Beukelaer (“Prinzenrolle“) in Polch bei Koblenz zum Beispiel hat kürzlich bekanntgegeben, sein Süßwarensortiment vollständig auf Kakao umzustellen, den wie bei Nestlé die Stiftung UTZ zertifiziert. Das können nicht alle.

Das Vorhaben wäre in diesem Umfang für den Großkonzern Nestlé nicht umsetzbar, da die Produktionsmengen am Markt gegenwärtig nicht gedeckt werden könnten, gibt Drewes zu bedenken. Auch kleinere Hersteller wie die älteste Schokoladenfabrik Deutschlands, der im sachsen-anhaltischen Halle beheimatete Hersteller Halloren, beschäftigen sich nach eigenen Angaben mit dem Thema Nachhaltigkeit. „Gespräche mit unseren Schokoladen- und Kakaolieferanten laufen auf Hochtouren“, teilte Sprecher Tino Müller auf Anfrage mit, ohne Einzelheiten zu nennen.

Quelle: F.A.Z.

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