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Nachfolger für Thomas Rabe : Bertelsmann sucht einen Kronprinzen

Thomas Rabe (Mitte) und die anderen Mitglieder des Vorstands (von links): Dohle, Hartmann, Schäferkordt und Berg Bild: dpa

Der Vorstandschef Thomas Rabe soll einen potentiellen Nachfolger für sich aufbauen. Die Eigentümerfamilie Mohn traut derzeit keinem der übrigen Vorstände die Führung des Medienkonzerns zu.

          Im Hause Bertelsmann gibt es ein Ritual. Einmal im Jahr schreibt jeder Vorstand einen Namen auf ein Blatt Papier und überreicht es dem Personalausschuss des Aufsichtsrats. Der Name ist die Antwort auf die Frage: „Wer soll mir nachfolgen, wenn mir morgen ein Ziegel auf den Kopf fällt?“ Es handelt sich um eine reine Vorsichtsmaßnahme. Der Gütersloher Medienkonzern, dem die Senderkette RTL, der Zeitschriftenverlag Gruner + Jahr, der Buchverlag Penguin Random House und der Dienstleister Arvato gehören, will nicht einmal für kurze Zeit kopflos dastehen, falls einem seiner Spitzenkräfte etwas zustößt.

          Johannes Ritter

          Korrespondent für Politik und Wirtschaft in der Schweiz.

          Auch der Vorstandsvorsitzende Thomas Rabe hat zu Beginn dieses Jahres den Namen seines potentiellen Nachfolgers eingereicht und über diesen mit dem Personalausschuss diskutiert. In diesem wichtigen Gremium sitzen Christoph Mohn (Vorsitz) und seine Mutter Liz Mohn sowie der frühere BMW-Chef Joachim Milberg und Karl-Ludwig Kley, der Vorstandsvorsitzende von Merck. Entscheidend sind die Stimmen der beiden Mohns, denn sie sind die maßgeblichen Erben des 2009 verstorbenen Firmenpatriarchen Reinhard Mohn. Die beiden sind direkt sowie indirekt – über ihren Einfluss auf die Bertelsmann-Stiftung, welche die Aktienmehrheit des Konzerns hält – an Bertelsmann beteiligt.

          Wichtige Personalfragen, allen voran die Bestellung von Vorständen, werden im Grunde allein im Personalausschuss vorbereitet und entschieden. Der gesamte Aufsichtsrat, dem gestandene Manager wie Kasper Rorsted (Henkel), Hans Dieter Pötsch (VW) und Bodo Uebber (Daimler) angehören, winkt die jeweilige Personalie hernach nur noch durch. So war es auch, als der damalige Finanzvorstand Thomas Rabe Anfang 2012 an die Spitze des Konzerns berufen wurde. Welchen Kollegen auch immer Rabe nun zuletzt als Notfallnachfolger benannt hat – der Personalausschuss des Aufsichtsrats erachtet diesen offenbar nicht als einen Kandidaten, der auch bei einem geordneten Übergang nach ganz oben rücken sollte.

          Ohrfeige für Markus Dohle

          Nach Informationen der F.A.Z. hat der Personalausschuss Rabe aufgefordert, einen potentiellen Nachfolger für sich aufzubauen. Mit anderen Worten: Im derzeitigen Vorstand sitzt aus Sicht der Mohns niemand, der sich als neue Nummer eins aufdrängte. Dies werten Beobachter vor allem als Ohrfeige für Markus Dohle. Der ebenso umtriebige wie ehrgeizige Manager ist innerhalb des Vorstands für das Buchgeschäft verantwortlich und galt, nicht zuletzt wegen seines angeblich guten Drahts zu Reinhard Mohns Witwe Liz Mohn, bisher als Kronprinz im Hause.

          Doch warum hat der Personalausschuss Rabe überhaupt einen Suchbefehl erteilt? Soll dessen Vertrag, der noch bis Ende 2016 läuft, etwa nicht verlängert werden? Erst im März hatte der 48 Jahre alte Rabe ausdrücklich betont, dass es zwischen ihm und dem Aufsichtsrat ein Maß an Konsens gebe, „das wir noch nie hatten“. Der Aufsichtsratsvorsitzende Christoph Mohn bescheinigte Rabe, herausragende Arbeit für das Unternehmen zu leisten. Tatsächlich kommen Mohn und Rabe bisher sehr gut miteinander klar. In den wesentlichen strategischen Fragen sind sie sich einig. Auch andere Aufsichtsräte halten Rabe für den richtigen Mann an der Spitze. Stünde schon heute eine Vertragsverlängerung an, sie würde wohl geräuschlos über die Bühne gehen. Doch über eine weitere Amtszeit wird in Gütersloh erst im Herbst 2015 zu sprechen sein. Vorher wird sich keine Seite festlegen – auch Rabe nicht.

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