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Kommentar : Lidl überwacht

Wenn Lidl sich ein neues Sicherheitskonzept zurechtlegt, sollte die Supermarktkette sich an die Schmach der letzten Überwachungsaffäre erinnern. Denn die ist keinesfalls vergessen.

          Ist der Ruf erst ruiniert, lebt es sich ganz schön kompliziert. Das bekommt Lidl immer wieder schmerzhaft zu spüren. Vor allem als Arbeitgeber war der Discounter früher mindestens so mies angesehen wie der gescheiterte Drogist Schlecker, und dann hatte der Billigheimer auch noch einen Bespitzelungsskandal: in zahlreichen Lidl-Filialen wurden Mitarbeiter von Detektiven und Kameras heimlich ausspioniert, und selbst als Kunde musste man fürchten, dass die Pin-Nummer der Scheckkarte gefilmt worden war.

          Das ist nun fast ein Jahrzehnt vorbei, aber es ist keineswegs vergessen. Lidl tut gut daran, sehr sensibel mit solchen Themen umzugehen, wenn jetzt in Sachen Überwachung wieder aufgerüstet wird. Während kaum ein anderer Händler einen öffentlichen Aufschrei befürchten muss, wenn er seine Läden mit Kameras ausstattet, muss Lidl erklären, was getan wird und warum.

          Es muss klar sein, dass der Datenschutz respektiert wird und die Überwachung wirklich nur dem Zweck dient, Kriminelle abzuschrecken und im Falle eines Falles einen Einbruch oder Überfall auch aufklären zu können. Höchstmögliche Transparenz ist geboten, damit nicht der Eindruck entsteht, es lebe die alte Spitzelkultur wieder auf. Das ist der Preis eines allzu schlampigen Umgangs mit solchen Themen in der Vergangenheit.

          Susanne Preuß

          Wirtschaftskorrespondentin in Stuttgart.

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