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Nach schlechtem Ergebnis Blessing verzichtet auf Bonus - und bekommt mehr Geld

Die heute vorgelegten Zahlen der Commerzbank zeigen noch einmal, wie schlecht es um die Bank steht. Um ein Zeichen zu setzen, verzichtet Konzernchef Blessing auf seinen Bonus. Doch in Wirklichkeit verdient er trotzdem deutlich mehr.

© Eilmes, Wolfgang Schwere Zeiten für Martin Blessing: Trotz Schrumpfkur hat er keine Hoffnung für eine schnelle Besserung bei der Commerzbank.

Die Commerzbank hat weiter mit großen Problemen im Privatkundengeschäft zu kämpfen. Der operative Gewinn in diesem Segment ging im vierten Quartal weiter zurück. Über das Jahr gesehen sei der operative Gewinn im Privatkundengeschäft um rund die Hälfte auf 245 Millionen Euro, gefallen, teilte die seit der Finanzkrise teilverstaatlichte Bank am Freitag in Frankfurt mit.

Die Bank hatte bereits Anfang Februar die Eckdaten für das vergangene Jahr veröffentlicht. Die nun vorgelegte ausführliche Bilanz des Frankfurter Instituts zeigt, dass es in nahezu allen Sparten Rückgänge zu vermelden gibt. Nur im Mittelstandsgeschäft läuft es noch rund. Die Mittelstandsbank soll für die Commerzbank deshalb künftig neben dem Privatkundengeschäft der Investitions-Schwerpunkt der nächsten vier Jahre sein. Für die Privatkunden will sich die Commerzbank künftig vor allem im Onlinebereich ins Zeug legen und mit verbesserten Websites und Apps punkten.

Die Bank dämpfte aber insgesamt die Hoffnung auf schnelle Besserung. „Wir haben 2012 die Voraussetzungen geschaffen, um die Bank neu auszurichten. Erste Maßnahmen greifen, aber klar ist: Der Weg ist lang“, erklärte der Vorstandsvorsitzende Martin Blessing am Freitag in Frankfurt. Die Neuausrichtung werde nicht nur Kraft, sondern auch „viel Zeit und Geld“ kosten. „Unser Ziel ist das Jahr 2016. Wir wollen keine Schnellschüsse, wir wollen die Bank wieder nachhaltig erfolgreich machen.“

Blessing verzichtet auf Bonus

Als Konsequenz aus dem schwachen Ergebnis verzichtet Blessing auf seinen Bonus für 2012. Er versucht damit der Kritik entgegenzuwirken, dass er sein Gehalt erhöht und gleichzeitig die Bank vor einem großen Stellenabbau steht. Für das vergangene Jahr bekommt Blessing dennoch zum ersten Mal seit der Fusion mit der Dresdner Bank wieder ein Millionengehalt; 1,3 Millionen Euro überweist ihm sein Arbeitgeber.

Ende Januar hatte Blessing die Streichung von weiteren 4000 bis 6000 Stellen angekündigt. Der Stellenabbau sei „leider notwendig“, verteidigte Blessing die Pläne während der Bilanzpressekonferenz. „Die Rahmenbedingungen sprechen eine klare Sprache.“

Die Commerzbank teilte weiter mit, sie brauche keine Finanzspritzen der Europäischen Zentralbank (EZB) mehr. Sie werde auch die restlichen rund sechs Milliarden Euro aus dem vor einem Jahr aufgelegten Langfrist-Tender Ende Februar und damit zum frühestmöglichen Zeitpunkt zurückgeben. Das Geld hatte sie für ihre Tochtergesellschaften in Italien und Spanien aufgenommen, um sich für ein Auseinanderbrechen der Euro-Zone zu wappnen. Bereits Ende Januar hatte sie zehn Milliarden Euro aus der ersten Finanzspritze der EZB zurückgegeben.

Gewinneinbruch im vergangenen Jahr

Die schwierige Lage der Bank ist nicht neu, sondern zeichnet sich schon lange ab: Umbaukosten und Steuer-Abschreibungen hatten den Gewinn der Commerzbank im vergangenen Jahr einbrechen lassen. Für 2013 ist keine Besserung in Sicht. Das Institut rechnet auch im laufenden Jahr mit großen Belastungen. Allein für den Stellenabbau erwartet die Bank im ersten Quartal Kosten in Höhe von einer halben Milliarde Euro. Gleichzeitig sieht die Commerzbank Druck auf die Erträge und eine leicht steigende Risikovorsorge. Konkretere Angaben zum Ausblick traut sich die Bank nicht zu.

Wegen außerordentlicher Belastungen von fast einer Milliarde Euro waren 2012 nur sechs Millionen Euro Gewinn übrig geblieben - im Vergleich zu 638 Millionen Euro im Vorjahr. Trotz des Gewinneinbruchs kann der Steuerzahler erstmals seit der Dresdner-Übernahme mit einer Zinszahlung für das geliehene Kapital rechnen, da die Bank auch nach HGB einen Gewinn erzielt.

Der nur kleine Jahresgewinn ist das Resultat eines schwachen Schlussquartals. Die Commerzbank hatte bereits Anfang Februar mitgeteilt, im vierten Quartal mit rund 720 Millionen Euro überraschend tief in die Verlustzone geraten zu sein. Millionenabschreibungen auf die ukrainische Tochter Bank Forum, die die Commerzbank mit einem Verlust verkauft hatte, sowie Verlustvorträge verhagelten der Bank den Jahresschluss.

Abspecken, wo immer es geht

Das Institut kann nicht mehr davon ausgehen, die gemachten Verluste mit zukünftigen Gewinnen zu verrechnen. Aus einem einfachen Grund: Es fällt viel weniger Gewinn ab als ursprünglich geplant, da die Commerzbank viele Geschäftsfelder nicht mehr betreibt. Die Einnahmen der ukrainischen Tochter etwa fallen ebenso weg wie die aus der Schiffsfinanzierung, das die Commerzbank eingestellt hat. Auch das Geschäft mit der Staatsfinanzierung wickelt die Bank ab. Entsprechend stieg die Risikovorsorge auf  knapp 1,7 Milliarden Euro im Vergleich zu 1,4 Milliarden Euro im Vorjahr. Auch 2013 wird die Risikovorsorge weiter steigen, wenn auch nur leicht.

Zudem wirft auch das laufende Geschäft nicht mehr so viel ab wie erhofft. Selbst das traditionell gut laufende Geschäft mit dem Mittelstand wird sich wegen der Konjunkturabschwächung voraussichtlich verlangsamen. Die Retailbank wird im Zuge des Umbaus 2013 voraussichtlich rote Zahlen schreiben. Nun läuft die Genesungskur der Commerzbank unter dem Motto: Abspecken, wo es nur geht.

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Quelle: DPA/Reuters/Dow Jones

 
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