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Nach Rolf Breuers Rückzug Weithin Lob für die Deutsche Bank

03.04.2006 ·  Das überraschende Revirement an der Spitze der Deutschen Bank ist in Finanzkreisen begrüßt worden. Für seinen Rückzug aus dem Aufsichtsrat erntete Rolf Breuer Respekt. Zudem gilt so die Position Josef Ackermanns als gestärkt.

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Das überraschende Revirement an der Führungsspitze der Deutschen Bank ist in Finanzkreisen weithin begrüßt worden. Mit seinem Rückzug vom Vorsitz des Aufsichtsrats habe Rolf Breuer die Bank etwas aus der Schußlinie des früheren Medienunternehmers Leo Kirch genommen, hieß es. Begrüßt wurden auch die Nominierung von Clemens Börsig als künftigen Aufsichtsratsvorsitzenden sowie die Berufung der beiden Manager Anthony Di Iorio und Hugo Bänziger in den Vorstand der Deutschen Bank.

Verschiedentlich wurde spekuliert, daß diese Personalentscheidungen die Position des Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Bank Josef Ackermann stärken dürften. An der Börse ist die Aktie der Deutschen Bank am Montag im Einklang mit dem Gesamtmarkt leicht gestiegen und lag zu Börsenschluß mit 95,10 Euro nahe an ihrem mehrjährigen Höchststand von 96,19 Euro.

„Die Entscheidung Breuers ist gut“

Wie berichtet, hatte Breuer am Sonntag angekündigt, sein Amt zum Ablauf des 3. Mai niederzulegen. Breuer wird damit die Hauptversammlung am 1. Juni nicht mehr leiten - und entzieht sich damit den Attacken von Kirch. Schon im vergangenen Jahr hatten die Anwälte Kirchs versucht, Breuer als Versammlungsleiter abzuberufen. Nach dem für ihn zumindest zum Teil günstigen Urteil wäre in diesem Jahr mit verstärkten Bemühungen Kirchs in diese Richtung zu rechnen gewesen. Dieser Streit hätte die gesamte Hauptversammlung prägen können.

Vor diesem Hintergrund kommentierte Reinhild Keitel von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK), Breuer habe der Deutschen Bank mit seinem Rücktritt einen Gefallen getan. „Die Entscheidung Breuers ist gut und verdient auch einen gewissen Respekt.“ Jürgen Kurz von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz sprach von einer „konsequenten Entscheidung“, die allerdings etwas spät gekommen sei.

Bank weist Spekulationen zurück

Von seiten der Bank wurden am Montag Spekulationen zurückgewiesen, daß Breuer mit seinem Rücktritt einem Vergleich zwischen Kirch und der Bank den Weg geebnet habe. Davon könne keine Rede sein, sagte ein Sprecher. Der Bundesgerichtshof hatte in seinem Urteil vom Januar angeregt, die beiden Parteien sollten einen Vergleich suchen. In Reaktion auf Breuers Ankündigung hat der Aufsichtsrat der Deutschen Bank beschlossen, daß Finanzchef Börsig in den Aufsichtsrat wechseln und dort den Vorsitz übernehmen soll. Die Bestellung Börsigs als Mitglied des Vorstands wurde deshalb mit Wirkung zum Ablauf des 3. Mai aufgelöst.

Der „Fahrplan“ der Bank dürfte somit vermutlich vorsehen, daß Börsig noch vor der Hauptversammlung am 1. Juni von einem Gericht zu einem Mitglied des Aufsichtsrats bestellt wird. Der Aufsichtsrat könnte ihn dann zu seinem Vorsitzenden wählen. Börsig könnte somit die Hauptversammlung leiten und von ihr im Amt bestätigt werden. Sollte das Gericht Börsig nicht rechtzeitig zum Aufsichtsrat bestellen, müßte - zumindest zunächst - ein anderes Mitglied der Kapitalsvertreter im Aufsichtsrat die Hauptversammlung leiten. Börsigs Vorstandsvertrag war erst im vergangenen Jahr bis zum Jahre 2010 verlängert worden. Ein Sprecher der Bank wollte sich nicht zu der Frage äußern, ob der Vertrag nun ausbezahlt werde.

Respektiert, aber nicht sehr gut harmoniert

Der Aufsichtsrat hat ferner beschlossen, als Nachfolger von Börsig zwei neue Mitglieder in den Vorstand zu berufen. Die Bank entspricht damit einem Wunsch der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin), die bereits seit längerem angemahnt hatte, Börsigs Aufgaben auf zwei Vorstandsmitglieder aufzuteilen. Neuer Finanzchef wird von 4. Mai an der Amerikaner Anthony Di Iorio, die Zuständigkeit für das Risikomanagement geht an den Schweizer Hugo Bänziger, der als ein Vertrauter von Ackermann gilt.

Mehrere Analysten äußerten die Einschätzung, daß die geplante Berufung von Börsig zum Aufsichtsratschef die Position Ackermanns innerhalb der Bank stärken werde. Denn Breuer und Ackermann hätten sich zwar gegenseitig respektiert, aber nicht sehr gut harmoniert. Beispielsweise habe Ackermann als Vertreter der Investmentbanker seinerzeit dazu beigetragen, daß Breuers Plan einer Fusion der Deutschen Bank mit der Dresdner Bank gescheitert sei.

Fehlen an bankfachlichem Sachverstand?

Andere Stimmen meinten allerdings, der mit den juristischen Querelen begründete Rückzug Breuers aus dem Spitzenamt könne Ackermann - der demnächst wegen der Mannesmann-Affäre selbst vor Gericht steht - unter Druck bringen, sich seinerseits zurückzuziehen, um Schaden von der Bank abzuwenden. Auch Keitel von der SdK kritisierte die geplante Berufung von Börsig zum Aufsichtsratschef. Sie frage sich, warum man nicht beherzt versucht habe, eine externe Lösung zu finden.

Diese Kritik vorwegnehmend, hat der Aufsichtsrat die Berufung Börsigs damit begründet, daß diese Aufgabe nur von jemandem wahrgenommen werden könne, der mit den komplexen Verhältnissen eines global tätigen Kreditinstituts aufgrund eigener Leitungstätigkeit vertraut sei. In Frankfurter Finanzkreisen wird diese Einschätzung weithin geteilt. Im Aufsichtsrat der Deutschen Bank fehle es auf der Kapitalseite ohnehin an bankfachlichem Sachverstand, war dazu zu hören.

Quelle: bf. / F.A.Z., 04.04.2006, Nr. 80 / Seite 14
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