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Nach Rekordstrafe für Banken : Aufseher wittern viele weitere Finanzskandale

Den Kreditinstituten drohen hohe Strafen: Blick auf die Bankentürme der Frankfurter Skyline Bild: REUTERS

Die Strafen für Banken fallen immer höher aus. Ein Ende ist nicht in Sicht: Finanzkontrolleure vermuten weitere Tricksereien. Trotz der negativen Nachrichten wächst die Zahl der Boni-Millionäre in den Kreditinstituten unbeirrt.

          Immer mehr Banken bekommen Rekordstrafen aufgebrummt, aber die Aufseher sind mit der Aufarbeitung der Finanzskandale noch lange nicht am Ende. Gerade erst haben Untersuchungen begonnen, ob und wie Banken am Goldmarkt die Preise manipuliert haben. Schließlich sind nur fünf Geldhäuser daran beteiligt, wenn jeden Nachmittag in London der Goldpreis festgestellt wird. Auch der Silbermarkt gilt als sehr anfällig für Preisabsprachen. Selbst auf dem liquiden Devisenmarkt, wo täglich Währungen für 5 Billionen Dollar umgesetzt werden, sollen Banken an den Kursen getrickst haben. Der Vorwurf dahinter: Kennen Banken künftige Preise, können sie gut verdienen, indem sie Wetten darauf abschließen.

          Hanno Mußler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die Strafen, mit denen Banken für Fehlverhalten büßen müssen, werden immer höher. Das amerikanische Justizministerium hat wegen unlauterer Hypothekengeschäfte gegen die amerikanische JP Morgan eine Rekordbuße von 13 Milliarden Dollar verhängt. Zudem hagelt es häufig Strafen wegen Verstößen gegen Geldwäschebestimmungen. So musste die asiatisch-britische HSBC 1,9 Milliarden Dollar zahlen, weil sie Geld mexikanischer Drogenbosse gewaschen haben soll. Auch für Verfehlungen am Zinsmarkt hat es schon Strafen gegeben, bevor die EU-Kommission am Mittwoch mit 1,7 Milliarden Euro die höchste jemals von ihr verhängte Kartellstrafe gegen sechs Banken ausgesprochen hat.

          Weitere Strafen im Libor-Skandal wahrscheinlich

          Weil sie zugegeben haben, dass Mitarbeiter sich bei der Festlegung der europäischen und japanischen Referenzzinssätze Euribor und Tibor abgesprochen haben, zahlen die Deutsche Bank 725 Millionen Euro, die französische Société Générale 446 Millionen, die britische Royal Bank of Scotland 391 Millionen und die amerikanischen Banken Citigroup und JP Morgan 80 und 70 Millionen Euro. Weil sie einen noch wichtigeren Referenzzins, den britischen Libor, manipuliert haben, sind schon Strafen von umgerechnet rund 2,5 Milliarden Euro verhängt worden: gegen die Schweizer Bank UBS 1140 Millionen Euro, gegen die niederländische Rabobank 780 Millionen sowie gegen die britischen Royal Bank of Scotland 370 Millionen und Barclays 230 Millionen Euro.

          Aufseher wittern Tricksereien auch mit dem für Tauschgeschäfte (Swaps) maßgeblichen Derivatezins Isdafix. Nahezu alle Vorwürfe wegen Preismanipulationen richten sich gegen einen Kern von fünf bis zehn internationale Großbanken, zu dem oft die Deutsche Bank gehört. Die größte Strafe droht ihr wegen amerikanischen Hypothekengeschäften – zumindest lässt dies die Rekordstrafe von 13 Milliarden Dollar für JP Morgan erwarten. Zudem sind weitere Strafen im Libor-Skandal wahrscheinlich. Derzeit ist die Aufsicht zu einer Sonderprüfung in der Deutschen Bank. Insgesamt hat die Bank für Rechtsrisiken, darunter auch der Prozess mit den Erben von Leo Kirch, mit 4 Milliarden Euro vorgesorgt. Es ist zweifelhaft, ob dies ausreicht, auch wenn dies für die am Mittwoch verhängte Strafe der EU „weitestgehend“ der Fall ist.

          Auch können amerikanische Banken die Rekordstrafen der Aufseher derzeit besser verkraften. So verdiente JP Morgan allein im zweiten Quartal 2013 rund 4,8 Milliarden Dollar. Die europäischen Banken geraten gegenüber ihren amerikanischen Rivalen, gemessen an den Gewinnen, ins Hintertreffen. Dennoch zahlen sie hohe Boni. Nach Angaben der Bankenaufsicht ist die Zahl der Einkommensmillionäre in den europäischen Kreditinstituten im vergangenen Jahr um 11 Prozent auf 3529 Banker gestiegen.

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