05.06.2008 · Nach der Ankündigung des Discounters Lidl, den Milchpreis um 10 Cent zu erhöhen, kommt immer mehr Bewegung in den Milch-Streit. Immer mehr Lebensmittelhändler signalisieren ein Einlenken. Sogar Aldi Süd ist nun zu neuen Verhandlungen bereit.
Nach der Ankündigung des Discounters Lidl, den Milchpreis um 10 Cent zu erhöhen, kommt immer mehr Bewegung in den Streit über die Erhöhung der Milchpreise. Auch Aldi Süd hat sich nun zu neuen Verhandlungen über die Milchpreise bereit erklärt. Die Unternehmensgruppe wolle auf die Forderungen der Milchbauern und deren Verbände nach kurzfristigen Neuverhandlungen eingehen, teilte Aldi Süd am Donnerstag mit. Dabei orientiere sich der Konzern an den aktuell im Markt diskutierten Erzeugerpreisen. „Wir sind sicher, dass diese Verhandlungen mit den Aldi Süd Vertragspartnern, den Molkereien, in gewohnt offener und konstruktiver Weise stattfinden werden“, erklärte der Konzern.
Der Discounter Lidl hatte am Mittwoch angekündigt, den Verkaufspreis je Liter um 10 Cent und für Butter je 250-Gramm-Päckchen um 20 Cent erhöhen. Gültig werden soll die Preiserhöhung ab kommenden Montag. Auch Rewe erwägt, die Preise anzuheben. Die Bauern erhalten derzeit nach eigenen Angaben maximal 35 Cent je Liter Milch von den Molkereien und fordern 43 Cent. Neben dem Discounter Lidl hatte am Mittwoch auch eine erste Molkerei angekündigt, den Preis, den sie den Landwirten zahlt, auf 43 Cent pro Liter Milch anzuheben.
Edeka und Tengelmann grundsätzlich gesprächsbereit
Die Handelskonzerne Edeka und Tengelmann sagten am Donnerstag, sie wollten den Markt zunächst beobachten. „Wir sind grundsätzlich gesprächsbereit“, sagte ein Sprecher des größten deutschen Lebensmittelhändlers Edeka am Donnerstag in Hamburg.
Im Streit um höhere Milchpreise hat der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter seine Mitglieder aufgefordert, sich nicht länger an Totalblockaden von Molkereien zu beteiligen. Der Lieferboykott jedoch solle fortgesetzt werden, um einen Literpreis von 43 Cent zu erreichen.
Entsprechend äußerte sich Tengelmann. „Wenn der Markt es hergibt, ziehen wir nach“, sagte eine Sprecherin der Tengelmann- Supermarktkette Kaisers in Mülheim. Auch eine Sprecherin der Discount-Tochter Plus zeigte sich bereit für weitere Gespräche: „Wir gehen davon aus, dass wir uns entsprechend des aktuellen Marktgeschehens verhalten werden.“
Bundesweiter Aktionstag
Um ihre Forderungen zu unterstreichen, veranstalten die Milchbauern am heutigen Donnerstag einen bundesweiten Aktionstag. Damit wollen sie parallele Gespräche des Bundesverbandes Deutscher Milchviehhalter (BDM) mit dem Milchindustrieverband (MIV) unterstützen. Der Deutsche Bauernverband (DBV) rief alle Milchbauern zur Teilnahme an dem „nationalen Milch-Aktionstag“ auf. Neben einer Kundgebung vor dem Brandenburger Tor in Berlin sollen Demonstrationen vor den Zentralen des Lebensmitteleinzelhandels ausgeweitet werden.
Die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) warf dem Bauernverband deswegen „doppeltes Spiel“ vor. Statt vor die Zentralen der Handelsketten zu ziehen, müsse man der Molkereiindustrie „Beine machen“, sagte der AbL-Vorsitzende Friedrich Wilhelm Graefe zu Baringdorf.
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