http://www.faz.net/-gqe-9d3al

Defekte Abgasrückführung : BMW ruft in Europa rund 324.000 Fahrzeuge zurück

BMW muss Hunderttausende Dieselautos zurückrufen. Bild: Reuters

In Korea setzte eine defekte Abgasrückführung schon mehr als 30 Dieselautos von BMW in Brand. Jetzt gibt es auch in Europa eine Rückrufaktion – in Deutschland sind fast 100.000 Fahrzeuge betroffen.

          Der Autohersteller BMW wird in Europa 323.700 und in Deutschland 96.300 Dieselfahrzeuge in die Werkstätten zurückbeordern, um ein möglicherweise defektes Abgasrückführungsmodul zu prüfen und auszutauschen. Damit weitet sich ein Rückruf in Südkorea auf den Heimatmarkt des Konzerns aus. Wegen des Defekts sind in Südkorea in diesem Jahr nach Angaben der Regierung schon in mehr als 30 Fällen Motoren in Brand geraten und die Autos in Flammen aufgegangen. Das Unternehmen registriert diese Brandfälle in Korea seit 2016. Über die Zahl der Fälle in Europa macht BMW keine Angaben.

          Patrick Welter

          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Henning Peitsmeier

          Wirtschaftskorrespondent in München.

          In Südkorea hat der Autohersteller freiwillig rund 106.000 Diesel-Fahrzeuge in die Werkstatt beordert. In Europa werde der Vorgang in Kürze beginnen, bestätigte ein Sprecher der BMW-Gruppe der F.A.Z. In den kommenden Tagen würden die Händler informiert, die die betroffenen Kunden anschreiben sollen. Die in Korea verkauften Diesel-Fahrzeuge sind nach BMW-Angaben baugleich mit den in Europa verkauften Modellen. Die Kosten der Rückrufe für das Unternehmen seien noch unklar, sagte der Sprecher. Er schätzte die Aufwendungen für den Austausch des Moduls auf einen „niedrigen dreistelligen“ Eurobetrag. Setzt man 500 Euro an, kostete der Rückruf in Europa BMW rund 160 Millionen Euro.

          Pressesprecher entschuldigte sich mit einer Verbeugung

          In Südkorea erreicht der Rückruf beachtliche Dimensionen. Betroffen sind 42 Diesel-Modelle, die zwischen März 2011 und November 2016 gebaut wurden und fast alle Modelle mit 4-Zylinder-Dieselmotor, sagte eine Sprecherin von BMW Korea. Mit 106.000 Fahrzeugen ist die Zahl absolut gesehen zwar recht niedrig. Doch betrifft der Rückruf rund die Hälfte aller BMW-Fahrzeuge, die der Autohersteller in dem Zeitraum in Südkorea verkaufte. Im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit steht eine ältere Version des Modells 520d. In rund der Hälfte der Brandfälle in Südkorea in diesem Jahr ging ein Exemplar dieses Modells in Flammen auf.

          BMW trifft in Südkorea auf eine Öffentlichkeit, die in Fällen des Produktversagens sensibel reagiert. Erste Kunden haben Entschädigungsklagen eingereicht. Transportministerin Kim Hyun-mee lässt den Vorfall untersuchen und auch, ob BMW den Rückruf verzögert habe. Sie rief die Besitzer auf, ihre Fahrzeuge möglichst stehen zu lassen, bis sie untersucht seien. BMW ergriff beherzt Gegenmaßnahmen, um den Rufschaden zu minimieren.

          Am Wochenbeginn entschuldigte sich der lokale Chef des Unternehmens in einer Pressekonferenz wie in Korea üblich mit einer Verbeugung für die Vorfälle und versprach schnelle Abhilfe. Derzeit bietet BMW den Kunden Sicherheitsprüfungen an. Werden Defekte gefunden, werde sofort repariert, sagte die Sprecherin. Vom 20. August an werde in allen zurückgerufenen Autos das Abgasrückführungsmodul gegen eine modifizierte Version ausgetauscht. BMW bietet den koreanischen Kunden für die Zeit der Untersuchung und Reparatur kostenlose Leihfahrzeuge an. Bisher hätten 2000 Kunden davon Gebrauch gemacht. Der Autohersteller weist den Vorwurf zurück, er habe den Rückruf verschleppt. Erst im Juni habe man nach langer Untersuchung die Ursache der Brände gefunden, erklärte die Sprecherin.

          Mit harten Bandagen gegen gegen Fehlverhalten ausländischer Konzerne

          Nach Darstellung des Unternehmens gründen die Feuer in einer Leckage von Kühlflüssigkeit im Abgasrückführungssystem. Zu heiße Gase könnten dann dazu führen, dass sich Schmutz- und Ölrückstände entzündeten. Mit der Abgasrückführung reduziert BMW den Ausstoß von Stickoxiden von Dieselmotoren. Die Sprecherin nannte diesen Defekt den Hauptgrund für die Brandvorfälle.

          Unklar ist, warum der mögliche Defekt ausgerechnet in Südkorea seit 2016 zu einer Serie von Fahrzeugbränden führte. BMW weist Spekulationen, dass es sich um ein spezifisches südkoreanisches Problem vielleicht der Softwaresteuerung handele, zurück. „Die Ursache ist ein Hardware-Problem, es hat nichts mit der Software zu tun“, sagte der für Qualitätsmanagement zuständige Vizechef der BMW-Gruppe, Johann Ebenbichler, in Seoul nach südkoreanischen Medienberichten. Weltweit gebe es eine ähnlich hohe Zahl an Defekten des Abgasrückführungsmoduls, erklärte die Sprecherin. Von 2011 bis 2016 lag die Fehlerquote in Korea bei 0,1 Prozent, global bei 0,12 Prozent. Die Zahl der Brände ist kleiner als die Zahl der Defekte.

          BMW ist in Südkorea nach Mercedes die erfolgreichste Auto-Importmarke. Im vergangen Jahr verkaufte der Konzern dort fast 60.000 Fahrzeuge. Das Modell 520d war 2017 mit 9688 Stück das am besten verkaufte Importfahrzeug Koreas. Der koreanische Markt ist relativ klein, hat sich in den vergangenen Jahren aber aus Sicht deutscher Hersteller im Gefolge des Freihandelsabkommens zwischen Korea und der Europäischen Union gut entwickelt. BMW etwa verdoppelte seinen Absatz seit 2011 in Korea. Koreanische Hersteller verloren dagegen Marktanteile. Die Regierung geht gegen Fehlverhalten ausländischer Unternehmen mit harten Bandagen vor. Volkswagen Audi Korea wurde nach dem Dieselskandal und Verstößen gegen das Zulassungsrecht 2016 die Zulassung für fast alle Modelle entzogen.

          Weitere Themen

          China eröffnet 55-Kilometer-Brücke Video-Seite öffnen

          Megaverkehrsprojekt : China eröffnet 55-Kilometer-Brücke

          Der chinesische Staatspräsident Xi Jinping hat am Dienstag die Hongkong-Zhuhai-Macau-Brücke freigeggeben. Das Bauwerk mit einer Gesamtlänge von etwa 55 Kilometern verbindet drei Wirtschaftsregionen im Süden Chinas: Die Finanzmetropole Hongkong, die Sonderwirtschaftszone Zhuhai und die ehemalige portugiesische Kolonie Macau.

          Topmeldungen

          Landtagswahl in Hessen : „Der Abgesang auf Union und SPD ist zu früh“

          Die Landtagswahl in Hessen hat enorme Tragweite, sagt Politikwissenschaftler Frank Decker. Im FAZ-NET-Interview erklärt er, in welchem Fall Deutschland auf Neuwahlen zusteuert und was das Wahlergebnis für Merkel bedeutet.

          2:0 bei AEK Athen : Den Bayern reicht ein Doppelschlag

          Lange Zeit fehlt dem Spiel der Münchner in der Champions League die Präzision im hitzigen Olympiastadion von Athen. Dann aber trifft ein Bayern-Spieler artistisch – und ein anderer legt sofort nach.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.