Home
http://www.faz.net/-gqe-76zv3
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER
Risikoabsicherung

Nach Fernsehreportage Von der Leyen will Arbeitsbedingungen bei Amazon prüfen lassen

Nach der Fernsehreportage über Leiharbeit beim Online-Händler Amazon hat Arbeitsministerin von der Leyen Aufklärung über die Arbeitsbedingungen gefordert. Der Zeitarbeitsfirma droht die Arbeitsministerin mit Lizenzentzug.

© dapd Vergrößern Die Arbeitsbedingungen bei Amazon sorgen weiter für Empörung

Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) hat Aufklärung über die Arbeitsbedingungen von Saisonarbeitern beim Internet-Versandhändler Amazon gefordert. „Der Verdacht wiegt schwer, deswegen müssen jetzt so schnell wie möglich alle Fakten auf den Tisch“, sagte die Ministerin der „Welt am Sonntag“. In einer ARD-Dokumentation waren die Lebens- und Arbeitsbedingungen von Leiharbeitern am hessischen Amazon-Standort Bad Hersfeld gezeigt worden. Von der Leyen warnte die Leiharbeitsfirma, die mit Amazon zusammenarbeitet, vor einem Lizenzentzug: „Sollte die Sonderprüfung ergeben, dass an den Vorwürfen gegen die Leiharbeitsfirma etwas dran ist, dann steht die Lizenz auf dem Spiel.“

Auch Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) forderte nach Angaben der Staatskanzlei in Wiesbaden Aufklärung. Die Landesregierung sei für den Fall nicht zuständig, werde aber die Arbeit der zuständigen Bundesagentur verfolgen. Die hessische Opposition wollte Bouffiers Aufruf nicht geltenlassen. SPD-Landeschef Thorsten Schäfer-Gümbel warf ihm vor, sich aus der Verantwortung zu stehlen. Der Arbeitsschutz sei bei den Regierungspräsidien angesiedelt und falle damit sehr wohl in die Zuständigkeit des Landes, sagte er einer Mitteilung zufolge. In der „Welt am Sonntag“ kritisierte auch der wirtschaftspolitische Sprecher der Grünen im hessischen Landtag, Kai Klose, dass sich die Landesregierung sich für nicht zuständig erkläre. Sie müsse jetzt bei der Bundesagentur für Arbeit Überprüfungen anstoßen.

Der private Sicherheitsdienst Hensel European Security Services, der die zumeist ausländischen Mitarbeiter dem Bericht zufolge schikaniert haben soll, wehrte sich in einer Pressemitteilung gegen die Vorwürfe: „Den Vorwurf, unser Unternehmen pflege rechtsradikale Ansichten oder unterstütze diese, weisen wir zurück.“ Der Amazon-Subunternehmer bestätigte, Zimmerdurchsuchungen durchgeführt zu haben. Die Durchsuchungen seien zur „Dokumentation etwaiger Beschädigungen oder abhandengekommener Sachen“ im Einvernehmen mit dem Hotelbetreiber erfolgt und nicht rechtswidrig. Es gehöre zum Auftrag des Sicherheitsdienstes, „Hoteleigentum der unterbringenden Gastwirte vor Diebstahl und Beschädigung zu schützen.“

Mehr zum Thema

Der ARD-Film hatte unter anderem gezeigt, wie Mitarbeiter einer Sicherheitsfirma die Leiharbeiter und das Film-Team bedrängten und Zimmer durchsuchten. Die Gewerkschaft Verdi wirft dem Konzern schon seit längerem vor, gerade Saisonkräfte schlecht zu bezahlen und etwa mit strengen Kontrollen und Überwachung zu gängeln. Amazon hatte angekündigt, die Vorwürfe zu prüfen. Am Wochenende war bei dem Unternehmen niemand für eine ergänzende Stellungnahme zu erreichen.

Quelle: dpa

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Wegen Ukraine-Krise Deutsche Panzerhaubitzen für Litauen

Wegen der Ukraine-Krise rüsten die Länder im Baltikum massiv auf. Verteidigungsministerin von der Leyen verspricht Litauen nun die Lieferung von Panzerhaubitzen. Auch Transportpanzer will der Nachbar Russlands haben. Mehr

15.04.2015, 11:22 Uhr | Politik
Bad Hersfeld Gewerkschaft Verdi: Druck auf Amazon erhöhen

Beim Versandhändler Amazon beginnt eine neue Streikrunde. Mehr

08.12.2014, 20:32 Uhr | Wirtschaft
Expertenbericht G36 hat nun auch offiziell große Schwächen

Das Sturmgewehr G36 reagiert bei Hitze empfindlich und mit mangelnder Treffsicherheit – das sagt der Expertenbericht des Verteidigungsministeriums. Der Standardwaffe der Bundeswehr wird darin ein schlechtes Zeugnis ausgestellt. Mehr

17.04.2015, 22:13 Uhr | Politik
Amazon Mitarbeiter streiken erneut

Die Gewerkschaft Verdi hat Beschäftigte der fünf Amazon-Versandzentren Bad Hersfeld, Leipzig, Graben, Rheinberg und Werne zu einem dreitägigen Ausstand aufgerufen. Mehr

19.12.2014, 12:16 Uhr | Wirtschaft
Guter Arbeitsmarkt Bundesagentur für Arbeit streicht 17.000 Stellen

In Deutschland sind immer weniger Menschen arbeitslos. Darauf reagiert bald auch die Arbeitsagentur. Mehr

07.04.2015, 08:56 Uhr | Wirtschaft
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 17.02.2013, 14:30 Uhr

Die Erzriesen zeigen Zähne

Von Christoph Hein, Singapur

Chinas Nachfrage nach Erz sinkt – und der Preis fällt. Die wirtschaftlichen Folgen zeigen sich an vielen Stellen: die niedrigen Stahlpreise werden einige australische Unternehmen in die Knie zwingen. Mehr


Die Börse
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --
Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden

Grafik des Tages Bürger sparen trotz Niedrigzinsen

Die Zinsen sind auf Rekordtief. Doch die Menschen bringen ihr Geld trotzdem lieber aufs Sparbuch, statt es auszugeben – etwa für eine Immobilie. Mehr