24.11.2008 · Seit er sich an der Börse kräftig verspekuliert hat, steckt der Unternehmer Adolf Merckle tief in der Krise. Jetzt hat er sich zum ersten Mal offiziell über einen möglichen Verkauf des Generikaherstellers Ratiopharm geäußert. Die Banken drängen offenbar „massiv auf einen Verkauf“.
Von Michael RothDer in finanziellen Nöten steckende Unternehmer Adolf Merckle hat sich zum ersten Mal offiziell über einen möglichen Verkauf des Generikaherstellers Ratiopharm geäußert. Über seinen Sohn Ludwig, der Geschäftsführer der Ratiopharm-Muttergesellschaft VEM ist, lässt Merckle ausrichten, dass zur Reduzierung der Verbindlichkeiten alle Optionen geprüft werden. Das schließe auch den Verkauf von Unternehmen ein; „dazu zählt auch Ratiopharm“, wird Ludwig Merckle in einer Mitteilung von VEM zitiert. Bei einer Betriebsversammlung von Ratiopharm in Ulm sagte Ludwig Merckle, dass die Banken in den laufenden Verhandlungen „massiv auf einen Verkauf der Ratiopharm oder anderer Beteiligungen drängen“.
Merckle senior hat sich mit kreditfinanzierten Kapitalerhöhungen bei Heidelberg-Cement sowie Geschäften mit VW-Aktien und anderen Dax-Papieren verspekuliert. Mehr als eine Milliarde Euro soll er verloren haben, wird in Bankenkreisen gemunkelt. Mit den rund 40 beteiligten Banken hat er am vergangenen Donnerstag ein Stillhalteabkommen für die nächsten 14 Tage geschlossen. Dass Merckle ohne einen Verkauf von Ratiopharm zurechtkommt, war für Kenner der Materie schon vor geraumer Zeit sehr unwahrscheinlich.
Bei Ratiopharm werden Stellen abgebaut
Für Ratiopharm kündigte Geschäftsführer Oliver Windholz vor den mehr als 1000 Beschäftigten in der Betriebsversammlung eine Restrukturierung mit Stellenabbau an. Über den Umfang könne er momentan noch nichts sagen. Ursache seien die massiven Eingriffe der Gesundheitspolitik, die zu einer deutlichen Verschärfung der Wettbewerbssituation geführt hätten und die die Geschäftsmodelle der Pharmabranche bedrohten.
In Deutschland beschäftigt Ratiopharm 2850 Mitarbeiter. Ende November wird Ratiopharm die Sparkonten der Mitarbeiter auflösen. Die Einlagen, es soll sich um einen zweistelligen Millionenbetrag handeln, werden nächste Woche mitsamt Zinsen an die Mitarbeiter ausgezahlt.
Unterdessen hat die Ratingagentur Standard & Poor’s das Kreditrating von Heidelberg-Cement, der größten Beteiligung Merckles, auf die Note BB minus heruntergestuft. Das bedeutet, dass Zins- und Tilgungszahlungen bei negativen Entwicklungen gefährdet sind. Mit Sorge blickt die Agentur auf die anstehende Refinanzierung im Juni 2009.
Wo bleiben die ehrbaren Bürger Baden-Württembergs?
Helmers Helmers (margithelmut)
- 26.11.2008, 02:01 Uhr
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