Home
http://www.faz.net/-gqi-758ft
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER
easyfolio

Nach Ermittlungen Unister-Geschäftsführer: Vorwürfe unbegründet

Das Internetunternehmen Unister soll auf seinen Portalen rechtswidrig Versicherungen verkauft haben. Gegenüber der F.A.Z. äußert sich Geschäftsführer Thomas Wagner erstmals nach der Aufnahme der Ermittlungen. 

© dpa Vergrößern Unister-Gründer Thomas Wagner

Am Dienstag vor einer Woche durchsuchten Ermittler der Generalstaatsanwaltschaft Dresden Geschäftsräume des Internetunternehmens Unister, das Portale wie fluege.de und ab-in-den-urlaub.de betreibt. Unister soll auf den Portalen rechtswidrig ein Versicherungsgeschäft betrieben haben, indem das Unternehmen seinen Kunden ohne entsprechende Erlaubnis ein Produkt zur Absicherung gegen Stornogebühren angeboten hat. Dabei soll Unister Steuern in Höhe von einer Million Euro hinterzogen haben. Im Zuge der Ermittlungen vollstreckten die Ermittler Haftbefehle gegen drei Manager des Unternehmens.

Martin Gropp Folgen:      

Gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung äußert sich nun der Unister-Gründer und -Geschäftsführer Thomas Wagner erstmals ausführlich zu den Ermittlungen. Wegen der laufenden Ermittlungen wurde das Gespräch mit dem 34 Jahre alten Wagner auf dessen Wunsch hin schriftlich geführt. 

Der Beginn der Ermittlungen liegt nun fast zwei Wochen zurück. Warum haben Sie als Geschäftsführer der Unister Holding GmbH so lange geschwiegen?

Ich habe innerhalb von nur einer Woche zu den Vorwürfen umfangreich Stellung genommen. Schneller geht es nicht.

Nach der Aufnahme der Ermittlungen hat die Unister Holding angekündigt, die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft wegen des angeblichen unerlaubten Versicherungsgeschäfts ernst zu  nehmen und prüfen zu wollen. Wie bewerten Sie die Vorwürfe heute?

Unsere Anwälte, Steuerberater und Wirtschaftsprüfer sind mitten in der Prüfung. Grundsätzlich sind wir über das gesamte Vorgehen der sächsischen Behörden verwundert. Wir haben einen Bescheid aus dem Jahr 2002 des damaligen Bundesaufsichtsamtes für Versicherungswesen, aus dem nach umfangreicher Prüfung hervorgeht, dass der Stornoschutz kein genehmigungspflichtiges Versicherungsgeschäft sei und demnach auch keine Versicherungssteuer zu bezahlen sei. Daraufhin wurde dieser Stornoschutz auf unserem Portal zehn Jahre lang bis zum Tag der Razzia  zu Reisebuchungen angeboten. Eine Anhörung zu einer Untersagungsverfügung erhielten wir erst an diesem Tag. Deshalb können wir das drastische Vorgehen der Behörden in Sachsen, insbesondere der Antikorruptionseinheit „Integrierte Ermittlungseinheit Sachsen (INES)“ absolut nicht nachvollziehen. Ich halte die Vorwürfe für  unbegründet.

Mehr zum Thema

In Ihren Pressemitteilungen haben Sie ebenfalls mitgeteilt, dass Sie das Vorgehen der Staatsanwaltschaft als unverhältnismäßig ansehen. Warum empfinden Sie das so?

Es handelt sich bei der Frage, ob das von Unister einst angebotene Produkt um eine Versicherung handelt oder nicht, um eine Rechtsfrage, die selbst von den zuständigen Aufsichtsbehörden unterschiedlich beantwortet wurde. Insofern kann ich nicht nachvollziehen, warum man diese Rechtsfrage nicht zunächst von den zuständigen Verwaltungsgerichten beantworten lässt, bevor man hier im Land Sachsen ein Unternehmen mit 1.900 Mitarbeitern und seinen Geschäftsführer und Gründer öffentlich der Steuerhinterziehung beschuldigt und obendrein nicht vorbestrafte Manager tagelang in der Justizvollzuganstalt Dresden in Untersuchungshaft nimmt.

Nach Angaben der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) steht die Behörde schon seit 2011 wegen der umstrittenen Produkte mit Unister in Kontakt. Warum haben Sie die Produkte nicht schon früher aus dem Angebot genommen?

1 | 2 | 3 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Lebkuchen-Unternehmer Bühlbecker Wir nehmen Weihnachten nicht vorweg

Ein Drittel der Deutschen will ein Verbot von Weihnachtsgebäck im September. Hermann Bühlbecker, Inhaber von Lambertz, sieht dafür keinen Grund. Nikoläuse das ganze Jahr über soll es aber nicht geben. Mehr

25.09.2014, 13:19 Uhr | Wirtschaft
Rebellen in Nigeria bieten Austausch Mädchen gegen Häftlinge an

Der Anführer der radikal-islamischen Boko-Haram-Rebellen in Nigeria soll einen Austausch der entführten Schülerinnen gegen Gefangene angeboten haben. Mehr

12.05.2014, 23:14 Uhr | Aktuell
Streit um Spionage Die NSA betreibt keine Massenüberwachung, sie sammelt Daten

Mehr als 60 Parlamentarier aus ganz Europa folgten der Einladung des amerikanischen Abgeordneten Robert Pittenger nach Washington, um über Spionage zu sprechen. Der Republikaner empfahl ihnen die amerikanische Geheimdienstkontrolle als Vorbild. Mehr

21.09.2014, 03:47 Uhr | Politik
Jubel bei der CDU in Sachsen

Trotz Verlusten bleibt die CDU von Ministerpräsident Tillich deutlich stärkste Kraft in Sachsen. Mehr

31.08.2014, 19:11 Uhr | Politik
Im Gespräch: Paul Fay Wir wollen informieren und nichts vorschreiben

Montag beginnt eine Klimagourmetwoche, die die Stadt organisiert und an der sich Kantinen und Restaurants beteiligen sollen. Vor einem Jahr hat Frankfurt noch auf einen Veggie Day gesetzt. Mehr

28.09.2014, 12:12 Uhr | Rhein-Main
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 21.12.2012, 16:41 Uhr

Die EZB steht dumm da

Von Philip Plickert

Die EZB kauft angeschlagenen Ländern wie Italien und Frankreich Zeit. Doch die Regierungen liefern nicht und die Konjunktur lahmt. So wächst der Druck auf die Notenbank, noch mehr zu tun. Mehr 29 50


Die Börse
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --