Home
http://www.faz.net/-gqi-7518v
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER
Digitale Exzellenz

Nach der Razzia Deutsche-Bank-Mitarbeiter bleiben in U-Haft

Vier Deutschbanker bleiben in Untersuchungshaft wegen des Verdachts der Geldwäsche. Bundespolitiker kritisieren das Gebaren der Bank. Jürgen Trittin: „Bei jedem Finanzskandal ist die Deutsche Bank dabei.“

© dpa Vergrößern Durchsuchung in der Zentrale der Deutschen Bank in Frankfurt.

Einen Tag nach der Großrazzia sind fünf Mitarbeiter der Deutschen Bank dem Haftrichter vorgeführt worden. Der ordnete für vier von ihnen weitere Untersuchungshaft an, ein Mitarbeiter wurde aus gesundheitlichen Gründen freigelassen. Die fünf Banker werden der Geldwäsche und Vertuschung verdächtigt, sagte der Leitende Oberstaatsanwalt Günter Wittig.

- © AFP Vergrößern Grünen-Spitzenkandidat Jürgen Trittin

Ihre  Festnahmen stehen in Zusammenhang mit der Affäre um Steuerbetrug mit CO2-Zertifikaten, in die Deutschlands größtes Geldhaus offenbar tiefer verstrickt ist als zunächst angenommen. Das millionenschwere Umsatzsteuer-Karussell war vor knapp drei Jahren aufgeflogen. Am Mittwoch kam der Fall abermals ins Rollen, weil rund 500 Polizisten und Steuerfahnder stundenlang die Frankfurter Zentrale der Deutschen Bank durchsuchten, nachdem sich weitere Verdachtsmomente ergeben hatten.

Ermittlungen gegen 25 Mitarbeiter

Insgesamt wird nun gegen 25 Mitarbeiter der Bank unter anderem wegen schwerer Steuerhinterziehung ermittelt. Darunter sind auch der amtierende Co-Vorstandschef Jürgen Fitschen und Finanzvorstand Stefan Krause, weil sie die Umsatzsteuererklärung für das Jahr 2009 unterschrieben hatten. Darin hatte das Institut 310 Millionen Euro Steuererstattungen geltend gemacht, die es nur wegen der Betrügereien beanspruchen konnte. Die Bank hatte die Erklärung später zwar korrigiert und auf die Ansprüche „vorläufig verzichtet“ - nach Ansicht der Ermittler kam dieser Schritt aber zu spät.

Mehr zum Thema

„Die Auswertung der Unterlagen wird Monate dauern“, bekräftigte Wittig am Donnerstag. Die Deutsche Bank kooperiert nach eigenen Angaben voll und ganz mit den Behörden. Der neue Aufsichtsratschef Paul Achleitner hat dem Geldhaus einen Kulturwandel verordnet. Windige Geschäfte sollen der Vergangenheit angehören. Doch der Weg ist lang, denn das Institut hat noch eine ganze Reihe von Finanzskandalen aufzuarbeiten. Dazu zählt auch die Affäre um Zinsmanipulationen (“Libor-Skandal“).

Trittin: „Es ist Zeit, dass bei der Deutschen Bank nachgeguckt wird“

Dass der Steuerskandal mit Fitschen und Krause nun den Vorstand der Deutschen Bank erreicht hat, alarmierte auch die Berliner Politik. „Es ist an der Zeit, dass nun endlich bei der Deutschen Bank nachgeguckt wird“, sagte Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin. „Bei jedem Finanzskandal ist die Deutsche Bank dabei.“ Mit Blick
auf den Beschluss der EU-Finanzminister in Brüssel, die sich auf eine gemeinsame Bankenaufsicht verständigt hatten, fügte der Grünen-Spitzenkandidat für die Bundestagswahl hinzu: „Wir brauchen eine harte, europäische Bankenaufsicht.“Die Vorsitzende des Finanzausschusses des Bundestags, Birgit Reinemund, äußerte sich ebenfalls kritisch. Selbstverständlich stehe der Unterzeichner einer Steuererklärung in der Verantwortung, sagte die FDP-Politikerin.

Ein Insider der Deutschen Bank sagte, Fitschen und Krause trügen zwar die politische Verantwortung. Es gebe aber nicht den Vorwurf, dass sie in irgendeiner Form an dem CO2-Steuerbetrug mitgewirkt hätten. Im Fokus stünden neben den festgenommenen Händlern vielmehr auch jene Mitarbeiter der Fachabteilungen, die an der fraglichen Umsatzsteuererklärung mitgewirkt hätten.

Quelle: Reuters

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Luxemburg-Geschäfte Steuerrazzia bei der Commerzbank

Über 130 Steuerfahnder haben am Dienstag bundesweit Büros und Geschäftsräume durchsucht. Hintergrund sind offenbar fragwürdige Offshore-Geschäfte in Luxemburg. Auch in der Commerzbank-Zentrale in Frankfurt wurden die Behörden aktiv. Mehr Von Hanno Mußler

24.02.2015, 22:50 Uhr | Wirtschaft
Vertuschung von Kindesmissbrauch Papst entlässt Bischof in Paraguay

Papst Franziskus hat einen umstrittenen Bischof aus Paraguay entlassen. Rogelio Livieres Plano der Diözese Ciudad del Este wird vorgeworfen, in die Vertuschung von Kindesmissbrauch verwickelt zu sein. Er soll einen argentinischen Priester befördert haben, dem während seiner Zeit in den USA sexueller Missbrauch zur Last gelegt wurde. Mehr

26.09.2014, 13:59 Uhr | Politik
Betrugsverdacht im Fall Kirch Deutsche-Bank-Chef Fitschen muss vor Gericht

Einer der wichtigsten Manager in Deutschland muss sich vor Gericht verantworten: Der Co-Chef der Deutschen Bank, Jürgen Fitschen. Es geht um versuchten Betrug im Kirch-Prozess. Mehr

02.03.2015, 15:08 Uhr | Wirtschaft
Razzien in Leipzig BKA stellt tonnenweise Crystal-Grundstoff sicher

Deutschen und tschechischen Fahndern ist ein Schlag gegen einen internationalen Rauschgifthändlerring gelungen. Nach mehrmonatigen Ermittlungen seien bei Razzien in Leipzig 2,9 Tonnen der Chemikalie Chlorephedrin sichergestellt worden, teilte das BKA mit. Mehr

13.11.2014, 17:41 Uhr | Gesellschaft
Deutsche Bank Branchenprimus will 1 Milliarde Euro in Öko-Anleihen stecken

Die Deutsche Bank will eine Milliarde Euro in sogenannte grüne Anleihen mit hoher Bonität investieren und als Teil der Liquiditätsreserve halten. Mehr

20.02.2015, 11:59 Uhr | Finanzen
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 13.12.2012, 13:55 Uhr

Gefühlt belästigt

Von Sven Astheimer

Jeder Zweite hat am Arbeitsplatz schon sexuelle Belästigung erlebt oder beobachtet, sagt die Antidiskriminierungsstelle des Bundes. Die Arbeitgeber müssen künftig noch sensibler werden. Frauenberatungsstellen sehen die Wirtschaft aber schon auf gutem Weg. Mehr 3


Die Börse
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --

Grafik des Tages Milliardenschwere Startups

Ein Startup, das eine Milliarde Dollar wert ist - ist das noch eine Besonderheit? Scheint nicht so. Mehr

Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden