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Nach der Ölkatastrophe BP kämpft gegen den Zusammenbruch

06.07.2010 ·  Der Börsenwert hat sich halbiert, die Kosten der Ölpest summieren sich bislang auf 3,12 Milliarden Dollar: BP ist angeschlagen. Die britische Regierung fürchtet angeblich einen Zusammenbruch des Konzerns - ein Risiko, weil viele Rentenfonds betroffen wären. Doch BP versucht die Befürchtungen zu zerstreuen.

Von Marcus Theurer, London
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Der Ölkonzern BP versucht die wachsende Sorge vor einem Zusammenbruch des drittgrößten privaten Ölkonzerns der Welt zu bekämpfen. BP sagte am Dienstag, dass keine Kapitalerhöhung geplant sei, um die enormen Schadenersatzforderungen aus der von BP verursachten Ölkatastrophe im Golf von Mexiko zu begleichen. BP versuchte damit die seit Monaten von der Unternehmenszentrale in London verbreitete Zusicherung zu untermauern, der Konzern habe ausreichend finanzielle Reserven. An der Börse schlug die Beruhigungspille vorerst an: Der Aktienkurs von BP, der sich schon in der vergangenen Woche leicht erholt hatte, legte am Dienstag im Handelsverlauf in London um 2,2 Prozent auf 341 Pence zu.

Jenseits des Finanzmarkts blühten derweil weiter die Spekulationen. Die Londoner Zeitung „The Times“ berichtete, die britische Regierung treffe Vorbereitungen für den Fall eines Zusammenbruchs von BP. Premierminister David Cameron lasse prüfen, inwiefern eine Pleite des Energiekonzerns britische Interessen beeinträchtigen könnte. Die Regierung erwäge auch, den Konzern notfalls vor dem Kollaps zu bewahren, ähnliche wie während der Finanzkrise zahlreiche europäische und amerikanische Banken mit staatlichen Milliardenhilfen gerettet wurden.

BP ist das mit Abstand größte britische Unternehmen und einer der größten Konzerne der Welt. 2009 erwirtschaftete die Gruppe bei einem Umsatz von 240 Milliarden Pfund (umgerechnet knapp 290 Milliarden Euro) einen Nettogewinn von 16,8 Milliarden Pfund und beschäftigt rund 80.000 Mitarbeiter. Weder die Regierung noch das Unternehmen wollten den „Times“-Bericht kommentieren.

Von entscheidender Bedeutung ist, ob es BP wie angekündigt schafft, in den kommenden Wochen durch zwei sogenannte Entlastungsbohrungen an der Unglücksstelle die Menge des austretenden Öls zu verringern und dann das Leck in der Tiefsee abzudichten. Sollten auch diese Versuche scheitern, würde BP wohl endgültig an den Rand des Ruins geraten. Zweieinhalb Monate nach der Explosion der Bohrplattform Deepwater Horizon gelangen noch immer jeden Tag geschätzt 1,6 Millionen Liter Öl ins Meer. Nach Angaben des Konzerns könnte die erste Entlastungsbohrung, an der seit zwei Monaten gearbeitet wird, Ende Juli fertig gestellt werden. Eine Erfolgsgarantie gibt es nicht.

Die Kosten für BP aus der schwersten Umweltkatastrophe in der Geschichte der Vereinigten Staaten sind bisher kaum abschätzbar, sie drohen aber auf längere Sicht einen mittleren zweistelligen Milliardenbetrag zu erreichen. Der Konzern will deshalb Beteiligungen verkaufen und hat die Dividende gestrichen. Der Börsenwert von BP hat sich seit Ende April um 61 Milliarden Pfund rund halbiert.

Dem Unternehmen macht seit der Ölkatastrophe eine Führungskrise zu schaffen. Sowohl Vorstandschef Tony Hayward als auch der Verwaltungsratsvorsitzende Carl-Henric Svanberg stehen vor dem Rausschmiss. Um den Aktienkurs zu stützten, hat BP unter anderem bei Staatsfonds aus Golfstaaten wie Dubai und Katar um Beteiligungen geworben. Auch Libyen hat Interesse angemeldet. Angeblich will sich BP damit gegen Übernahmeversuche durch Konkurrenten wie Exxon-Mobil, Shell und Total absichern.

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