06.07.2006 · Die Korrektur an den Aktien- und Anleihemärkten ergreift auch die Hedge-Fonds-Branche. Besonders frustrierend für manchen Fondsmanager: Ihre Performance wird oft von Computermodellen geschlagen.
Hedge-Fonds haben im vergangenen Monat fast allesamt Geld verloren. Mit Ausnahme der Fonds, die auf Preisungleichgewichte zwischen Unternehmensanleihen und Aktien gesetzt haben, sind nahezu alle Anlagestrategien im Juni schiefgelaufen. Nach den Indizes, die MSCI Barra von Morgan Stanley Capital International Inc. zusammenstellt, haben Hedge-Fonds im vergangenen Monat insgesamt im Schnitt 1,27 Prozent verloren. Im Mai war es bereits ein Verlust von 1,08 Prozent. Nach maßvollen Gewinnen Anfang des Jahres liegt die bisherige Jahresrendite der 127 für diese Indizes erfaßten, größten Fonds der Branche daher bei nur 2,44 Prozent. Die 100 größten Fonds verwalten gut zwei Drittel der Anlagegelder der Branche.
Am härtesten hat die Korrektur an den Aktien- und Rohstoffmärkten freilich die Fonds getroffen, die so investiert waren, daß sie von einem steigenden Markt profitiert hätten (long bias). Sie büßten im Juni im Schnitt 2,61 Prozent ein. Nachdem sie bereits im Mai Verluste verkraften mußten, beläuft sich ihre Rendite in diesem Jahr trotz der kräftigen Kurssteigerungen Anfang des Jahres nur noch auf 2,46 Prozent, zeigen die Daten von MSCI Barra. Der Chef eines der größten Londoner Hedge-Fonds, Crispin Odey, hatte bereits im Mai gewarnt, daß zu viele Fonds in der Hausse zu leichtfertig auf steigende Kurse gesetzt hätten (long bias). In der jetzigen volatileren Zeit, in der die Fonds auch andere Strategien beherrschen müßten, werde sich zeigen, welche Fonds über ein wirklich gutes Management verfügten.
Computermodelle oft besser als Fondsmanager
Dabei schneiden Computermodelle offenbar weit besser ab als Fondsmanager, die sich ihr eigenes Bild vom Markt machen und dann investieren. Fonds, deren Handel von hochkomplexen Computermodellen gesteuert wird, die auf bestimmte technische Daten mit Kauf- und Verkaufssignalen reagieren, schlossen im vergangenen Monat weniger schlecht ab als nahezu alle anderen Strategien. Diese Fonds des „systematic trading“ büßten „nur“ 0,59 Prozent im Juni ein und können in diesem Jahr auf eine Rendite von insgesamt 3,95 Prozent blicken.
Dies wird nur von Fonds geschlagen, die auf Arbitrage zwischen Unternehmensanleihen und Aktien (Convertible Arbitrage) setzen und bisher eine Rendite von 4,45 Prozent erreicht haben. Selbst Fonds, die Aktienkursbewegungen aufgrund von Unternehmensübernahmen oder Umstrukturierungen ausnutzen (event driven), schnitten mit einer Jahresrendite von bisher 2,88 Prozent nicht so gut ab.
„Im nachhinein eine Erklärung zurechtgebastelt“
Fondsmanager, die ihre Investitionsentscheidungen auf komplexe Computermodelle abstellen, berichten in der Tat davon, daß gute Computermodelle Handelsmöglichkeiten anzeigten, die Fondsmanager in dem Moment oft nicht erkennen und fundamental nicht erklären könnten. „Wir handeln, und am Markt bastelt man sich dann im nachhinein eine Erklärung für die Kurs- und Preisbewegungen zurecht“, berichtet ein Fondsmanager einer führenden Investmentgesellschaft, dessen Programm meist auf den Tag genau richtige Handelssignale setzt.
Ein schweres Los der Branche ist freilich, daß die Hedge-Fonds über immer mehr Anlagekapital verfügen, das renditeträchtig eingesetzt werden muß. Dabei sind viele Ineffizienzen an den Märkten, die Hedge-Fonds vor wenigen Jahren noch lukrativ ausnutzen konnten, durch die starke Tätigkeit der Hedge-Fonds beseitigt worden.
Differenziert betrachten
Markus Partsch www.konversi.de (mpartsch)
- 26.07.2006, 17:01 Uhr
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.370,58 | −1,69% |
| Dow Jones | 12.436,50 | −1,15% |
| EUR/USD | 1,2400 | −0,70% |
| Rohöl Brent Crude | 103,84 $ | −2,82% |
| Gold | 1.579,50 $ | 0,00% |
Anonym bewerben? Ist das gut?