21.02.2006 · Nach der Insolvenz des größten deutschen Geldtransport-Unternehmens Heros hat die Bundesbank vor Panikmache gewarnt. Engpässe bei der Versorgung der Geldautomaten seien nicht zu befürchten.
Trotz der Pleite der größten deutschen Geldtransportgruppe Heros müssen Verbraucher vorerst keine großen Engpässe bei der Bargeldversorgung befürchten. Geldtransporter von Heros waren auch am Dienstag im Einsatz, wie das insolvente Unternehmen in Hannover mitteilte. „Der Betrieb läuft derzeit weiter“, unterstrich eine Sprecherin. Auch die Kreditwirtschaft rechnete nicht mit leeren Geldautomaten.
„Nach allem, was wir wissen, können wir Entwarnung geben“, sagte ein Sprecher des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV) in Berlin. Die Deutsche Bank als größtes deutsches Geldinstitut berichtete in Frankfurt am Main ebenfalls, ihre Geldautomaten seien ausnahmslos in Betrieb. „Wir haben keine Hinweise, daß sich daran etwas ändern wird“, sagte ein Sprecher. „Die Verbraucher müssen keineswegs schnell zur Bank“, sagte ein Bundesbank-Sprecher in Frankfurt. „Die Automaten sind gut gefüllt, das Bargeld ist nicht auf einen Schlag weg. Es gibt überhaupt keinen Grund zur Panik.“
Vorsorge getroffen
Die Bundesbank habe Vorsorge getroffen und werde ihre Filialen bei Bedarf länger für die Banken und den Handel öffnen. Die Bargeldauszahlung solle vereinfacht werden und kurzfristig ohne Bestellung am Vortag ermöglicht werden. Die Filialen hätten bereits ihr Personal aufgestockt. Für den Transport des Bargelds von der Bank bis zum Kunden seien aber ausschließlich private Unternehmen zuständig. Der Fall zeige, daß die Bundesbank in der Geldbearbeitung angemessen vertreten sein müsse. „Wegen der Krisenvorsorge brauchen wir diesen Anteil“, sagte der Sprecher. Die Geldtransporteure streiten derzeit mit der Bundesbank vor Gericht, weil die Bank von Februar an das Sortieren und Zählen von Bargeld für nur einen Euro pro Paket anbietet. Die Bundesvereinigung Deutscher Geld- und Wertdienste (BDGW) hatte im Dezember 2005 gegen diese „Dumpingpreise“ Klage eingereicht (siehe dazu die Nachricht: ; die Analyse: ).
Das Amtsgericht Hannover hat den Rechtsanwalt Manuel Sack als vorläufigen Insolvenzverwalter für Heros bestellt. Das Gericht teilte am Dienstag in Hannover mit, Verfügungen der Heros Verwaltungs GmbH seien nur noch mit Zustimmung des Verwalters wirksam. Auch für die 23 Tochterfirmen sei Sack Insolvenzverwalter. Die Heros-Gruppe ist Marktführer der Geld- und Werttransportbranche in Deutschland und beliefert auch zahlreiche Geldautomaten großer Banken. Das Unternehmen mit Hauptsitz in Hannover hatte am Montag Insolvenz angemeldet; Auslöser waren Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Mönchengladbach, wonach Mitarbeiter in den vergangenen Jahren rund 300 Millionen Euro Kundengelder unterschlagen haben sollen.
Sparkassen gelassen
Die Sparkassen reagierten dennoch gelassen auf die Heros-Insolvenz. Lediglich 60 der bundesweit 463 Sparkassen seien Kunden von Heros oder deren Tochtergesellschaften, sagte der DSGV-Sprecher. Er verwies zugleich auf die Zusicherung der BDGW, wonach bei einer möglichen Einstellung des Betriebs bei Heros genügend Ersatzkapazitäten vorhanden seien. Die BDGW hatte am Montag angekündigt, ihre 160 Mitgliedsunternehmen wollten „ihre gesamten personellen und technischen Kapazitäten bis zur Grenze der Belastbarkeit zur Verfügung stellen“. Laut BDGW besitzt die Heros-Gruppe bei den Geld- und Wertdiensten einen Marktanteil von rund 50 Prozent.
Derweil forderte die Gewerkschaft Verdi die anderen Unternehmen der Branche auf, nach der Insolvenz der Heros-Gruppe nicht nur deren Aufträge zu übernehmen, sondern auch die rund 4000 Beschäftigten. „Es gibt jetzt die Chance, die Geld-Wert-Branche neu zu ordnen, das Preisdumping zu beenden und faire Wettbewerbsbedingungen zu schaffen“, erklärte Verdi-Vorstandsmitglied Dorothea Müller in Berlin. Ziel müsse dabei sein, den Beschäftigten „für ihre verantwortungsvolle und teils gefährliche Tätigkeit einen fairen Lohn zu zahlen“. Darüber hinaus sollten die Kundenunternehmen dafür sorgen, daß schwarze Schafe in der Branche künftig keine Chance erhielten, Fuß zu fassen oder „gar zum Marktführer zu expandieren“.
Securitas will Heros nicht zurück
Der schwedische Securitas-Konzern will die im November 2005 an Heros verkaufte Sparte Geld- und Wertdienste in Deutschland nicht zurückhaben. Securitas AB-Finanzvorstand Hakan Winberg am Dienstag in Stockholm, sein Unternehmen habe kein Interesse am Rückkauf. Der deutsche Markt sei einfach nicht lukrativ. „Wir haben kein Interesse, in den Markt zurückzukehren. Das ist für uns ein abgeschlossenes Kapitel“, sagte Winberg.
Ende November 2005 hatte Securitas AB die Division Geld- und Wertdienste Deutschland an Heros verkauft. Gleichwohl ist Securitas im Bereich der Sicherheitsdienste und Sicherheitstechnik mit rund 14.000 Beschäftigten in Deutschland aktiv. Von den Geld- und Wertdiensten trennte sich Securitas, nachdem der Geschäftszweig weder ausreichende Größe noch Rentabilität erreichte.