23.10.2008 · Gestern forderte der designierte bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer einen „absoluten Neuanfang“ bei der Bayern LB. Jetzt hat der Vorstand der schwer angeschlagenen Landesbank die Vertrauensfrage gestellt.
Der Vorstand der schwer angeschlagenen Bayern LB hat nach massiver Kritik aus der Politik die Vertrauensfrage gestellt. Das uneingeschränkte Vertrauen des Verwaltungsrats und der Anteilseigner sei unabdingbare Voraussetzung für ihre weitere Arbeit, schrieben Vorstandschef Michael Kemmer und die weiteren fünf Vorstandsmitglieder in einem Brief an den scheidenden bayerischen Finanzminister Erwin Huber (CSU). Er ist derzeit Vorsitzender des Kontrollgremiums der Landesbank.
„Sollte dieses Vertrauen nicht mehr gegeben sein, steht der Vorstand selbstverständlich für Gespräche über die sich daraus ergebenden Folgerungen zur Verfügung“, heißt es darin.
Schwere Vorwürfe wegen laxer Informationspolitik
Der Vorstand reagierte damit auf Äußerungen von Horst Seehofer. Der designierte bayerische Ministerpräsident hatte einen „absoluten Neuanfang“ bei der Landesbank gefordert (siehe Bayern LB: Stuhl von Vorstandschef Kemmer wackelt). Die BayernLB hatte zuvor einen Kapitalbedarf von 6,4 Milliarden Euro eingeräumt und muss als erste Bank auf das Rettungspaket der Bundesregierung zurückgreifen. CSU und FDP in Bayern mussten ihre Koalitionsverhandlungen wegen der Misere bei der BayernLB verschieben. Sie machten Kemmer in den vergangenen Tagen schwere Vorwürfe, weil er in einem Krisengespräch am Samstag keine konkreten Informationen geliefert hatte. Die BayernLB ist die zweitgrößte Landesbank in Deutschland und gehört jeweils zur Hälfte der bayerischen Staatsregierung und den Sparkassen.
Der 51 Jahre alte Bayern-LB-Chef Kemmer ist nicht der erste Vorstandschef der Landesbank, dessen Posten im Zuge der Finanzkrise wackelt. Sein Amtsvorgänger Werner Schmidt war erst zu Jahresbeginn wegen der Finanzkrise zurückgetreten.
Die Diskussion über eine Fusion der Bayern LB mit der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) ist durch die aktuellen Probleme gebremst. Der bayerische Städtetagsvorsitzende Hans Schaidinger (CSU) hält einen schnellen Zusammenschluss der BayernLB mit einem anderen Institut derzeit für ausgeschlossen. „Eine schnelle Fusion wird es jetzt nicht geben“, sagte Schaidinger. Er gehört dem Verwaltungsrat der Bayern LB an. Das 6,4 Milliarden Euro umfassende Rettungskonzept biete jedoch die Möglichkeit, die Bank „in eine neue Struktur zu überführen“. Schaidinger schloss wegen der unsicheren Lage auf dem internationalen Finanzmarkt aber neue Löcher nicht aus. „Was in einem Monat ist, weiß ich nicht.“
Vorstände Bayern LB schwer von Begriff
Volker Kulessa (solelite)
- 23.10.2008, 14:56 Uhr
Wie ist das möglich?
Dieter Wundrak (wundi)
- 23.10.2008, 15:03 Uhr
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