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Nach dem Milliardenbetrug Société Générale gilt jetzt als Übernahmekandidat

25.01.2008 ·  Die Aktien der krisengeschüttelten Bank Société Générale haben sich leicht erholt. Gleichzeitig äußerten immer mehr Experten Zweifel an der Darstellung der Bank, dass nur ein einzelner Händler für den Verlust von 4,9 Milliarden Euro verantwortlich gewesen sein soll.

Von Christian Schubert
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Die Aktien der krisengeschüttelten Bank Société Générale (SG) haben sich am gestrigen Freitag leicht erholt. Doch gleichzeitig äußerten immer mehr Experten Zweifel an der Darstellung der Bank, dass nur ein einzelner Händler für den Verlust von 4,9 Milliarden Euro verantwortlich gewesen sein soll. "Auch wenn sich die erste Aufregung gelegt hat, werden sich die Investoren fragen, wie ein Händler alleine solche Verluste verstecken konnte. Die Risikokontrolle wird bei der SG für einige Zeit ein Fragezeichen bleiben", meinte Guillaume Tiberghien, Analyst bei Crédit Suisse.

Der französische Premierminister François Fillon hat seine Wirtschafts- und Finanzministerin Christine Lagarde beauftragt, ihm in spätestens acht Tagen einen Bericht über die Vorgänge bei der Bank vorzulegen. Auch er habe Schwierigkeiten, die Affäre bei der SG zu verstehen, sagte Fillon. Gleichzeitig versuchte Staatspräsident Nicolas Sarkozy von Indien aus, wo er auf Staatsbesuch weilt, die 10,5 Millionen Kunden der Bank zu beruhigen. Dieser „interne Betrug“ habe „weder die Solidität noch die Zuverlässigkeit des französischen Finanzsystems gemindert“, sagte er. Christian Noyer, der Gouverneur der Banque de France, versicherte, dass die Kunden bei der SG weiter Kredite aufnehmen könnten. „Kein Kunde hat irgendetwas verloren, und auch der Steuerzahler wird in keiner Weise herangezogen“, sagte Noyer.

Neben Kerviel haben vier Vorgesetzte die Bank verlassen

Bis zum Freitagnachmittag notierte der Kurs der SG an der Pariser Börse mit knapp 2,5 Prozent im Plus. Dazu trug auch die Vermutung bei, dass die SG nun zu einem begehrten Übernahmeobjekt werden könnte. An erster Stelle unter möglichen Angreifern sehen viele Analysten die führende französische Großbank BNP Paribas, die schon einmal 1999, damals noch ohne die Paribas, einen Übernahmeversuch wagte, damit aber scheiterte. Die SG sei bis zu Beginn der amerikanischen Hypothekenkrise und der Betrugsgeschäfte des Händlers Jérôme Kerviel eine hochprofitable Bank gewesen, heißt es unter Fachleuten. Dazu trugen nicht nur die Derivategeschäfte mit festverzinslichen Wertpapieren bei, sondern auch das Filialgeschäft in Frankreich und Osteuropa sowie der Bereich spezialisierter Finanzdienstleistungen. Unterdessen hat ein Staatsanwalt in Paris die Ermittlungen gegen den Händler Kerviel aufgenommen, der sich nach Angaben seiner Anwältin weiter in Frankreich aufhält.

Neben Kerviel haben vier Vorgesetzte die Bank verlassen oder eine Kündigung vorliegen. Darunter befinden sich Luc François, der Verantwortliche für den Handel mit Aktien und Derivaten, Pierre-Yves Morlat, der den Aktienhandel überwachte, sowie Jean-Pierre Lesage, der im Investmentbanking unter anderem für die Informationstechnik zuständig war.

Kleinaktionäre haben Klage eingereicht

François Chérèque, Generalsekretär der Gewerkschaft CFDT, forderte, den „Finanzkapitalismus“ schärfer zu kritisieren. Zwei Vereinigungen von Kleinaktionären haben gegen die SG Klage eingereicht, weil die Anleger falsch informiert worden seien, so ihr Vorwurf. Eine Vereinigung forderte auch die Einberufung einer außerordentlichen Hauptversammlung. 7 Prozent des SG-Kapitals befinden sich in der Hand der Mitarbeiter. Patrice Leclerc, der Präsident ihres Verbandes, wies darauf hin, wie empfindlich diese Beschäftigten getroffen worden seien. „Im Durchschnitt haben diese Aktionäre zwei bis drei Jahresgehälter investiert“, sagte er, wollte sich mit Kritik an der Unternehmensführung aber noch zurückhalten, solange er keine detaillierten Informationen habe. Nach Ansicht von Fachleuten zeigt der Schaden der Mitarbeiter-Aktionäre auch die Schattenseiten dieses Modells, denn es vereinigt das Arbeitsplatzrisiko und das Anlagerisiko auf ein und dasselbe Unternehmen.

Quelle: chs./F.A.Z., 26.01.2008, Nr. 22 / Seite 14
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Jahrgang 1964, Wirtschaftskorrespondent in Paris.

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