Da schlucken selbst hartgesottene Fans: Zwischen 106 und 406 Pfund (133 bis 508 Euro) kosten die Eintrittskarten, wenn die Rolling Stones Ende November für zwei Abende in London auf die Konzertbühne zurückkehren. Die Tickets für zwei weitere Konzerte Mitte Dezember in New York sind noch teurer. Umgerechnet bis zu 580 Euro das Stück müssen Stones-Anhänger dort lockermachen, wenn sie dabei sein wollen. Die besten Plätze gibt’s außerdem nur als „VIP Hospitality Package“ zusammen mit einem Drei-Gänge-Menü. Kostenpunkt in London: 1.425 Euro. Die Fangemeinde steht trotzdem kopf. Die populäre Online-Konzertkarten-Börse Viagogo verzeichnete auf ihrer Website einen Rekordansturm.
Binnen weniger Stunden gingen mehr als eine Million Suchanfragen für Stones-Tickets ein, allein 70.000 davon aus Deutschland. Die Musik-Veteranen profitieren vom Dinosaurier-Bonus: Die vier Konzerte zum fünfzigjährigen Jubiläum der Bandgründung im Sommer 1962 könnten - wieder einmal - die letzte Chance sein, Mick Jagger und Keith Richards zusammen auf der Bühne zu sehen. Vor allem an Richards scheint der Zahn der Zeit zu nagen. Der Gitarrist zog sich 2006 beim Sprung von einem Baum eine schwere Kopfverletzung zu, deren Nachwirkungen ihm offenbar noch immer zu schaffen machen. Statt einer von den Fans erhofften großen Jubiläums-Konzerttournee gibt es deshalb zumindest vorerst nur die jetzt angekündigte Mini-Tour.
Konzerte werden teurer und Tonträger sind Ladenhüter
Kommerziell spielt die Band auch nach einem halben Jahrhundert noch immer in einer eigenen Liga. Branchenberichten zufolge sollen die Musiker für ihre vier Auftritte eine Gage von umgerechnet 20 Millionen Euro einstreichen. Ihre letzte große Tournee „A bigger Bang“ vor fünf Jahren brache Bruttoerlöse von rund 430 Millionen Euro ein und war damit die bis dahin erfolgreichste Konzertreise aller Zeiten. Allerdings waren wegen der schon damals horrenden Eintrittspreise nicht alle Auftritte ausverkauft. Auch dieses Mal stellen die Stones andere Superstars in den Schatten. Im Vergleich zu den Forderungen der Rock-Opas erscheinen selbst die 200 Euro, die Madonna dieses Jahr auf ihrer Tournee für ein Ticket verlangte, gar nicht mehr so teuer.
Früher waren Konzerte für Musikstars nur ein Zubrot. Das große Geld brachten die Plattenverkäufe ein. Heute ist es meistens umgekehrt. Konzertkarten sind in den vergangenen zehn Jahren immer teurer geworden. Tonträger sind dagegen, seit das Internetzeitalter über die Musikindustrie hereingebrochen ist, nur noch Ladenhüter. Die Stones zählten schon lange vor dem Niedergang der CD zu den Pionieren des neuen Geschäftsmodells. Ihre letzte Hit-Single hatten sie vor mehr als drei Jahrzehnten mit „Start me up“. Weil die Verkaufszahlen ihrer Platten dahinschmolzen, verlegte sich die Band stattdessen auf immer größere und lukrativere Konzertreisen - eine schier ewig währende Abschiedstournee.
Wenn es um Profit ging, hatten die Stones noch nie Hemmungen. Antikapitalistische Attitüden und Weltverbesserungs-Missionen waren ihnen stets fremd. Vor fünf Jahren ließ sich die Band sogar von der Deutschen Bank für ein Privatkonzert anheuern. Bei den jetzt angekündigten Konzerten haben Kunden des Sponsors von American Express den ersten Zugriff auf die Tickets. „Jeder verdient gerne Geld“, schreibt Richards in seiner jüngsten Autobiographie. Sein Vermögen wird auf rund 220 Millionen Euro geschätzt.
Ich sehe nichts verächtliches daran Geld zu verdienen. Es handelt
sich um ehrliche Arbeit
Stephan Müller (Klarname)
- 17.10.2012, 13:30 Uhr
Musiklegende
Wilfried Garn (wgarn)
- 17.10.2012, 13:08 Uhr
Ahnungslos oder Schweigen ist gold
michael hergen (cicero777)
- 17.10.2012, 12:59 Uhr
Alte Helden
Stefan Wisheu (fillmore48)
- 17.10.2012, 12:34 Uhr
Konsequent.
fridolin hinterhuber (montaxxmontaxx)
- 17.10.2012, 12:32 Uhr
