Home
http://www.faz.net/-gqi-73nq8
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Musikbranche Die Stones bitten zur Kasse

 ·  Die geschäftstüchtige Rockband im Rentenalter geht für ihr fünfzigstes Bühnenjubiläum nun doch auf Tournee. Die Konzerte dürften auch kommerziell Maßstäbe setzen.

Artikel Bilder (1) Lesermeinungen (16)
© dpa Auf die exklusive Tour: Vier rüstige Musiker der „Rolling Stones“ geben sich in London und New York die Ehre

Da schlucken selbst hartgesottene Fans: Zwischen 106 und 406 Pfund (133 bis 508 Euro) kosten die Eintrittskarten, wenn die Rolling Stones Ende November für zwei Abende in London auf die Konzertbühne zurückkehren. Die Tickets für zwei weitere Konzerte Mitte Dezember in New York sind noch teurer. Umgerechnet bis zu 580 Euro das Stück müssen Stones-Anhänger dort lockermachen, wenn sie dabei sein wollen. Die besten Plätze gibt’s außerdem nur als „VIP Hospitality Package“ zusammen mit einem Drei-Gänge-Menü. Kostenpunkt in London: 1.425 Euro. Die Fangemeinde steht trotzdem kopf. Die populäre Online-Konzertkarten-Börse Viagogo verzeichnete auf ihrer Website einen Rekordansturm.

Binnen weniger Stunden gingen mehr als eine Million Suchanfragen für Stones-Tickets ein, allein 70.000 davon aus Deutschland. Die Musik-Veteranen profitieren vom Dinosaurier-Bonus: Die vier Konzerte zum fünfzigjährigen Jubiläum der Bandgründung im Sommer 1962 könnten - wieder einmal - die letzte Chance sein, Mick Jagger und Keith Richards zusammen auf der Bühne zu sehen. Vor allem an Richards scheint der Zahn der Zeit zu nagen. Der Gitarrist zog sich 2006 beim Sprung von einem Baum eine schwere Kopfverletzung zu, deren Nachwirkungen ihm offenbar noch immer zu schaffen machen. Statt einer von den Fans erhofften großen Jubiläums-Konzerttournee gibt es deshalb zumindest vorerst nur die jetzt angekündigte Mini-Tour.

Konzerte werden teurer und Tonträger sind Ladenhüter

Kommerziell spielt die Band auch nach einem halben Jahrhundert noch immer in einer eigenen Liga. Branchenberichten zufolge sollen die Musiker für ihre vier Auftritte eine Gage von umgerechnet 20 Millionen Euro einstreichen. Ihre letzte große Tournee „A bigger Bang“ vor fünf Jahren brache Bruttoerlöse von rund 430 Millionen Euro ein und war damit die bis dahin erfolgreichste Konzertreise aller Zeiten. Allerdings waren wegen der schon damals horrenden Eintrittspreise nicht alle Auftritte ausverkauft. Auch dieses Mal stellen die Stones andere Superstars in den Schatten. Im Vergleich zu den Forderungen der Rock-Opas erscheinen selbst die 200 Euro, die Madonna dieses Jahr auf ihrer Tournee für ein Ticket verlangte, gar nicht mehr so teuer.

Früher waren Konzerte für Musikstars nur ein Zubrot. Das große Geld brachten die Plattenverkäufe ein. Heute ist es meistens umgekehrt. Konzertkarten sind in den vergangenen zehn Jahren immer teurer geworden. Tonträger sind dagegen, seit das Internetzeitalter über die Musikindustrie hereingebrochen ist, nur noch Ladenhüter. Die Stones zählten schon lange vor dem Niedergang der CD zu den Pionieren des neuen Geschäftsmodells. Ihre letzte Hit-Single hatten sie vor mehr als drei Jahrzehnten mit „Start me up“. Weil die Verkaufszahlen ihrer Platten dahinschmolzen, verlegte sich die Band stattdessen auf immer größere und lukrativere Konzertreisen - eine schier ewig währende Abschiedstournee.

Wenn es um Profit ging, hatten die Stones noch nie Hemmungen. Antikapitalistische Attitüden und Weltverbesserungs-Missionen waren ihnen stets fremd. Vor fünf Jahren ließ sich die Band sogar von der Deutschen Bank für ein Privatkonzert anheuern. Bei den jetzt angekündigten Konzerten haben Kunden des Sponsors von American Express den ersten Zugriff auf die Tickets. „Jeder verdient gerne Geld“, schreibt Richards in seiner jüngsten Autobiographie. Sein Vermögen wird auf rund 220 Millionen Euro geschätzt.

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen
Themen zu diesem Artikel

Jahrgang 1972, Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in London.

Jüngste Beiträge

Irrweg der Mieterlobby

Von Joachim Jahn, Berlin

Die Politik verteuert Wohnen und Wohnungsbau. Mieterbund, Studentenwerk und ihnen nahestehende Parteien gehen genau den falschen Weg, wenn sie nun noch mehr Restriktionen fordern. Mehr 2 7

Wichtigste Werte
Name Wert Änderung
  F.A.Z.-Index --  --
  Dax --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  F.A.Z.-Anleih… --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --
  Bund Future --  --