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Konzerninterner Verkauf von Sky : Murdoch vor Milliardencoup in Deutschland

Sky gehört zum Bild in allen großen deutschen Fußballstadien Bild: dpa

Der Medienunternehmer Murdoch ordnet sein Fernsehimperium: Die Aktionäre von Sky Deutschland dürfen auf ein Übernahmeangebot hoffen. Doch viel zahlen will er ihnen wohl nicht.

          Rupert Murdoch braucht Geld – viel Geld: Gut 80 Milliarden Dollar (59 Milliarden Euro) bot der Unterhaltungskonzern 21st Century Fox des amerikanischen Medienzaren vergangene Woche für den Rivalen Time Warner. Der 83 Jahre alte Murdoch ist damit vorerst abgeblitzt, doch er wird wohl nicht lockerlassen. Im fernen Deutschland will Murdoch deshalb eine milliardenschwere Geldquelle anzapfen, die helfen soll, die Kriegskasse zu füllen: Beim börsennotierten Münchner Bezahlfernsehsender Sky Deutschland ist Murdoch mit 55 Prozent Mehrheitsaktionär. Nun hat er vor, durch einen konzerninternen Verkauf der Beteiligung einen Milliardenbetrag einzustreichen. Der Coup steht offenbar kurz bevor.

          Marcus Theurer

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in London.

          Henning Peitsmeier

          Wirtschaftskorrespondent in München.

          Für die Minderheitsaktionäre von Sky Deutschland hätte Murdochs Plan sehr wahrscheinlich Konsequenzen: Sollte es tatsächlich zu dem Geschäft kommen, müsse den freien Aktionären nach deutschem Recht voraussichtlich ein Übernahmeangebot für den Kauf ihrer Aktien unterbreitet werden, hieß es am Sonntag in Branchenkreisen. Spekulationen über eine solche Pflichtofferte hatten schon im Frühjahr zu einem Kurssprung der Aktie von Sky Deutschland geführt. Offenbar will Murdoch allerdings nur den gesetzlich geforderten Mindestpreis ohne jeglichen Kursaufschlag zahlen. Seit Mitte Juni ist der Aktienkurs von Sky Deutschland um rund 9 Prozent gefallen.

          Verminderter Kaufpreis, voller Verkaufserlös

          Die Londoner „Sunday Times“ berichtete am Wochenende, Murdochs 21st Century Fox wolle mit dem konzerninternen Verkauf von Sky Deutschland in den nächsten zwei Wochen an die Öffentlichkeit gehen und dabei 3,5 Milliarden Euro einstreichen. Ein ähnlich lukratives Geschäft sei auch für den italienischen Schwestersender Sky Italia geplant, schreibt die Zeitung, die ebenfalls Teil von Murdochs weltumspannendem Medienimperium ist. Ein Sprecher von Sky Deutschland wollte sich am Sonntag auf Anfrage nicht zu dem Thema äußern.

          Murdochs Plan sieht so aus: Bisher ist Sky Deutschland eine direkte Tochtergesellschaft des amerikanischen Mutterkonzerns 21st Century Fox. Nun soll dieser die Münchner Mehrheitsbeteiligung an Murdochs britischen Bezahlfernsehmarktführer BSkyB verkaufen. An diesem hält 21st Century Fox ebenfalls 39 Prozent. BSkyB, der erfolgreichste Bezahlsender Europas, könnte dafür einen Teil seiner hohen Barreserven einsetzen.

          Der Murdoch-Konzern wäre also zugleich Käufer und Verkäufer. Dennoch wäre das Geschäft aus Sicht des gerissenen Medienunternehmers wohl finanziell lukrativ: Er könnte damit die bei BSkyB in London gebunkerten Barreserven in die New Yorker Konzernkasse umlenken. Als Minderheitsaktionär von BSkyB müsste 21st Century Fox zudem nur für einen Teil des Kaufpreises für Sky Deutschland einstehen, würde aber als direkter Eigentümer der Münchner Filiale den kompletten Verkaufserlös für die Beteiligung einstreichen. Der erwartete Coup in Deutschland und Italien dürfte auch zu einem wichtigen Thema werden, wenn BSkyB-Chef Jeremy Darroch am Freitag dieser Woche in London die Jahreszahlen seines Unternehmens veröffentlicht. Murdochs Sohn James, der bei 21st Century Fox das Tagesgeschäft führt, hat bereits im Mai eine bevorstehende Neuordnung angedeutet: Es sei durchaus vorstellbar, das Europa-Geschäft des Medienkonglomerats anders als bisher zu organisieren, sagte er damals.

          Ausnahmegenehmigung der Bafin

          Operativ könnte der Großumbau Vorteile bringen: Unter dem Dach von BSkyB würde ein europäischer Bezahlfernsehriese mit mehr als 20 Millionen zahlenden Abonnenten entstehen. Für Murdoch bedeutete eine engere Verzahnung seiner europäischen Bezahlsender eine vereinfachte Organisationsstruktur mit klarer Führung. BSkyB-Chef Darroch hätte aus London direkten Durchgriff auf den noch immer schwächelnden Münchner Sender. Auch die Verhandlungsmacht der neuen, größeren BSkyB-Gruppe beim Programmeinkauf dürfte wachsen – etwa im Wettbieten um Fußballübertragungen.

          Sky Deutschland eifert dem Vorbild von BSkyB bereits heute nach, gewinnt Quartal für Quartal mehr Kunden und steigert den Durchschnittsumsatz je Abonnent. Vorstandschef Brian Sullivan hat selbst einige Jahre bei dem britischen Erfolgssender gearbeitet. Unterm Strich weist Sky Deutschland wegen der sehr teuer erworbenen Übertragungsrechte für die Fußball-Bundesliga aber noch immer Verluste aus.

          Murdoch ist in München seit sechseinhalb Jahren an Bord: Im Januar 2008 kaufte er überraschend einen Anteil von zunächst rund 15 Prozent an dem Bezahlsender, der damals noch unter dem Namen Premiere firmierte. Ende 2008 kämpfte der hochverschuldete Fernsehsender ums Überleben, weil die Gläubigerbanken drohten, ihre Kredite fällig zu stellen. Murdoch musste deshalb in mehreren Tranchen frisches Eigenkapital in das Krisenunternehmen pumpen und erhöhte dadurch seine Beteiligung. 2009 konnte 21st Century Fox dank einer Ausnahmegenehmigung der deutschen Finanzaufsicht Bafin ein normalerweise vorgeschriebenes Pflichtangebot an die freien Aktionäre vermeiden.

          Quelle: F.A.Z.

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