Die insolvente Müller-Brot GmbH kommt zu ihrem alten Eigentümer zurück, der maßgeblich die Misere der Großbäckerei in Neufahrn bei München zu verantworten hat. Wie Insolvenzverwalter Hubert Ampferl am Donnerstagnachmittag bekanntgab, habe der Gläubigerausschuss einstimmig das Angebot einer Investorengruppe um Klaus Ostendorf, der frühere Eigentümer, und Stefan Huhn, der Geschäftsführer, angenommen.
Sie werde schon zum 1. April zu einem nicht genannten Kaufpreis das Unternehmen übernehmen, das bundesweit wegen eines Hygiene-Skandals mit Ungeziefer und Schmutz in der Produktion Schlagzeilen machte.
Unter ungewöhnlichen Umständen
Die Entscheidung fiel nicht nur unter einem extremen Zeitdruck, da das Insolvenzgeld für die noch 1080 Mitarbeiter Ende März ausläuft. Aus dem Umfeld ist zu erfahren, dass sie auch unter ungewöhnlichen Umständen zustande gekommen sein soll. Der Insolvenzverwalter habe, wie zu hören ist, eine zweite Bietergruppe bevorzugt: die Münchner Bäckerei-Kette Höflinger und die Tochter des früheren Inhabers, Evi Müller.
Überraschend muss es aber Ostendorf wohl geschafft haben, den Gläubigerausschuss auf seine Seite zu ziehen - einschließlich des Betriebsratsvorsitzenden. Bezogen auf den aktuellen Stand werden nun 700 Mitarbeiter entlassen, nur noch 400 Beschäftigte bleiben; gegenüber den bis vor kurzem 1250 Beschäftigen ist der Kahlschlag sogar noch größer. Ostendorf und Huhn übernehmen die Anlagen am Standort Neufahrn, die Marken-, Lizenz- und Patentrechte sowie 151 der 230 Filialstandorte.
Pächter fürchten um Kaution
Klaus Ostendorf, früher einmal Vorstand der Bäckereikette Kamps, hatte Müller-Brot 2003 im Streit mit dem Unternehmensgründer Hans Müller übernommen. Die Versäumnisse und vernachlässigte Investitionen sollen zu den schwerwiegenden Missständen geführt haben. Ende Januar wurde die Produktion wegen der Hygienemängel von den Aufsichtsbehörden gestoppt. Der Absatzeinbruch trieb das Unternehmen in die Insolvenz. Selbst monatelange Sanierungsarbeiten konnten eine Wiederaufnahme der Produktion nicht bewirken. Eine Prüfung vor eineinhalb Wochen durch die Behörden verlief negativ.
Mit dem Verkauf scheint der von Arbeitnehmervertretern und der Gewerkschaft Nahrung Genuss Gaststätten (NGG) angedeutete Verdacht nicht abwegig zu sein, Ostendorf lasse das Unternehmen bewusst in die Insolvenz fallen, um sich von Mitarbeitern sowie von finanziellen Verpflichtungen zu entledigen. Viele der 151 Pächter von Filialen müssen um ihre Kaution - geschätzt werden durchschnittlich 12.000 Euro - fürchten, bekommen allenfalls noch eine geringe Quote aus der Insolvenzmasse. Die Staatsanwaltschaft Landshut hat Vorermittlungen wegen möglicher Insolvenzverschleppung eingeleitet. Laut Behörde wird zudem geprüft, ob Kautionen von Pächtern veruntreut worden sein sollen.
