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Risikoabsicherung

Monte dei Paschi di Siena Italienische Großbank verklagt Deutsche Bank auf Schadenersatz

Angesichts drohender Verluste nach Transaktionen mit Derivaten verklagt das schwächelnde Geldhaus Monte dei Paschi di Siena die Deutsche Bank auf Schadenersatz. Die Aktie der Deutschen Bank stürzte ab, auch wegen neuer Sorgen um die Kapitaldecke.

© REUTERS Vergrößern Die italienische Traditionsbank Monte dei Paschi di Siena hat Klage gegen die Deutsche Bank eingereicht

Die Deutsche Bank muss sich auf einen neuen Rechtsstreit einstellen. Die angeschlagene italienische Großbank Monte dei Paschi di Siena (MPS) reichte am Freitag bei einem Gericht in Florenz Klage auf Schadenersatz ein, wie das Institut mitteilte. Dabei gehe es um Transaktionen mit Derivaten, hieß es. Im Zusammenhang damit drohen den Italienern hohe Verluste.

Die Deutsche Bank, die weltweit mit zahlreichen Rechtsstreitigkeiten kämpfen muss, wollte den Vorgang zunächst nicht kommentieren. Neben der Deutschen Bank haben die Italiener auch den japanischen Finanzkonzern Nomura, sowie den früheren Präsidenten des Instituts, Giuseppe Mussari, und den ehemaligen Generaldirektor Antonio Vigni verklagt.

Verluste durch problematische Derivategeschäfte

Die Derivategeschäfte hatten dem italienischen Traditionshaus geschätzte Verluste von 730 Millionen Euro eingebracht. Es geht um die Transaktion „Alexandria“, die von Juli bis Oktober 2009 gemeinsam mit dem japanischen Finanzkonzern Nomura abgewickelt wurde, und die Transaktion „Santorini“, an der im Dezember 2008 die Deutsche Bank beteiligt war.

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Monte dei Paschi di Siena steckt tief in den roten Zahlen und will sich mit Staatshilfe in Milliardenhöhe aus der Krise befreien. Bereits Ende Januar hatte die italienische Regierung Hilfe in Form von Krediten in Höhe von 3,9 Milliarden Euro gebilligt. Schon auf dem Höhepunkt der Euro-Schuldenkrise hatte die Monte dei Paschi Spezialkredite der Notenbank erhalten, sie wurden inzwischen zurückgezahlt.

Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Betrugs

Gegen mehrere frühere Manager der drittgrößten Bank Italiens ermittelt die Staatsanwaltschaft bereits seit einiger Zeit. Mitte Februar hatte die italienische Polizei den früheren Chef der Finanzabteilung der Bank, Gianluca Baldassarri, festgenommen. Dessen Abteilung steht im Zentrum von Betrugsermittlungen beim drittgrößten Geldhaus Italiens.

Im Fokus steht dabei zusätzlich der neun Milliarden Euro schwere Kauf des Rivalen Banca Antonveneta 2007 - kurz vor Ausbruch der Finanzkrise. Der Preis gilt als deutlich zu hoch. Hier untersuchen die Ermittler, ob Schmiergeld gezahlt worden ist.

Die Krise der Bank hat auch den Chef der Europäischen Zentralbank (EZB), Mario Draghi, ins Rampenlicht gerückt. Er war damals als italienischer Notenbankpräsident oberster Bankenaufseher des Landes. Draghi weist Vorwürfe einer zu laxen Kontrolle zurück.

Neue Zweifel an Kapitaldecke: Deutsche-Bank-Aktie stürzt ab

Unterdessen hat die Aktie der Deutschen Bank am Freitag knapp sechs Prozent auf 33,12 Euro eingebüßt und ist damit auf den niedrigsten Stand im bisherigen Jahresverlauf abgestürzt. Es war der größte Kursrutsch seit Ende September.

Neben der Klage von Monte dei Paschi di Siena schlug den Anlegern eine Studie von Goldman Sachs aufs Gemüt. Darin stuften die Analysten die Aktie des deutschen Branchenprimus auf „verkaufen“ herab und begründeten das mit neuen Sorgen um die Kapitalausstattung.

Nach Ansicht der Goldman-Analysten muss die Deutsche Bank 13 Milliarden Dollar in ihre US-Tochter nachschießen, wenn sie die absehbar höheren Kapitalanforderungen in den USA erfüllen will. „Ein solcher interner Transfer dürfte die Kapitalausstattung der Bank außerhalb des US-Geschäfts deutlich schmälern - was wiederum den Druck in Sachen Kapitalerhöhung erhöhen könnte“, hieß es in der Studie.

Die Notenbank Fed tüftelt derzeit an Plänen, dass alle Auslandsbanken ihr gesamtes US-Geschäft einer Holdingstruktur nach US-Standards unterstellen. Ziel ist es, Schlupflöcher in der Regulierung zu schließen, wie die Fed im November erklärt hatte.

Quelle: FAZ.NET, DPA, Reuters

 
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