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Mondial de l´automobile Absatzflaute überschattet den Pariser Autosalon

 ·  Hinter der glamourösen Fassade der Automesse geht die Angst um. Eigentlich wollen die Hersteller ihre neuen Modelle feiern. Jetzt müssen sie über Sanierungspläne diskutieren.

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© Bloomberg Viel zu sehen: In Paris warten die Autohersteller mit ihren Neuheiten auf

Die piekfeine „Mondial de l’Automobile“ in Paris gibt seit jeher einen Vorgeschmack auf das Autogeschäft des kommenden Jahres in Europa. Und in diesem Herbst dürfte dieser Geschmack durchaus bitter ausfallen. Den glamourösen Auftakt zur Messe liefert am Mittwochabend der Volkswagen-Konzern. Viele Hundert Journalisten aus Dutzenden von Ländern werden sich da zur „VW Group Night“ in der Pariser „Halle Freyssinet“ drängeln, einem ehemaligen Bahnhof inmitten der Metropole, der sonst für exquisite Modenschauen der Haute Couture genutzt wird. Im Mittelpunkt wird die siebte Generation des VW Golf stehen, das wichtigste Modell für den Konzern und vielleicht auch das wichtigste Auto der Messe.

Auch andere Konzerne rücken ihre neuen Hoffnungsträger im Kampf gegen die Absatzflaute ins Rampenlicht: Renault zeigt den neuen Kleinwagen Clio, Ford präsentiert die neue Version des Mittelklasse-Klassikers Mondeo, und Opel hofft, seine bröckelnden Verkäufe mit dem wendigen Kleinstwagen Adam anzukurbeln. Auf dem Pariser Autosalon vom 29. September bis 14. Oktober sollen alle Blicke auf Errungenschaften der Branche wie batteriegetriebene Stadtflitzer, spritsparende Kompaktautos und Sportwagen mit Hybridantrieb gerichtet sein.

Auch Hersteller von Qualitätsautos bekommen Probleme

Doch gleich nach dem Blitzlichtgewitter der Fotografen und den feierlichen Ansprachen der Vorstandschefs dürfte der graue Alltag wieder Einzug halten in den Köpfen der europäischen Konzernmanager. Noch sehen die Autohersteller kein Ende der Absatzflaute im europäischen Markt, der nun schon seit fünf Jahren stetig schrumpft und auf dem nächstes Jahr voraussichtlich so wenige Neuwagen verkauft werden wie seit zwanzig Jahren nicht mehr. Das trifft vor allem die auf den europäischen Markt konzentrierten Massenhersteller wie Opel, Peugeot oder Fiat, die ihre Milliardenverluste durch Kurzarbeit, Personalabbau und Werksschließungen einzudämmen versuchen.

Aber inzwischen bekommen auch deutsche Hersteller von Qualitätsautos wie Volkswagen, Porsche und Daimler, die bisher die Schwäche des europäischen Marktes durch Exporte nach Amerika und China ausgleichen konnten, zunehmend Schwierigkeiten. Weil sich die Zuwächse in Übersee verringern, kürzen sie ihre Absatzprognosen, senken die Voraussage für den Gewinn und beginnen zu sparen.

Dabei könnte eigentlich alles so schön sein: Der Pariser Autosalon gehört zu den besucherstärksten Messen der Welt. Im jährlichen Wechsel mit der IAA in Frankfurt präsentieren Hersteller dort Neuheiten und Glanzstücke aus ihrem Programm. Zur „Mondial de l’Automobile 2010“ kamen fast 1,3 Millionen Besucher, etwas weniger als im Rekordjahr 2008 mit 1,4 Millionen. Die Ausstellungsfläche wird in diesem Jahr mit 96.000 Quadratmetern angegeben.

Fast könnten da die riesigen Überkapazitäten, die die Branche seit langem plagen, in Vergessenheit geraten. Zumindest an den beiden der Presse vorbehaltenen Tagen vor dem offiziellen Messebeginn wird sich kein Autohersteller die Blöße geben und die Schließung einer Fabrik ankündigen - seien die Probleme bei Opel, Fiat oder PSA Peugeot Citroën noch so groß. „Keiner fängt freiwillig an, Überkapazitäten abzubauen. Denn jeder, der damit beginnt, überlässt den anderen einen Vorteil“, sagt Helmut Becker vom Institut für Wirtschaftsanalyse in München. Neue Modelle dagegen haben der Branche schon über manche Konjunkturschwäche in Europa geholfen.

„Beim Autosalon in Paris stehen eine ganze Menge neuer Modelle, die helfen sollen, den schlechten Markt anzuschieben“, sagt Ferdinand Dudenhöffer vom CAR-Institut der Universität Duisburg. Neben Golf, Clio, Mondeo und Adam nennt er als weitere wichtige Volumenmodelle die Geländewagen Honda CR-V, Hyundai Santa Fee und Opel Mokka. Als weitere Stars könnten sich der Kompaktwagen Audi A3 Sportback, die Limousine Skoda Rapid und der Kleinwagen Peugeot 208 erweisen. Citroën stellt aus seiner Edel-Baureihe ein DS3 Cabrio vor und Toyota eine Kombiversion des Golf-Konkurrenten Auris.

Mit insgesamt mehr als 100 internationalen Neuheiten, darunter mehr als 40 Weltpremieren, wartet die „Mondial de L’Automobile auf. Auffällig ist der hohe Anteil an Klein- und Kompaktwagen. Als weiterer Trend kristallisiert sich die Verkleinerung des Hubraums der Motoren und die Ergänzung durch elektrische Antriebe heraus, um so den Kraftstoffverbrauch und den Schadstoffausstoß zu verringern. Fachleute warnen allerdings vor allzu großen Erwartungen. „Jede Menge neue Modelle, die eigentlich den Markt bewegen könnten - wenn da nicht die Schuldenkrise wäre“, kommentiert Dudenhöffer. „Die Automärkte in Südeuropa befinden sich im ungebremsten Fall.“ Dudenhöffer erwartet, dass 2013 das schlechteste Verkaufsjahr in Westeuropa seit 1993 wird - mit 11,6 Millionen Auto-Verkäufen nach 11,9 Millionen in diesem Jahr.

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Jahrgang 1972, Redakteur in der Wirtschaft.

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