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Modewelt Vom Laufsteg auf das Börsenparkett

19.05.2011 ·  Guter Geschmack will bezahlt sein, im Geschäft wie auf dem Laufsteg. Italiens renommierte Modemarken Prada und Ferragamo peilen den Börsengang an: eine in Hongkong, die andere in Mailand.

Von Stephan Finsterbusch und Tobias Piller
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In der Luxusgüter- und Modebranche stehen in diesem Sommer außer Fusionen und Übernahmen auch einige Börsengänge an. Neben der französischen Moncler-Gruppe streben mit Prada und Ferragamo zwei der bekannten italienischen Häuser an den Markt. Dabei könnten die Strategien der beiden Aspiranten kaum gegensätzlicher sein.

Prada, mit Sitz in Mailand und im toskanischen Städtchen San Giovanni Valdarno, will sich in Hongkong notieren und muss mit dem Erlös des Börsengangs erst einmal seine großen Schulden abtragen. Das Florentiner Modehaus Ferragamo hat ganz traditionell die Börsenzulassung in Mailand beantragt. Das Familienunternehmen will damit sein dynamischeres Wachstumstempo finanzieren, vor allem in China.

In Asien steigt der Absatz

Im Reich der Mitte wächst der Markt für Luxusgüter wie Taschen, Schuhe, Kleider, Anzüge oder Schmuck so schnell wie nirgendwo sonst in der Welt. Während die Nachfrage in Amerika und Europa seit Jahren stagniert und in Japan gar zurückgeht, hat die Branche einer Studie der Analysten von Bain Capital zufolge ihren Umsatz in China zwischen 2008 und 2010 auf mehr als 10 Milliarden Dollar nahezu verdoppelt. Die Marktbeobachter von McKinsey gehen gar davon aus, dass die Branche im Jahr 2015 mehr als 20 Milliarden Euro erlösen könnte.

Denn im aufstrebenden China schmücken sich die eine Million chinesische Millionäre umfassende Oberschicht und der 430 Millionen Menschen starke soziale Mittelstand gern mit europäischen Markenartikeln. Von LVMH bis Chanel, von Gucci bis Hugo Boss sind heute alle namhaften Anbieter von Luxusgütern in China vertreten. Dabei sind Chinesen mehr als nur an Waren interessiert. Der Magnat Dickson Poon kontrolliert seit Jahren die französische Marke ST Dupont. Die Medienunternehmerin Shaw-Lan besitzt das französische Couture-Haus Lanvin. Im Dezember kaufte das Textilunternehmen Li&Fung die italienische Edelmarke Cerruti.

China besetzt eine Schlüsselposition

Im März übernahm die Familie des Hongkonger Immobilien- und Handelsmagnaten Peter Woo 8 Prozent der Anteile der Salvatore Ferragamo SpA. Der Preis für die Anteile ist unbekannt. Die Woos kontrollieren nicht nur die beiden börsennotierten Gesellschaften Wheelock und Warf Holdings. Sie besitzen auch den auf Luxus spezialisierten Einzelhändler LCJG mit Marken wie Lane Crawford. Ferragamo hatte 1986 den ersten Laden in Hongkong und 1994 den erste in China eröffnet. Heute hat es dort 48 Geschäft. „Das ist ein Schlüsselmarkt“, ließ sich Ferrucio Ferragamo, Chef von Salvatore Ferragamo, in einer Mitteilung zitieren.

Noch in diesem Jahr will Ferragamo acht weitere Läden in China eröffnen. Zugleich kann der Börsengang in der Familie Ferragamo, geführt von sechs Kindern des Gründers Salvatore Ferragamo, auch den Generationenwechsel einleiten und dem erst seit relativ kurzer Zeit von einem familienfremden Manager geführten Modehaus mehr Eigenständigkeit geben. So sind die von Ferragamo und Prada nun anvisierten Börsengänge eine der raren Gelegenheiten, den bislang kurzen Börsenzettel italienischer Mode- und Luxusunternehmen um zwei wohlklingende Namen zu bereichern.

Denn viele der großen Marken, beginnend mit Armani oder Versace, waren nie an der Börse gewesen. Bulgari wird gerade vom französischen Konzern LVMH übernommen. Damit bleibt in Mailand an bedeutenderen Titeln vor allem der Brillenkonzern Luxottica und der Schuh- und Accessoireanbieter „Tod's“. Andere Versuche wie die der „Mariella Burani Holding“ endeten im betrügerischen Bankrott. Die Valentino Fashion Group erinnert mit dem Namen zwar an den Modeschöpfer Valentino Garavani, hat aber weder mit ihm noch mit der Preiskategorie seiner Produkte etwas zu tun.

Prada sorgt für Polemik

Anders als Prada hat das ebenfalls den Börsengang anvisierende französische Modehaus Moncler das Mailänder Parkett für seine IPO-Pläne auserkoren. Dass sich Prada für einen Börsengang im fernen Hongkong und nicht im heimischen Mailand entschieden hat, löste in Italien einige Polemik aus: Die Mailänder Börse hatte seit vielen Jahren gehofft, die vielen börsenfähigen Familienunternehmen vom Sprung an den Finanzmarkt zu überzeugen, ist aber doch klein geblieben und von London geschluckt worden.

Wer in der Entscheidung von Prada ein Zeichen einer Absage an Mailand sehen will, wird von Investmentbankern belehrt, dass etwa Luxottica zuerst in New York und dann in Mailand notiert wurde. Prada sei ein ganz ähnlicher Fall, heißt es. Der größte Teil des Umsatzes des Unternehmens werde in Asien erzielt, dort genieße das Label den größten Bekanntheitsgrad und sei dort auch am meisten wert. Derzeit betreibt Prada 15 Läden in China, Ende kommenden Jahres sollen es drei Mal so viele sein. Darüber hinaus wird in diesem Jahr in Hongkong ein Design-Studio eingerichtet.

Auch Expansion will finanziert sein

Auch zur Finanzierung der Expansion kann der Börsengang beitragen. In Hongkong wird wohl nur ein Viertel des Aktienkapitals von Prada verkauft werden, womit noch genügend Spielraum für einen zweiten Börsengang in Europa bliebe. So gegensätzlich wie die Geschichte der beiden italienischen Finanzmarktkandidaten ist auch ihre Einstellung zur Börse: Prada hatte seit 2000 mehrere Anläufe in Richtung Börse unternommen. Sie alle scheiterten aus diversen Gründen.

Patrizio Bertelli, Ehemann der Modeschöpferin Miuccia Prada und Kopf des Konzerns, hatte Schulden von annähernd 1 Milliarde Euro aufgetürmt bei dem Versuch, einen Modekonzern nach dem Muster von LVMH zu schaffen. Neben der britischen Schuhmarke „Church's“ kaufte er viele Modehäuser und -marken. Doch aus dem geplanten Konzern wurde nie eine schlagkräftige Geschäftseinheit. Übrig blieb das Stammhaus mit den Marken „Prada“ und „Miu Miu“, daneben die Schuhmarken „Church's“ und „Car Shoe“.

Verschiedene Börsenstrategien

Miuccia Prada hatte 1978 von den Großeltern ein Geschäft in der Fußgängerpassage am Mailänder Dom geerbt, das für edle Koffer und Reisetaschen berühmt war; sie machte daraus gesuchte Modeartikel und kreierte eine neue Modetendenz mit den eleganten Formen aus Nylon. Patrizio Bertelli hatte vor seiner Heirat Erfahrungen in Kleinbetrieben für Lederwaren gesammelt, bevor er 1979 eine eigene Produktionsfirma gründete, die bald für den Namen „Prada“ arbeiten sollte. Ein Umsatz von 2,05 Milliarden Euro und ein Nettogewinn von 251 Millionen Euro für 2010 zeigen, dass sie es trotz allen Unbills weit gebracht haben.

Ferragamo hat sich dagegen langsam an die Börse herangearbeitet. Die Familie Ferragamo hatte lange Zeit nicht so sehr am konsequenten Wachstum des Modehauses gearbeitet, sondern suchte mit immer breiterer Diversifikation in Hotels oder Weingütern möglichst vielen Sprösslingen der Familie angemessenen Raum für unternehmerische Aktivitäten zu verschaffen. Nach einer Phase der Stagnation Ende der neunziger Jahre half ein familienfremder Geschäftsführer, das Unternehmen umzubauen und auf Wachstum zu trimmen. Bei 782 Millionen Euro Umsatz im vergangenen Geschäftsjahr wurde ein Nettogewinn von 60 Millionen Euro erwirtschaftet.

Der Name hat dagegen mehr Tradition als viele andere italienischen Markenartikler und steht längst für ein breites Modesortiment. Dabei ist die Familie Ferragamo so groß geworden, dass der Börsengang den Generationswechsel zu den Enkeln des Firmengründers erleichtern soll.

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