http://www.faz.net/-gqe-z2nr
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 21.12.2010, 14:43 Uhr

Modelleisenbahnen Märklin gehört jetzt den Gläubigern

Lange hat der Insolvenzverwalter nach einem Investor für Märklin gesucht. Doch er hat keinen gefunden. Nun sollen die Banken, die Märklin Geld geliehen haben, zu Gesellschaftern werden. Die Gläubiger haben dem Insolvenzplan zugestimmt.

© dpa Märklin hatte im Februar 2009 Insolvenz angemeldet

Mit großer Mehrheit haben die Gläubiger des Modelleisenbahnherstellers Märklin am Dienstag dem Insolvenzplan zugestimmt. 99,8 Prozent der 750 vertretenen Gläubiger billigten den Plan, wie Insolvenzverwalter Michael Pluta im Anschluss an die Versammlung in Göppingen sagte. Er erwarte, dass der Plan zum 1. Januar in Kraft treten kann.

Der Insolvenzplan sieht unter anderem vor, dass 33 Millionen der rund 90 Millionen Euro Schulden sofort an die Gläubiger ausgeschüttet werden sollen. Davon erhalten die größten Gläubiger - die BW-Bank, die Kreissparkasse Göppingen und Investmentbank Goldman Sachs - rund 27 Millionen Euro. Die 1.350 kleineren Gläubiger, unter denen viele Mitarbeiter sind, beziehen rund zehn Prozent ihrer Forderungen in Höhe von insgesamt 24,8 Millionen Euro. Die Restforderungen sollen nach einem erfolgreichen Verkauf des Unternehmens bedient werden. Die restlichen 3,3 Millionen Euro fließen den Angaben nach in den Sozialplan für Mitarbeiter, die in den Jahren 2009 und 2010 ausgeschieden sind.

Mehr zum Thema

Bis zum geplanten Verkauf von Märklin sollen die Gläubiger Eigentümer des Unternehmens bleiben. Doch bevor das Unternehmen an neue Investoren veräußert wird, solle die Sanierung abgeschlossen sein, erklärte Pluta. „Ich bin sicher, dass wir in drei Jahren, vier Jahren diese Situation bereinigen werden“, sagte Geschäftsführer Kurt Seitzinger. Nach der Abstimmung müssen noch das Finanzamt und die Stadt Göppingen zustimmen. Dies soll im Januar oder Februar erfolgen.

Märklin-Pluta © dpa Vergrößern Hat auch zwei Jahre nach der Insolvenz noch keinen Käufer für das Traditionsunternehmen in Sicht: Insolvenzverwalter Michael Pluta

Märklin hatte 2009 - im 150. Jahr seines Bestehens - Insolvenz angemeldet (siehe Märklin muss Insolvenz anmelden). Vorausgegangen war eine Übernahme der einst von drei Familienstämmen geführten Firma durch Finanzinvestoren. Deren Sanierungsbemühungen scheiterten. Danach hatte Pluta Märklin eigenen Worten zufolge eine „Rosskur“ verordnet, bei der zunächst mehr als 400 Mitarbeiter entlassen wurden, darunter Manager und Berater. Außerdem wurden das Programm gestrafft und Teile der Produktion aus China nach Europa zurückgeholt.

Märklin unterhält neben dem Stammwerk in Göppingen noch eine Produktionsstätte im ungarischen Györ. An beiden Standorten arbeiten zusammen noch rund 1000 Mitarbeiter.

Quelle: dapd

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Kickers Offenbach Nur noch die eine Chance

Die Lage bei den Offenbacher Kickers ist so ernst wie nie zuvor. Doch der Klub und sein vorläufiger Insolvenzverwalter haben trotzdem Hoffnung. Mehr Von Jörg Daniels

15.06.2016, 06:07 Uhr | Rhein-Main
Verpflichtet zum Schweigen Protest gegen Bilderberg-Konferenz

Gegen die Bilderberg-Konferenz in Dresden sind rund 20 Kundgebungen und Demonstrationen angemeldet. Unter den Gästen des streng geheimen Treffens sind auch mindestens drei deutsche Minister. Mehr

09.06.2016, 16:37 Uhr | Politik
Hard Candy Was wird aus Madonnas Fitnessstudios?

Für die deutschen Studios der von Madonna mitgegründeten Fitnesskette Hard Candy dürfte es jetzt wirklich hart werden: Nach der Insolvenz der Berliner Betreiberfirma ist ihre Zukunft offen. Mehr

19.06.2016, 16:32 Uhr | Wirtschaft
Italien Mit der Vespa auf Sightseeing-Tour in Rom

Rund zehn Millionen Touristen kommen jedes Jahr nach Rom. Die wohl stilechteste Möglichkeit, die italienische Hauptstadt zu erkunden: eine Führung mit der Vespa. vorbei an Colosseum und Trevi-Brunnen. Mehr

17.06.2016, 14:13 Uhr | Reise
Metric Hersteller der Bahn-Fahrscheinautomaten ist zahlungsunfähig

Jeden Tag haben Hunderttausende Menschen mit Ticket- und Parkscheinautomaten von Metric zu tun. Die Bahn ist ein großer Kunde der Firma, die früher Höft & Wessels hieß. Metric hat nun Insolvenz in Eigenregie angemeldet. Mehr

29.06.2016, 08:35 Uhr | Wirtschaft

Das Herz der EU

Von Holger Steltzner

Der EU-Binnenmarkt ist in Misskredit geraten, viele verteufeln ihn als neoliberal oder verunglimpfen ihn als Machtmittel deutscher Hegemonie. Dabei ist gerade er der wirtschaftliche Motor, der Wachstum und Wohlstand bescherte. Mehr 114 144

Grafik des Tages Ist der Mindestlohn schlimm?

Seit anderthalb Jahren gilt in Deutschland ein gesetzlicher Mindestlohn. Immer noch zweifeln viele Firmen, dass er ihre Erträge schmälern wird - besonders in einer Branche. Mehr 0

Abonnieren Sie den Newsletter „Wirtschaft“

Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden