19.11.2009 · Karl-Johan Persson führt in dritter Generation den Modekonzern Hennes & Mauritz. Sein Großvater hatte 1947 den ersten Laden eröffnet. Im Interview spricht er über schwedische Coolness, neue Filialen und die Pumps von Michelle Obama.
Karl-Johan Persson führt in dritter Generation den schwedischen Modekonzern Hennes & Mauritz. Sein Großvater hatte 1947 den ersten Laden eröffnet. In seinem ersten Interview in Deutschland spricht Persson über schwedische Coolness, neue Filialen und die Pumps von Michelle Obama.
Herr Persson, Sie sind der Enkel des H&M-Gründers. Wie groß ist der Druck, der auf Ihnen als neuem Chef lastet?
Wir Schweden sind da ganz entspannt. Mein Großvater Erling ist vor einigen Jahren verstorben, er wollte immer, dass seine Kinder und Enkelkinder das tun, was ihnen Spaß macht.
Haben Sie ihn noch miterlebt in der Firma?
Natürlich, er war bis zum Schluss dabei. Im Jahr 2000 war ich mit ihm in New York bei der Eröffnung unseres ersten Stores in Amerika. Er war schon beim Frühstück nervös, es war kaum auszuhalten. Erst als er die Menschenmenge vor dem Laden sah, wurde er ruhiger.
Ihr Vater hat H&M zur drittgrößten Modekette der Welt gemacht. War immer klar, dass Sie in seine Fußspuren treten würden?
Für meine beiden jüngeren Geschwister und mich war H&M natürlich immer eine Option. Aber dass der Aufsichtsrat mich dieses Jahr zum Chef ernennen würde, war keinesfalls selbstverständlich.
Na, immerhin ist Ihr Vater Chef des Aufsichtsrats. Er wird ein gutes Wort für Sie eingelegt haben.
Es ist letztendlich nicht die Entscheidung meines Vaters gewesen, sondern die Mitglieder des Aufsichtsrates haben so entschieden.
Gab es schon Reibereien mit Ihrem Vater?
Reibereien würde ich das nicht nennen. Klar, wir sind nicht immer einer Meinung, aber in den wichtigen Punkten einigen wir uns. Das ist zwischen ihm und mir nicht anders, als es bei meinem Vorgänger Rolf Eriksen war. Ob Rolf oder ich da sitzen, spielt für meinen Vater keine Rolle. Wir kommen mehrmals in der Woche zusammen und besprechen uns.
Ihr Vater ist weiter täglich im Büro?
Nicht jeden Tag, aber oft. Sehr oft. H&M ist sein Leben, er kennt alles im Geschäft, weiß alles, wir verstehen uns. Einen besseren Chairman kann ich mir nicht vorstellen.
H&M wartet jeden Herbst mit einer Designer-Kollektion auf. Nach Karl Lagerfeld, Stella McCartney und Comme des Garçons ist jetzt Jimmy Choo dran. Wer soll diese hohen Stilettos tragen?
Sie, meine Frau, Michelle Obama, alle Frauen, die Lust an Designer-Mode haben.
Michelle Obama trug grüne Lackpumps von Choo bei der Vereidigung ihres Mannes. Haben Sie danach gesagt: Das Label will ich im Herbst bei H&M sehen?
Nein, da waren die Gespräche längst geführt.
Und jetzt kann jeder H&M-Kunde die Pumps der Präsidentengattin tragen.
Genau, allerdings nicht in Grün. Grün haben wir nicht. Aber in Blau, Schwarz oder mit Zebramuster.
Und das zu einem Bruchteil des üblichen Choo-Preises?
Ja, H&M führt die Kollektion zu einem richtig guten Preis. Wenn Sie bei uns 89 oder 99 Euro zahlen, hätten Sie bei dem Label selbst sicher 400 oder 500 Euro bezahlt.
Sie haben an der Qualität gespart?
Nein, die Menge macht's. Wir verkaufen die Choo-Kollektion in 200 ausgewählten Stores weltweit. Solche Stückzahlen sind Designern sonst fremd. Die müssen ganz anders kalkulieren.
Choo muss jetzt die Saison rausreißen - in letzter Zeit verkaufen Sie weniger Ware, wachsen nur noch, indem Sie neue Geschäfte eröffnen.
Das stimmt zum Teil, gilt allerdings nicht für Deutschland, unseren stärksten Markt. Aber natürlich spüren auch wir die Rezession, es sind einfach weniger Leute unterwegs und shoppen.
Kann es sein, dass H&M die Kunden nicht mehr so begeistert wie früher?
Nein, wir haben Tolles geleistet in den vergangenen Jahrzehnten und sind heute sehr zufrieden mit unserer Situation.
Die Menschen aber stürmen zur Konkurrenz, zu Zara, Topshop, Primark, Kik, und packen sich dort die Tüten voll. Macht Sie das nicht wütend oder nervös?
Wütend macht mich gar nichts.
Aber Sie müssen darauf reagieren.
Natürlich schauen wir auf die Konkurrenz, aber wir konzentrieren uns auf H&M: Haben wir das beste Preis-Leistungs-Verhältnis? Können wir bei der Qualität noch besser werden? Wie stehen wir da im Vergleich zum Vorjahr? Das ist unsere Messlatte.
Sie haben in Schweden zwei junge Marken gekauft, Weekday und Monki, und starten damit gerade in Deutschland. Ist das Ihre Antwort auf die neuen Angreifer?
Die Marken sind toll, das Konzept hat uns auf Anhieb überzeugt, und sie ergänzen H&M hervorragend.
Sie liegen preislich nahe an H&M. Da jagen Sie sich im eigenen Haus die Kunden ab.
Haben Sie bei Monki mal reingeschaut? Das ist ganz anders als H&M. Das ist sehr trendorientiert, japanischer Streetstyle kombiniert mit skandinavischer Coolness. Sie finden dort kein Teil, das H&M führt. Wir erweitern unseren Kundenstamm mit diesen Konzepten.
Monki kennt in Deutschland bisher niemand.
Was erwarten Sie? Die Geschäfte in Hamburg und Essen gibt es seit ein, zwei Wochen. Aber keine Sorge, das wird sich schnell ändern. Die nächsten Shops folgen bald.
Werben Sie mit der Dachmarke H&M für die neuen Label?
Nein, die Kunden müssen gar nicht wissen, dass sie zu uns gehören. Die sollen reingehen, weil sie neugierig sind. Den Rest erledigt die Mundpropaganda.
Ihr Konkurrent Inditex ist neben Zara seit langem auch mit anderen Modeketten sehr erfolgreich. Was machen die Spanier besser?
Wie gesagt, wir gucken nicht auf andere.
Was immer Sie anfangen, ob Accessoires, eine elegante Modemarke wie Cos, H&M Home mit Stoffen und Kissen, die Spanier haben es längst. Sie hecheln denen hinterher!
Falsch. Das läuft anders. Mein Großvater hat vor 62 Jahren in Schweden angefangen mit einem Geschäft für Damenmode, dann hat er weitere Läden eröffnet, irgendwann die Herrenmode dazugenommen. Später dann haben wir erweitert auf Kinder, auf Accessoires und Schuhe. Wir gucken stets, was passt zu uns? Was könnten wir hinzunehmen? In welchen Ländern könnten wir starten?
Würde zu H&M auch eine Designer-Marke passen?
Warum nicht?
Haben Sie um Escada geboten?
Nein. Die Marke hat jetzt die Familie Mittal gekauft, oder? Ich habe das gar nicht so verfolgt.
Gucken Sie sich andere Luxus-Labels an?
Wir schauen uns nichts gezielt an, aber uns schwirren tausend Ideen durch den Kopf. Man muss im richtigen Augenblick bereit sein.
Sie möchten die H&M-Familie also gerne erweitern?
Natürlich, wenn etwas passt. Wir haben da keinen Zwang. Zukäufe, neue eigene Konzepte - das alles ist möglich bei uns. Derzeit haben wir aber genug zu tun mit H&M, mit der Expansion von Cos und der Einführung der beiden neuen Marken. Allein in Deutschland hat H&M noch viel Potential, auch wenn andere sagen: Ihr habt doch schon 350 Läden dort, was wollt ihr denn noch? Wir sind hier längst nicht fertig!
Sie sind 34 Jahre alt. Ist das nicht etwas jung, um 73 000 Mitarbeiter und 1800 Shops in 35 Ländern zu regieren?
Mein Vater war 35, als er CEO wurde. Und mein Vorgänger Rolf Eriksen wollte unbedingt in diesem Sommer aufhören. Es ist auch nicht so, dass ich keine Erfahrungen im Konzern gesammelt hätte. Ich war in den letzten Jahren verantwortlich für die Expansion und den Start von Cos.
Ihr Gesellenstück quasi.
Als solches würde ich eher die Gründung meines Event-Unternehmens in London bezeichnen.
Was für Events haben Sie veranstaltet?
Mit einem Freund zusammen habe ich Incentive-Reisen angeboten: für Firmen aus Skandinavien, die ihren Mitarbeitern außergewöhnliche Ausflüge nach England oder Spanien bieten wollten - und andersherum. Das hat gut funktioniert und hat Spaß gemacht. Eigentlich sollte jeder mal ein Unternehmen gründen, sein eigener Chef sein.
Nach drei Jahren, 2004, aber haben Sie es verkauft.
Ja, und zwar zu einem guten Preis. Ich wollte bei H&M einsteigen.
Sie gehören zu einer der reichsten Familien der Welt, sind mit Prinzessin Victoria befreundet. Kann man da H&M-Klamotten tragen?
Natürlich. Meist greife ich zu Cos, aber auch Shirts, Jeans und Unterwäsche von H&M sind super.
Ihre Frau steht auf Empfängen im H&M-Kleid zwischen all den Gucci- und Dior-Roben?
Ohne Probleme. Aber sie mischt auch mal ein Designer-Stück darunter.
Da waren doch einmal...
Moritz Mantei (moritzmantei)
- 19.11.2009, 12:43 Uhr
Letzte Frage an Herrn Persson
Marcus Fronto (MarcusLFronto)
- 19.11.2009, 13:21 Uhr
Das Imperium schlägt zurück,
d mayer (drmayer)
- 21.11.2009, 17:02 Uhr
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